Gebäude der Vereinigten Schulen Durlach, später Friedrich-Realschule, um 1880, Pfinzgaumuseum Durlach U I 524,1.

Friedrich-Realschule

Um den Bedarf an mehr Unterrichtsräumen für die steigende Zahl an Schülerinnen und Schülern zu decken, trieb der Durlacher Bürgermeister Carl Friderich in den 1870er-Jahren den Bau eines neuen großen Schulgebäudes voran. Im Oktober 1874 kaufte die Stadt für 27.000 Gulden die Amtskellerei samt Speichergebäude und den sie umgebenden Platz in der Hauptstraße (Pfinztalstraße). Nach dem Abriss des Gebäudekomplexes wurden darauf nach Plänen des Oberbaurats Heinrich Lang 1877/78 das neue Schulhaus samt Turnhalle und das Kriegerdenkmal errichtet. Hier sollten Schülerinnen und Schüler des Pädagogiums (Progymnasium), der höheren Bürgerschule (Realgymnasium) und der Volksschule unterrichtet werden.

Die feierliche Einweihung des unter dem Namen Vereinigte Schulen Durlach firmierenden Gebäudes fand am 22. August 1878 in Anwesenheit von Großherzog Friedrich I., Oberbaurat Lang und dem Direktor des Pädagogiums, Karl Gustav Fecht, statt. Nachdem die Schülerzahl in der Folgezeit immer weiter zugenommen hatte, wurde zur räumlichen Entlastung 1905-1907 das Markgrafen-Gymnasium gebaut, in welches die mittlerweile nur noch Real-Gymnasium genannten beiden höheren Schulformen 1907 umzogen. Das Gebäude der Vereinigten Schulen Durlach wurde zur reinen Volksschule mit 44 Klassen und einem 26-köpfigen Lehrpersonal. Zusätzlich war in ihm 1908-1913 die neu eröffnete städtische Volksbücherei untergebracht. Im Jahr 1913 ist der Name Friedrichschule, benannt nach dem 1907 gestorbenen Großherzog Friedrich I., aktenmäßig erstmals nachgewiesen.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs diente das Erdgeschoss der Friedrichschule für kurze Zeit als Lazarett. Mit der Eröffnung der Hindenburgschule (heute Pestalozzischule) im Herbst 1915 wurde der Schulbetrieb der Friedrichschule dorthin umgesiedelt, um die freigewordenen Räume für kommunale Behörden und als Quartier der Trainabteilung (Obergeschoss) nutzbar zu machen. Die Turnhalle diente als Mehllager zur Brotversorgung der ansässigen Bevölkerung. Durch eine vom Durlacher Gemeinderat im November 1919 beschlossene Instandsetzung konnte der Unterricht in der Friedrichschule im April 1920 wieder aufgenommen werden.

Wegen wenig geeigneter Gebäude im Stadtgebiet nutzten in den folgenden Jahren Vereine, Verbände und Parteien, wie der katholische Kirchengesangverein, der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, die Deutsche Demokratische Partei (DDP), die Kommunistische Jugend, der Verein für Homöopathie und der Verein der Arbeiterjugend die Räumlichkeiten der Friedrichschule in der schulfreien Zeit. Als im August 1922 auf Beschluss des Gemeinderats die Schulen in Durlach neue Namen erhielten, wurde die Friedrichschule in Schillerschule umbenannt. Diese Maßnahme wurde 1933 nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten rückgängig gemacht.

Nach Kriegsende ermöglichte die zügige Beseitigung der Fliegerschäden die Wiederaufnahme des Schulbetriebs im Herbst 1945. Die Turnhalle konnte zur 75-Jahr-Feier 1953 wiedereröffnet werden. 1958 erforderte die Schaffung eines Mittelschulzweigs die Einrichtung eines neuen Physiklehrsaals. Durch eine Änderung der Schulorganisation wurden die Volksschülerinnen und Volksschüler in Durlach 1963 in die Schloss-Schule und in die Pestalozzischule überführt, sodass die Friedrichschule reine Mittelschule bzw. Realschule wurde. Nachdem bis zum Ende der 1960er-Jahre die Schülerzahl auf über 1.000 in 27 Klassen gestiegen war, konnte durch den Einsatz der Schülerinnen und Schüler, des Elternbeirats, des Lehrpersonals und der Rektorin im März 1970 die Errichtung eines Schulpavillons durchgesetzt werden. Dies und die Eröffnung neuer Realschulen in Berghausen, Langensteinbach und in Blankenloch-Weingarten führten zu einer dauerhaft sinkenden Schülerzahl. Zum 100-jährigen Bestehen der Friedrich-Realschule wurden eine Schullehrküche und ein Sprachlabor eingerichtet. 1988 zeigte das neu gegründete Badische Schulmuseum seine erste Ausstellung in der Friedrich-Realschule. 1988-1996 wurde das inzwischen unter Denkmalschutz stehende Gebäude für 3,1 Millionen Mark umfassend renoviert. Auf dem Schulgelände befinden sich heute neben der Schule zwei Sporthallen, zwei Technik-Fachräume und ein 2016 neu erbauter Pavillon mit Schülerbücherei und Aufenthaltsraum.

René Gilbert 2017

Quellen

StadtAK 8/ZGS 84a, b; 8/Ds F XIV 33,1.

Literatur

100 Jahre Friedrich-Schule Karlsruhe-Durlach 1878-1978, Karlsruhe 1978; Brigitte Baumstark: Das Kriegerdenkmal vor der Friedrich-Realschule in Durlach, in: Blick in die Geschichte. Karlsruher stadthistorische Beiträge 1993-1998, hrsg. von Leonhard Müller und Manfred Koch, Karlsruhe 1998, S. 306 f. https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv/HF_sections/content/ZZmmClFyyGegjB/Blick%20in%20die%20Geschichte%201993-1998.pdf (zugriff am 27. Dezember 2020); Susanne Asche: Die Bürgerstadt, in: Susanne Asche/Olivia Hochstrasser: Durlach. Staufergründung – Fürstenresidenz – Bürgerstadt, Karlsruhe 1996, S. 147–443, hier S. 319 f.; S. 340 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 17) https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv/HF_sections/content/ZZmoP76vk57UXv/Durlach_Staufergruendung.pdf (Zugriff am 23. Dezember 2020).