Arisierungsreklame für das Baugeschäft Prölsdörfer, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Ze 14 Der Führer, 11. April 1937.
Arisierungsreklame für das Kaufhaus Geschwister Knopf, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Ze 14 Der Führer, 22. September 1938.

Arisierung

Arisierung ist ein originär nationalsozialistischer Terminus für die Übernahme von jüdischem Eigentum in sogenanntes arisches Eigentum. Im engeren Sinn umfasst es die zwangsweise Konfiskation insbesondere durch die Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben vom 12. November 1938 und die Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens - Immobilienverkauf - vom 3. Dezember 1938. Betriebe und Geschäfte, die bis zum 31. Dezember 1938 nicht in "arische Hand" übergegangen waren, wurden zwangsweise liquidiert. Arisierung umfasst aber auch den Verkauf von jüdischem Wirtschaftseigentum oder die Auflösung desselben von 1933 bis zum 12. November 1938, wobei die jüdischen Eigentümer meist gezwungen waren, ihre Eigentumsanteile in der Regel unter dem Marktwert zu veräußern. Im weiteren Sinne umfasst die Arisierung auch die Verdrängung von Juden durch das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 oder die Verdrängung aus den freien Berufen der Ärzteschaft oder der Rechtsanwälte.

In Karlsruhe waren bereits vor 1938 etliche Geschäfte in "arischen Besitz" übergegangen, wie das Modehaus Hugo Landauer, das am 11. Juni 1936 von den Geschwistern Vetter übernommen wurde. Betroffen waren neben einer Reihe kleinerer und mittlerer Geschäfte auch die Kaufhäuser Tietz und Knopf. Tietz wurde bereits 1937 als Kaufhaus Union arisiert, Knopf folgte im September 1938 und wurde von Friedrich Hölscher weitergeführt. Arisiert wurden 1939 auch die Bankhäuser Baer & Elend, Ignaz Ellern und Veit L. Homburger. Darüber hinaus wurde jüdischer Grundbesitz arisiert, wobei die Stadt allein für 5 Millionen Mark Grundstücke kaufte.

Die breite Öffentlichkeit in Karlsruhe nahm meist nur durch die Reklame der neuen Eigentümer Notiz davon, die reißerisch mit dem Besitzerwechsel warben, wie zum Beispiel im Fall des Kaufhauses der Geschwister Knopf.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2012

Quellen

Zahlreiche, aber unvollständige Akten zur Arisierung, beaufsichtigt durch das Bad. Finanz- und Wirtschaftsministerium in GLA 237/Zug. 1967-19.

Literatur

Joseph Walk (Hrsg.): Das Sonderrecht für die Juden im NS-Staat. Eine Sammlung der gesetzlichen Maßnahmen und Richtlinien - Inhalt und Bedeutung, 2. Aufl. Heidelberg 1996; Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich, 2. Aufl. Karlsruhe 1996, passim (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 9); Irmtrud Wojak: "Arisierung" im Nationalsozialismus. Volksgemeinschaft, Raub und Gedächtnis, hrsg. im Auftrag des Fritz-Bauer-Instituts, Frankfurt a.M. 2000.