Höhere Mädchenschule (Fichte-Gymnasium), 1885, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 80/28.

Fichte-Gymnasium

Die Anfänge des Fichte-Gymnasiums reichen bis zur Gründung der ersten städtischen Töchterschule im Jahre 1827 zurück. Für den Schulbetrieb, der Töchtern gebildeter Stände vorbehalten war, stellte die Stadt ein Gebäude in der Ritterstraße 9 zur Verfügung. 1838 ging die Schule, die sich zunächst durch Schulgeld zu finanzieren versuchte, in städtische Trägerschaft über und nannte sich von nun an Höhere Töchterschule. Der Schulbetrieb war in drei Abteilungen gegliedert: in die dreijährige Vorschule (Alter 7-9), die fünfjährige Töchterschule (Alter 10-14) und die siebenjährige höhere Töchterschule (Alter 10-17).

Aus Platzgründen bezog die über 300 Schülerinnen umfassende Einrichtung vor Dezember 1868 ein Gebäude in der Kreuzstraße 15. Nachdem sich bis 1877 die Zahl der Schülerinnen mit 687 mehr als verdoppelt hatte, wurde noch im selben Jahr Heinrich Lang mit der Planung eines stattlichen Schulgebäudes in der Sophienstraße 14 beauftragt. 1878 war die dreigeschossige Dreiflügelanlage im damals gängigen Neorenaissancestil fertig gestellt.

Mit dem Bezug des Neubaus erfolgte zugleich eine Teilung des Schulbetriebs: Die Schülerinnen der Höheren Töchterschule und ein Teil der Vorschule zogen in den Neubau in der Sophienstraße und bildeten fortan die Höhere Mädchenschule, während die Schülerinnen der Töchterschule mit dem anderen Teil der Vorschule in der Kreuzstraße als Töchterschule verblieb. Am 11. September 1893 eröffnete die Leiterin des Vereins Frauenbildung-Reform, Hedwig Kettler, im Rückgebäude der Höheren Mädchenschule das erste Mädchengymnasium Deutschlands. Neben Französisch als erster und Englisch als zweiter Fremdsprache wurden nun auch Latein und Griechisch angeboten. 1897 übernahm die Stadt die Trägerschaft für die Gymnasialabteilung und integrierte sie in den Schulbetrieb. Die zusätzlich benötigten Räumlichkeiten wurden in der Waldstraße 83, Rückgebäude, gefunden.

Wegen der hohen Schülerinnenzahl musste 1911 die Mädchenschule abermals geteilt werden: Die Gymnasiastinnen sowie die Hälfte der Schülerinnen der Höheren Mädchenschule bezogen die nach Plänen Friedrich Beichels neu erbaute Lessingschule in der Sophienstraße 143/145, während die übrigen Schülerinnen in ihrer nach Johann Gottlieb Fichte umbenannten Einrichtung in der Sophienstraße 14 und Waldstraße 83 verblieben.

Während des Ersten Weltkriegs wurden die Klassen der Fichteschule in die Lessingschule und ins Prinzessin-Wilhelm-Stift in der Sophienstraße 31/33 ausgelagert. Im März 1919 wurde der Schulbetrieb, künftig ohne Vorschule, im ehemaligen Gebäude wieder aufgenommen. 1926 erhielt die Fichteschule eine dreijährige Oberstufe mit dem Abschluss Oberrealschulabitur. 1927 kam noch eine hauswirtschaftliche zweijährige Oberstufe hinzu, die so genannte Frauen[ober]schule, die unter dem NS-Regime 1936 in eine dreijährige Ausbildung mit Abschluss Werkabitur erweitert wurde. Die verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten verstärkten den Zulauf, so dass 1929 wiederum eine neue Oberschule für Mädchen, die Freiligrath-Schule in der Bertholdstraße am Durlacher Tor, abgezweigt wurde.

Trotz ständigen Raummangels und neuer Ausweichquartiere (Gartenschule, Institut der Dentisten) erhielt die Fichteschule, die ab 1945/46 als Realgymnasium und seit 1956 als Fichte-Gymnasium firmiert, erst zu Beginn der 1960er-Jahre einen Erweiterungsbau auf dem Anwesen Sophienstraße 16. Nach dem Weltkrieg, in dem Teile des Schulgebäudes sowie die Turnhalle zerstört worden waren, hatte man zunächst das Rückgebäude neu errichtet (Übergabe 15. November 1951).

1973 wurde im Fichte-Gymnasium wie auch im Goethe-, Helmholtz- und Lessinggymnasium, der Gemeinschaftunterricht von Mädchen und Jungen eingeführt. Seit 1996 wird der bilinguale Zug Französisch angeboten, bei dem man mit dem Abitur zugleich auch das Baccalauréat erwirbt. Von 2009-2011 wurde das von rund 850 Schülern und Schülerinnen besuchte Gymnasium um einen zweigeschossigen, über den Pausenhof verlaufenden Brückenbau erweitert, der den Haupttrakt mit dem Rückgebäude verbindet. Der 2014 fertig gestellte Neu- bzw. Erweiterungsbau in der Sophienstraße 2 beherbergt zwei Musikräume, eine Mensa sowie Aufenthaltsbereiche für die Ganztagsbetreuung.

Katja Förster 2013

Literatur

Hundert Jahre Fichtegymnasium Karlsruhe. 1878-1978, hrsg. vom Fichte-Gymnasium Karlsruhe, Eggenstein 1978; Jubiläumsbrief. 100 Jahre Mädchen-Gymnasium in Deutschland. Fichte-Gymnasium Karlsruhe, hrsg. vom Fichte-Gymnasium Karlsruhe, Karlsruhe 1993; http://www.karlsruhe.de/b3/bauen/hochbau/wettbewerbe/wettbewerbe_abgeschl/fichte_gym/HF_sections/content/ZZk7QeKt8lpNIS/ZZk7QRsG4OQF4u/Wettbewerbsdokumentation_FNG.pdf (Zugriff am 28. Oktober 2015).