Christuskirche, Südwestansicht, um 1910, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVc 21.

Christuskirche

Mit der Stadterweiterung nach Westen wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Bau einer evangelischen Kirche im Gebiet der heutigen Weststadt notwendig. Den Bauplatz nordwestlich des Mühlburger Tors überließ Großherzog Friedrich I. der Kirchengemeinde unentgeltlich. Der von der Kirchenbehörde ausgeschriebene Wettbewerb verlangte, dass dem Raumprogramm der circa 1.400 Sitzplätze umfassenden Kirche die jüngst für den evangelischen Kirchenbau im Wiesbadener Programm formulierten Normen zugrunde gelegt wurden. Das Architekturbüro Curjel & Moser gewann die Konkurrenz und wurde nach einer Umarbeitung des Entwurfs 1895 mit der Ausführung des Baues beauftragt.

Bei der von 1896-1900 (Einweihung: 14. Oktober 1900) errichteten Christuskirche in der Riefstahlstraße 2 verbinden sich Längs- und Zentralbau zu einer homogenen Bauform, die im Inneren das von Luther postulierte Priestertum aller Getauften umsetzt. Die Kirchenbänke sind halbkreisförmig um den Altar, der mit Kanzel und Orgelempore die nördliche Mittelachse des Innenraums bildet, angeordnet, so dass der Blick aller Gläubigen auf Abendmahl, Predigt und Musik ausgerichtet ist. Am Außenbau tritt die Synthese von Längsbau und Zentralanlage in einer Addition differenziert gestalteter Baukörper in Erscheinung: Während das von Süd nach Nord verlaufende Langhaus an seinen Stirnseiten gerade abschließt – der Dreiportalanlage im Süden ist eine Vorhalle vorgelagert –, sind die Querhausarme im Westen und Osten konchenförmig ausgebildet.

Die differenzierte Ausbildung der einzelnen Baukörper wird durch den mächtigen, 67 Meter hoch aufragenden Vierungsturm mit oktogonalem Glockengeschoss und Spitzhelm, dem vier kleinere, mit Spitzhelm bekrönte Türme in den Winkeln von Lang- und Querbau zur Seite gestellt sind, zu einer Einheit zusammengefasst. Stilistisch griffen die Architekten den gotischen Formenkanon auf, den sie mit Elementen des Jugendstils verbanden. Die Bronzearbeiten (Eingangsgitter, Altarstützen, Kanzelrelief etc.) fertigte der Bildhauer Fridolin Dietsche an, die Modelle für die vollplastischen und reliefartigen Sandsteinarbeiten (Moses, Paulus, Luther, Christus; Hirten an der Krippe, drei Frauen am Grab) die Bildhauer Wilhelm Sauer und Hermann Binz und die Glasmalereien mit Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament der Schweizer Glasmaler Albert Lüthi.

Bei Luftangriffen im September 1942 und Dezember 1944 wurden Vierungsturm, Dach, Gewölbe, Kronleuchter, Orgel, Kirchenbänke, Fensterrose und Fenster beschädigt oder zerstört. 1945 begann der Wiederaufbau. 1950 erfolgte die Restaurierung der Rose durch Meisterschüler von Erich Heckel an der Karlsruher Kunstakademie. Nachdem das erste und das zweite Geläut den beiden Weltkriegen zum Opfer gefallen waren, wurde am 5. April 1953 das dritte und bisher letzte Geläut geweiht; 1981 Installation des neuen Leuchters, im November 2004 folgte die Ergänzung der fünf Glocken um eine sechste (Friedensglocke). 1985 erhielt der Vierungsturm den rekonstruierten Spitzhelm, 1988 die vier Ecktürme ihre Spitzhelme.

Nach der Innenrenovierung und Restaurierung wurde die Kirche am 29. November 2009 wieder eröffnet. Am 13. Mai 2010 fand die Einweihung der restaurierten und erweiterten Klais-Orgel, die 1966 installiert worden war, statt. Neben den beliebten Orgelkonzerten sind regelmäßig Aufführungen des Oratorien-, Kammer- und Kirchenchors der Christuskirche zu hören.

Katja Förster 2013

Literatur

Wolfgang Vögele: Evangelische Christuskirche Karlsruhe. Regensburg 2010; Jürgen Krüger: Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge, hrsg. von Günter Frank u. a., Ubstadt-Weiher 2015, S. 80-85; http://www.christuskirche-karlsruhe.de (Zugriff am 25. März 2013); http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/kulturdenkmale/denkmaltag_archiv/2007/weststadt/christuskirche.de (Zugriff am 25. März 2013).