Jüdisch-orthodoxe Synagoge im Hinterhof der Karl-Friedrich Straße 16, um 1900, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIVc 85.

Synagoge der orthodoxen jüdischen Gemeinde

1869 kam es in der jüdischen Gemeinde zur Abspaltung einer orthodoxen Minderheit, der späteren Israelitischen Religionsgesellschaft. Bis zur Errichtung einer eigenen Synagoge im Hinterhof der Karl-Friedrich-Straße 16 im Jahr 1881 hielten die orthodoxen Juden ihre religiösen Zusammenkünfte in Privathäusern ab.

Die Hinterhofsituation stellte den Architekten Gustav Ziegler vor eine schwierige Aufgabe. Im Süden, Westen und Norden vom Mauerwerk der angrenzenden Gebäude umschlossen, musste die Ostfront, die traditionell in einem chorartigen Vorsprung die Bundeslade bzw. den Toraschrein barg, auch die Eingänge aufnehmen. Ziegler löste das Problem, indem er die der Ostwand vorgelagerte Apsis mit zwei Vorbauten flankierte, welche die Eingänge und Emporenaufgänge aufnahmen. Unter- und Obergeschoss der differenziert gestaffelten Bauglieder wurden durch gelbe und rote Backsteinbänder zusammengefasst, während der die Apsis bekrönende reliefierte Rundbogen durch das glatt verputzte Giebelfeld der dahinter aufragenden verputzten Langhauswand zugeordnet war.

Im Vergleich zur zusammengestückten Ostfassade präsentierte sich der flach gedeckte dreischiffige Innenraum äußerst homogen. Bis auf die Ostwand mit dem von einem monumentalen Rundbogenfenster überspannten Toraschrein waren alle Seiten durch geräumige Kolonnaden im Untergeschoss und Rundbogenarkaden im Obergeschoss gegliedert. Im Zentrum des Innenraums stand die Bima bzw. der Almemor, von der bzw. dem die im Toraschrein aufbewahrten Torarollen verlesen wurden. Um das von Osten einfallende Licht noch zu verstärken, war die Kassettendecke des Mittelraums von oktogonalen Oberlichtern durchbrochen. Am 28. November 1881 wurde die Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft eingeweiht. In der Nacht zum 10. November 1938, in der so genannten Reichspogromnacht, wurde die im Inneren vor allem aus Holz bestehende Synagoge von nationalsozialistischen Horden weitgehend niedergebrannt. Eine Gedenktafel erinnert heute an den ehemaligen Synagogenbau.

Katja Förster 2015

Literatur

Gerhard Everke: Synagogen in Karlsruhe. Von Friedrich Weinbrenner zu Josef Durm und Gustav Ziegler, in: Juden in Karlsruhe. Beiträge zu ihrer Geschichte bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung, hrsg. von Heinz Schmitt unter Mitwirkung von Ernst Otto Bräunche und Manfred Koch, Karlsruhe 1988, S. 221-246, bes. S. 242-244 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 8).