Die Stadtbücherei am Rondellplatz, 1941, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVe 210.
Plakat Wiedereröffnung der Städtischen Volksbücherei und Lesehalle Karlsruhe, 1946, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS X 2771.
Neuer Omnibus für die Autobücherei, 18. März 1964, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A11/49/3/2.

Stadtbibliothek

Gegründet wurde die Stadtbibliothek am 30. Juni 1921 mit dem Auftrag, sich an das "Volk in weitestem Sinne" zu wenden und eine "Sammlung guten Schrifttums unterhaltenden und belehrenden Inhalts … zu größtmöglicher Benutzbarkeit frei und leicht zugänglich" zu machen. Damit knüpfte die Stadtbibliothek an die Intentionen des 1871 gegründeten Männerhilfsvereins vom Roten Kreuz zur Volksbildung an, aus dessen Bibliothek 9.000 Bücher übernommen wurden. Außerdem kamen weitere verschiedene Vereinsbibliotheken, die Stadtratsbibliothek und die Bibliothek des Stadtarchivs in den Bestand der Volksbücherei, wie die Stadtbibliothek zunächst hieß. Ebenfalls in der neuen Stadtbücherei gingen die von dem Verein Volksbildung unterhaltenen städtischen Lesehallen auf, deren erste 1901 zunächst in der Zähringerstraße 100 eingerichtet worden war. Die zweite folgte 1907 in der Marienstraße/Ecke Bahnhofstraße in einem ausgesprochenen Arbeiterviertel.

In der neuen städtischen Einrichtung in der Karl-Friedrich-Straße 21 wurde am 26. Juni 1922 mit der Ausleihe begonnen, zunächst aber noch ohne Lesesaal und nur mit der Unterhaltungsliteratur, da die Räumlichkeiten in dem repräsentativen Haus am Rondellplatz nicht alle rechtzeitig fertig geworden waren. Die Zahl der Ausleihen stieg von 36.000 im Jahr 1922 auf 116.091 im Jahr 1930. Damit war die damals größte badische städtische Volksbücherei in dem zwar repräsentativen, aber räumlich beengten Gebäude am Rondellplatz an Grenzen gekommen. So beschloss der Stadtrat den Umzug in neue Räume im Westteil des alten Bahnhofs an der Kriegsstraße, die am 18. April 1932 eröffnet wurden. Mit dem Umzug war auch eine Umstellung von der bisherigen Freihandaufstellung der Bücher auf ein Bestellsystem verbunden. Erstmals wurden sogenannte Stoffkreiskataloge zusammengestellt, um den Besucherinnen und Besuchern die Auswahl zu erleichtern.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme war die Volksbücherei im Blickfeld der neuen Machthaber, da die Nationalsozialisten zugleich deren Bedeutung für die eigenen Ziele und die Propaganda zum Aufbau einer auf die NS-Ideologie ausgerichteten Volksgemeinschaft erkannt hatten. Die Stadtbibliothek wurde auf der Grundlage der schwarzen Liste "gesäubert" und in einem ersten Schritt 564 Bücher entfernt, die vermutlich am 17. Juni bei der öffentlichen Bücherverbrennung auf dem Schlossplatz verbrannt wurden.

Verstärkt wurde die Volksbücherei 1938, als mit der Eingemeindung der Stadt Durlach zum 1. April 1938 die dortige Volksbücherei mit der Karlsruher - nun Hauptstelle - zusammengelegt wurde. Noch in demselben Jahr wurden Juden vom Besuch der Stadtbüchereien ausgeschlossen. Nach Kriegsbeginn im September 1939 wurden diese geschlossen, man lieferte aber Bücher an die aus Karlsruhe Evakuierten nach Mosbach, Waldkatzenbach und Neckarelz. Der Betrieb konnte mit der Rückkehr der Evakuierten rasch wiedereröffnet und bis zum 4. Dezember 1944 aufrecht gehalten werden.

Nachdem die Stadt Karlsruhe am 4. April 1945 von französischen Truppen befreit worden war, begann relativ rasch die Entnazifizierung der Buchbestände. Es dauerte aber bis zum 4. Februar 1946, bis die Stadtbücherei für die Öffentlichkeit wieder geöffnet war. Dauerhaft im alten Bahnhof konnte die Bücherei nach mehreren Schließungen und Umzügen erst im April 1947 bleiben. Angesichts der dem Andrang auf Dauer nicht gewachsenen Räumlichkeiten beschloss der Gemeinderat am 24. Oktober 1956, die Bücherei im Sparkassengebäude am Marktplatz unterzubringen. Nach baubedingten Verzögerungen begann am 2. März 1960 die Ausleihe im neuen Haus. Von dort aus wurde auch der Bücherbus bedient, der seit dem 5. Mai 1956 in die Stadtteile fuhr. Nach wie vor gab es nur die zur Volksbücherei gehörige Zweigstelle Durlach. Erst 1964 wurde im Stadtteil Mühlburg eine weitere Zweigstelle eröffnet, in den 1970-er Jahren kamen mit den Eingemeindungen von Grötzingen und Neureut zwei weitere hinzu. 1988 erhielt die Waldstadt die zweite von der Stadt unabhängig von Eingemeindungen begründete Zweigstelle.

Bereits 1981 war die Jugendbibliothek im neuen städtischen Kulturzentrum Prinz-Max-Palais eröffnet worden, womit die nicht nur aus bibliothekarischer Sicht eigentlich erforderliche Anbindung an die Hauptbibliothek bis heute unterbrochen wurde. Dieser Mangel wurde auch 1993 mit dem Neubau der Stadtbibliothek im Neuen Ständehaus nicht behoben. Das auf dem Restgrundstück des ehemaligen Badischen Ständehauses errichtete Gebäude verfügte nicht über den erforderlichen Platz für eine große Zentralbibliothek mit Kinderbibliothek.

Die Stadtbibliothek unterhält 2015 eine Informationsplattform mit freiem Zugang zu E-Medien, Datenbanken und Online-Beratung, bietet erste Sprachförderung bereits für Kleinkinder in Krabbelgruppen, Leseförderung für Vorschul- und Schulkinder, Schulungen für Erwachsene zum Erwerb individueller Informationskompetenz, modulare Bibliothekskurse für Schulklassen, Lesungen und Veranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Internet- und E-Learning-Kurse, hohe Aufenthaltsqualität und offene Lernorte. Die Zentrale im Neuen Ständehaus bietet heute noch ein traditionelles Lesecafé, in dem Interessierte kostenlos eine große Auswahl gedruckter Zeitungen lesen können. 2014 konnten mehr als 840.000 Besuche gezählt werden.

Ernst Otto Bräunche/Andrea Krieg 2015

Quelle

http://www.karlsruhe.de/b2/bibliotheken/stadtbibliothek.de (Zugriff am 20. November 2015).

Literatur

Ernst Otto Bräunche/Andrea Krieg: Stadtbibliothek Karlsruhe - von der Volksbildung zur Generation E-Book, in: Karlsruhe - aufgefächert: Aspekte und Perspektiven der Kultur und der Stadt, hrsg. von Heinrich Hauß, Freiburg 2015, S. 230-238 (= Badische Heimat, Jg. 95, H. 1 / 2).