Friedrich Theodor Fischer, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 167.

Ludwig Friedrich Theodor Fischer

Architekt, Baudirektor, * 8. September 1803 Karlsruhe, † 14. November 1867 Karlsruhe, ev., ∞ 1836 Elise Wilhelmine Mampel, 4 Töchter.

Nach dem Besuch des Karlsruher Lyzeums trat Friedrich Theodor Fischer, Sohn eines Baumeisters und engsten Mitarbeiters Friedrich Weinbrenners, zunächst in die Ingenieurschule von Johann Gottfried Tulla ein, bevor er nach zweieinhalb Jahren, um 1821, an die Bauschule Weinbrenners wechselte. Joseph Berckmüller und Friedrich Eisenlohr zählten dort zu seinen Mitschülern. Seit Frühjahr 1823 von der Baudirektion mit Zeichenarbeiten betraut, legte Fischer im Mai 1825 die Staatsprüfung mit "vorzüglich befähigt" ab. Anschließend reiste er durch Deutschland, setzte im Herbst 1826 seine Studien in Paris fort und ging im Spätjahr 1827 nach Italien. Dort studierte er in den nächsten zwei Jahren Bauwerke der Spätantike, des Mittelalters und besonders der Renaissance und dokumentierte diese in Skizzen.

Nach der Rückkehr nach Karlsruhe 1830 blieb ihm eine Festanstellung vorerst versagt, so dass er an mehreren Wettbewerben teilnahm und tageweise für die Baudirektion unter Leitung von Heinrich Hübsch als Zeichner tätig war. 1833 übernahm Fischer als provisorischer Bauinspektor die Leitung der Heidelberger Bezirksbauinspektion. Mit der Auflösung der beiden badischen Oberbauinspektionen in Freiburg und Heidelberg 1836 zugunsten einer zentralen Stelle in Karlsruhe wurde er mit der Leitung der Badischen Bauinspektion betraut. Von Herbst 1854 bis Frühjahr 1864 war er außerdem Vorstand der Bauschule des Polytechnikums. Mit der Ernennung zum Baudirektor im April 1864 gab er die Lehrtätigkeit auf.

Die Bauten von Fischer zeigen einen undogmatischen Umgang mit historischen Baustilen. Das Pfründnerhaus der Karl-Friedrich-, Leopold- und Sophien-Stiftung am Mühlburger Tor (1831-1833) zeigte noch deutlich den Einfluss der Weinbrennerschule. Die zeitgleichen Villenentwürfe und die späteren Zollamtsgebäude (ab 1835 nach dem Eintritt Badens in den Deutschen Zollverein) sind vom Stil der Frührenaissance geprägt, während die rein funktionalen Gefängnisbauten seit 1850 mittelalterlichen Wehrbauten gleichen, deren reduzierter Formenkanon aber der Renaissance entlehnt war. Als Kirchenbaumeister bediente sich Fischer der romanischen und der gotischen Formensprache. In Karlsruhe erhalten geblieben sind die ehemalige Maschinenbauschule (1858-1859) und die Erweiterung des Hauptgebäudes des Polytechnikums (1861-1863).

Katja Förster 2014

Literatur

Falko Lehmann: Friedrich Theodor Fischer (1803-1867). Architekt im Großherzogtum Baden, Diss. Univ. Heidelberg, Horb am Neckar 1988 (=Studien zur Bauforschung Nr. 15, hrsg. von der Koldewey-Gesellschaft 1987).