Warenhaus der Geschwister Knopf, um 1914, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVe 1008.
Warenhaus von Hermann Tietz, um 1915, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 395/570.
Kaufhaus Schneider, 1957, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA V V 1819.

Warenhäuser

Warenhäuser als moderne Form des Vertriebs über innerstädtische Verkaufsgeschäfte gab es um 1850 zuerst in Paris, ehe sie sich am Ende des 19. Jahrhunderts allgemein durchsetzten. Neu an dem Großgeschäft war die in Abteilungen gegliederte zentrale Organisation, die ein breites Warensortiment zu festen Preisen und Barverkauf anstelle des gewohnten Anschreibens beim kleinen Ladengeschäft boten. Ein Teil vermittelte zwar Exklusivität und bediente die Bedürfnisse des gehobenen Bürgertums, infolge der durch die Industrialisierung veränderten Produktions- und Handelsbedingungen richtete sich das Angebot der Warenhäuser aber vor allem an ein Massenpublikum. Sie machten den kleinen Einzelhändlern in zentraler Innenstadtlage deutlich Konkurrenz.

Die klassischen und ersten Warenhäuser in Karlsruhe waren die der Geschwister Knopf (1881) und von Hermann Tietz (1888), die mit ihren Neubauten (1912 bzw. 1913) in der Kaiserstraße bauliche Akzente setzten, sowie das von Hermann Schmoller (um 1892), mit seinen kleinen Verkaufsräumen für Bekleidung. Vor 1945 kamen das Kaufhaus Schneider (1938) bzw. dessen Vorgänger „Einheitspreisgeschäft Eschwege“ (1932-1934) und das „Kaufhaus Merkur“ (1934-1938) hinzu. Hatten die Nationalsozialisten in ihrem Kampfprogramm von 1920 die „sofortige Kommunalisierung der Groß-Warenhäuser und ihre Vermietung zu billigen Preisen an kleine Gewerbetreibende“ gefordert, so blieb davon in ihrer Einzelhandelspolitik nach 1933 nur noch die „Arisierung“ der in jüdischem Besitz befindlichen Warenhäuser Tietz durch die Union Vereinigte Kaufstätten GmbH (1937) und Knopf durch die Friedrich Hölscher KG 1938.

Nach 1945 etablierten sich neben Hölscher (1953 „Rudolph Karstadt GmbH“) und Union (1966 Hertie) die Kleinpreis-Kaufhäuser Kaufhalle (1946/1958-1999) und Woolworth (Kaiserstraße 195/197, 1955-2002), die nicht mehr dem klassischen Warenhaus-Konzept entsprachen. Ein Sonderfall war das 1975 im Gewerbegebiet Am Storrenacker eröffnete „Warenhaus UNIKA“ (Unika- Universaleinkaufs-Center Karlsruhe) des Investors Iraj Ghandchi. Unika war als Einkaufszentrum konzipiert, wurde aber zur Erlangung einer Betriebsgenehmigung durch den Gemeinderat als Warenhaus bezeichnet. Ungeachtet der Auseinandersetzungen zwischen Ghandchi und der Stadtverwaltung ging das Haus bereits vier Monate nach der Eröffnung in Konkurs.

Seit den 1950er-Jahren machten Selbstbedienungsgeschäfte und Spezialmärkte „auf der grünen Wiese“ den Warenhäusern Konkurrenz. Mit Beginn des 21. Jahrhunderts konkurrierten zudem die Einkaufscenter Postgalerie und Einkaufszentrum Ettlinger Tor in zentraler Innenstadtlage in Karlsruhe mit den noch existierenden Warenhäusern.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2012

Literatur

Uwe Spiekermann: Das Warenhaus, in: Alexa Geisthövel/Habbo Knoch (Hrsg.): Orte der Moderne. Erfahrungswelten des 19. und 20. Jahrhunderts, Frankfurt a. M. 2005; Detlef Briesen: Warenhaus, Massenkonsum und Sozialmoral. Zur Geschichte der Konsumkritik im 20. Jahrhundert, Frankfurt a. M. 2001.