Wilhelm Sackberger

Architekt, * 4. Dezember 1878 Durlach, † 15. Mai 1915 Durlach, ev., ∞ Lina Völkle, Kinder.

Der Sohn eines großherzoglichen Stalldieners studierte an der Technischen Hochschule Karlsruhe Architektur und machte sich um 1904 in seiner Geburtsstadt Durlach als Architekt selbstständig. Zu seinen ersten ausgeführten Entwürfen gehörte die eigene Villa mit Büro, die er 1904/05 auf einem mit seiner künftigen Ehefrau erworbenen Bauplatz In der untern Bürk (heute Turmbergstraße 19) erbaute. Nicht nur als Architekt, sondern vor allem auch als Bauspekulant und Vermieter trat Sackberger bis zu seinem frühen Tod 1915 in Erscheinung.

Sein größtes Projekt war die geschlossene Mietwohnhausbebauung gegenüber dem Durlacher Schlossgarten ab 1910, die mit den drei Häusern Weiherstraße 20 und Schloßstraße 7-8 (heute Marstallstraße 22-26) begann und mit der Schloßstraße 10 (heute Marstallstraße 30) endete. Die dreigeschossigen Wohnhäuser mit neobarocken Stilelementen und Mansarddächern, welche moderne Drei- und Vierzimmerwohnungen mit Bad, Keller und Speicher beherbergten, blieben in Sackbergers Besitz. Sein Architekturbüro verlegte er im Frühjahr 1913 in die Schloßstraße 7.

Gleichzeitig baute er in der Fechtstraße 4 und der Dürrbachstraße 36, 38, 40, also in bester Lage am Fuße des Turmbergs, Villen mit großen Gärten, die er 1913/14 regelmäßig in der Durlacher, Karlsruher und in badischen Zeitungen zum Kauf anbot. Lediglich die Villa in der Fechtstraße fand vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Sommer 1914 einen neuen Besitzer.

Eine weitere Villa nach seinen Plänen entstand 1912 in direkter Nachbarschaft zum eigenen Wohnhaus, in der Turmbergstraße 19 (heute 21) für Thorwald Bruun, den damaligen Direktor der Gritzner-Nähmaschinenfabrik. Zwei Jahre zuvor, 1910, hatte Sackberger für den Küfermeister Albert Roos ein dreigeschossiges Mietwohnhaus in der Karl-Weysser-Straße 12 entworfen.

Das bis heute bekannteste Werk des Architekten ist das Gebäude der Pestalozzischule in Durlach. Aus einem für in Durlach geborene oder wohnende Architekten 1912 ausgeschriebenen Wettbewerb für ein neues Volksschulgebäude mit Turnhalle und Dienerwohnung war Sackberger zwar nur als dritter Preisträger hervorgegangen, aber der Gemeinderat bestimmte seinen Entwurf zur Ausführung. Die Fertigstellung des Rohbaus im Oktober 1914 und den beginnenden Ausbau unter seiner Leitung konnte er noch miterleben, die Vollendung und Eröffnung der Schule am 23. Oktober 1915 dagegen nicht mehr.

Katja Förster 2020

Quellen

Zeitungsartikel (Auswahl): Durlacher Wochenblatt vom 14. September 1904 (Liegenschaftskäufe zu Durlach im Monat August 1904), https://digital.blb-karlsruhe.de/6354927 (Zugriff am 30. November 2021); 30. August 1906 (Gütertrennung); 3. Juni 1911; 25. und 27.Oktober 1915; 22. März 1917 (Nachlass); Karlsruher Tagblatt vom 7. Mai 1913, https://digital.blb-karlsruhe.de/6354966 (Zugriff am 30. November 2021); Durlacher Adressbücher 1907 ff.; Datenbank der Kulturdenkmale Karlsruhe, https://web1.karlsruhe.de/db/kulturdenkmale/index.php (Zugriff am 30. November 2021).