Hermann Binz bei der Arbeit, Schwarz-weiß-Foto eines Gemäldes von Oskar Hagemann, um 1925, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 992.

Hermann Hugo Binz

Bildhauer, * 22. Juni 1876 Karlsruhe, † 15. November 1946 Karlsruhe, ev., ledig.

Als Sohn des Steinbildhauers Fidel Binz lernte Hermann Binz bereits früh in der väterlichen Werkstatt für Grabmalkunst und Bauplastik in Karlsruhe den Umgang mit Hammer und Eisen. Nach der mittleren Reife wurde er zunächst Schüler von Fridolin Dietsche und Adolf Heer an der Großherzoglich Badischen Kunstgewerbeschule. 1895 wechselte er dann an die Großherzoglich Badische Akademie der Bildenden Künste. Nachdem er 1896/97 sein Einjähriges beim Feldartillerie-Regiment Nr. 14 in Karlsruhe sowie 1897/98 ein Studienjahr an der Berliner Akademie bei Gerhard Janensch absolviert hatte, kehrte er von 1898-1903 an die Karlsruher Akademie zurück, an der er Meisterschüler von Hermann Volz war. Die innovative Darstellungsweise von Auguste Rodin, dessen bildhauerisches Werk Binz 1900 auf der Pariser Weltausstellung kennen lernte, wurde für den eigenen Stil genauso entscheidend wie die klassizistisch geprägte Figurenauffassung seines Vaters Fidel und seines Lehrers Volz.

Der heftig umstrittene Brunnen auf dem Stephanplatz (1903-1905) von Hermann Billing, dessen bildhauerische Arbeiten Binz ausgeführt hatte, machte den Bildhauer 1905 überregional bekannt. Bis zum Ersten Weltkrieg bildeten Monumental- und Bauplastik den Schwerpunkt seiner künstlerischen Tätigkeit. Neben Billing zählten die Architekturbüros Curjel & Moser (Lutherkirche: Bergpredigtrelief, 1907; Christuskirche: unter anderem Christusstatue, 1900) und Pfeifer & Großmann (Rheinische Creditbank: Frauenakt für die zentrale Rundbogennische des Haupteingangs; heute vor dem Fächerbad) zu seinen regelmäßigen Auftraggebern. Für das von Wilhelm Kreis entworfene Warenhaus Knopf (heute Karstadt-Filiale) fertigte er zwei große Frauenplastiken an. Das von ihm in Kooperation mit Pfeifer & Großmann ab 1910 entwickelte Großherzog-Friedrich I.-Denkmal kam aufgrund des Ersten Weltkriegs nicht zur Ausführung.

Nach dem Krieg, in dem Binz als Leutnant der Landwehr an der deutsch-französischen Front diente, erhielt er mit der monumentalen Frauenstatue für den Aufgang des Deutschen Bank-Gebäudes in der Kaiserstraße (1924 fertig gestellt) und dem Modell für die bronzene Jünglingsfigur des Gefallenendenkmals auf dem Ehrenfriedhof (1930) nur noch zwei Aufträge für Großplastiken. Künstlerischer Schwerpunkt wurden nun 30-40 cm große Kleinplastiken, die fast ausschließlich den weiblichen Körper zeigen. Bis zu seinem Tod fertigte er über 100 Tonstudien von Sitzenden, Liegenden, Kauernden, Sinnenden, Hockenden, Knienden an, denen trotz der relativ kleinen Größe aufgrund der geschlossenen Kompositionsweise ein Moment des Monumentalen innewohnt. Zeitlebens beteiligte sich Binz an Wettbewerben. Gelegentlich führte er auch für die Staatliche Majolika-Manufaktur Karlsruhe Keramiken aus. In den 1930er-Jahren schuf er mehrere Büsten von Adolf Hitler für städtische und staatliche Ehrenräume.

Katja Förster 2015

Literatur

Wilhelm Engelbert Oeftering: Bildhauer Hermann Binz, in: Ekkhart. Jahrbuch für das Badner Land, 11. Jg., 1930, S. 41-38; Fritz Wilkendorf: Der Bildhauer Hermann Binz, in: Das Bild. Monatsschrift für das deutsche Kunstschaffen in Vergangenheit und Gegenwart, 11. Jg., 1941, S. 106-108; Karl Widmer: Hermann Binz, Karlsruhe, in: Die Kunst für alle. Malerei, Plastik, Graphik, Architektur, 43. Jg., 1927/28, S. 100-103.