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Breuninger


Breuninger

Kaufhaus Breuninger und Co., 1994, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVf 198.
Kaufhaus Breuninger und Co., 1994, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVf 198.

1881 eröffnete der 27-jährige Textilkaufmann Eduard Breuninger im Stuttgarter Stadtzentrum ein Einzelhandelsgeschäft, dessen Warenangebot und Verkaufsfläche er stetig vergrößern konnte. Beim schwersten Luftangriff auf die württembergische Landeshauptstadt am 12. September 1944 wurden die Geschäftshäuser vollständig zerstört. Der Wiederaufbau des Unternehmens ab 1947 fand unter der Leitung von Heinz Breuninger, dem Enkel des Firmengründers, statt. Dieser übergab 1975 die operative Leitung des Unternehmens an einen externen Nachfolger.

Mit der Eröffnung des Breuningerlands in Ludwigsburg 1973, einem Einkaufszentrum mit weiteren angeschlossenen Handelsgeschäften und Gastronomiebetrieben, expandierte das Stuttgarter Unternehmen zum ersten Mal in seiner langjährigen Geschichte. Auch die zweite Filialgründung 1980 mit dem Sindelfinger Breuningerland erfolgte im Umland des Stuttgarter Stammhauses. Mit dem 1990 in Dresden (Schließung 2008) und kurz darauf in Leipzig eröffneten Breuninger Kaufhäusern expandierte der Konzern erstmals über Südwestdeutschland hinaus im neuen Bundesland Sachsen.

1992 bot sich der Breuninger GmbH & Co. die Gelegenheit, von der Kaufhaus Schneider KG die vier Häuser in Karlsruhe, Ettlingen (Schließung 2004), Pforzheim (Schließung 2006) und Freiburg mietweise zu übernehmen und dadurch den Stuttgarter Mode- und Kaufhauskonzern in der Region Baden stärker zu positionieren. Zum 1. Januar 1993 übernahm Breuninger die Häuser, renovierte diese nacheinander von Grund auf und gestaltete sie zu typischen Breuninger-Häusern um. Von Januar bis März 1994 blieb deshalb das Karlsruher Haus geschlossen. Während sein äußeres Erscheinungsbild, das seit 1969 von einer vorgehängten Aluminiumfassade mit harteloxierter Oberfläche geprägt wurde und dem Bau die Bezeichnung "Goldener Würfel" eingebracht hatte, nahezu unverändert erhalten blieb, fanden im Inneren durch den Wegfall der ehemaligen Kaufhaus Schneider Abteilungen für Lebensmittel und für Haushalt- und Elektrogeräte größere Umstrukturierungen statt. Das auf Bekleidung, Schuhe, Accessoires und Beauty-Artikel fokussierte Mode- und Kaufhaus stieß bei der Karlsruher Bevölkerung zunächst nicht auf die erhoffte Resonanz. Erst ab 1996/97 begann sich der Standort für das Unternehmen positiv zu entwickeln und Umsatzplus einzufahren. Neben dem Bekleidungshaus Breuninger wirkte sich auch die Eröffnung der Postgalerie am Europaplatz 2001 positiv auf den Einzelhandel im westlichen Bereich der Kaiserstraße aus.

Anfang 2004 entstanden Spekulationen über die Schließung des Karlsruher Hauses oder seine mögliche Verlegung in das neue ECE-Center Ettlinger Tor, welches im September 2005 eröffnet werden sollte. Mittlerweile gehörte die Immobilie Kaiserstraße 146-148 dem Deka Investmentfonds der Sparkassen-Finanzgruppe, die auch die Errichtung des ECE-Centers, in dem rund 130 Fachgeschäfte auf 33.000 Quadratmetern Platz finden sollten, mitfinanzierte. Bei einem Umzug in das neue Einkaufszentrum hätte die Breuninger GmbH & Co. ihre bisherige, über fünf Etagen reichende Verkaufsfläche auf zwei Stockwerke mit deutlich weniger Fläche reduzieren müssen. Das war einer der Hauptgründe, warum sich Breuninger für das ehemalige Hertie-Kaufhaus in der Kaiserstraße 96, das seit 1994 unter Hertie/Karstadt geführt und nach einem Eigentümerwechsel 2002 von der Karstadt/Quelle AG zur Neuvermietung generalsaniert und modernisiert wurde, als neuen Standort entschied. Nachdem im östlichen Teil des Komplexes bereits im Oktober 2005 KarstadtSport und eine dm-Drogeriemarkt-Filiale eröffnen konnten, folgte im März 2006 Breuninger nach. Das vierte und fünfte Obergeschoss nahmen ein Fitness-Studio und Büros auf. Im Haus am Europaplatz betrieb die Breuninger GmbH & Co. noch bis Ende Juni 2007 mit "Red Box by Breuninger" ein Gemischtwaren-Outletcenter.

Obwohl der Mode- und Lifestyle-Konzern stetig expandiert – 2017 eröffnete Breuninger mit dem Dorotheen Quartier im Zentrum Stuttgarts ein neues Stadtviertel, 2021 übernahm das Unternehmen das alteingesessene Modehaus Konen GmbH in München und Luxemburg und seit 2022 bedient sein Online-Shop acht europäische Länder – leiteten die Eigentümerfamilien im Sommer 2024 einen Verkaufsprozess für den gesamten Konzern ein. Das führte auch in Karlsruhe in der Belegschaft und unter den Kunden zu einer großen Verunsicherung. Da die Angebote der potenziellen Interessenten den Vorstellungen der Eigentümer nicht entsprachen, wurde der Verkaufsprozess Anfang 2026 gestoppt und in der Unternehmensführung vorerst alles beim Alten belassen.

Katja Förster 2021/2026

Quellen

Über 140 Jahre Breuninger. Die Erfolgsgeschichte – von 1868 bis heute, https://www.e-breuninger.de/de/unternehmen/ (Zugriff am 29. April 2026); Badische Neueste Nachrichten, u. a. vom 25. November 1992 (Breuninger in Pforzheim, Ettlingen, Karlsruhe und Freiburg), 12. Januar 1994 (Badische Häuser für Breuninger wichtig), 27. April 2004 (Breuninger noch in Verhandlungen), 24. September 2005 (Breuninger zieht ins "Hertie"), 7. September 2024 (Verkaufsgerüchte beschäftigen Kunden und Personal); Melanie Bergemann/Henryk Hielscher: Der Verkauf der Modehaus-Kette Breuninger ist vorerst abgesagt, in: WirtschaftsWoche vom 13. März 2026.