Einzug der Truppen in die neue Rheinkaserne, 5. August 1938, Bild aus: Karlsruhe als Garnison. Festschrift, Karlsruhe 1956, S. 81.
Übergabe der ersten renovierten Gebäude der ehemaligen Rheinkaserne in Knielingen an die US-Streitkräfte, 1972, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A24/48/3/7.

Rheinkaserne (Pionierkaserne, Mudra-Kaserne)

Am 12. Oktober 1937 wurde in Karlsruhe erstmals ein Pionier-Bataillon aufgestellt, das der Infanterie-Division 35 unterstand. Die drei Kompanien, die wenig später noch um eine Leichte Pionier-Kolonne und eine Brücken-Kolonne B verstärkt wurden, mussten bis zu Fertigstellung der neu erbauten Rheinkaserne in Karlsruhe-Knielingen im Sommer 1938 behelfsmäßig auf dem Fabrikgelände der Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe AG in der Wattstraße (heute Carl-Metz-Straße) und in den Stallgebäuden der ehemaligen Telegraphenkaserne in der Hardtstraße (heute Hertzstraße) untergebracht werden. Am 5. August 1938 konnte das Bataillon endlich das neue Kasernement beziehen, in dessen Nähe ein Landübungsplatz sowie am Rhein ein Wasserübungsplatz (heute Pionierhafen) angelegt worden waren. Während des Zweiten Weltkriegs war in der Kaserne das Pionier-Ersatz-Bataillon 35 stationiert. Die Infanteriedivision 35 war maßgeblich an den Verbrechen der Wehrmacht beteiligt. In dieser Zeit wurde die Rheinkaserne auch nach dem ehemaligen General der Infanterie Bruno von Mudra als "Mudra-Kaserne" bezeichnet.

Ab Juli 1945 diente das riesige, zwischen der Sudetenstraße, der Pionierstraße und der Eggensteiner Straße gelegene Areal der Aufnahme Displaced Persons (DP) sowie zeitweise versehentlich auch von Flüchtlingen, darunter zahlreiche Donauschwaben aus Jugoslawien. Ab dem 24. Januar 1947 benutzten US-Streitkräfte das Kasernement, welches sie zunächst "Black Hawk Barracks" und ab 1948 nach Sergeant Adolph C. Gerszewski "Gerszewski Barracks" nannten. 1951/52 errichteten die US-Verbände auf dem Gelände noch eine Kapelle (heute denkmalgeschützt, Egon-Eiermann-Allee 6). Zahlreiche US-Militäreinheiten waren in der ehemaligen Rheinkaserne stationiert, darunter 1th Constabulary Squadron, 15th Constabulary Regiment; 18th Ordonance Company, 10th Transport Regiment; 249th Engineer Battailon, 79th Pioneer Battailon. Anfang der 1970er-Jahre begann man mit der Renovierung einzelner Kasernengebäude. 1973 wurde im ehemaligen Stabsgebäude ein US-Militärgericht für den Bereich Karlsruhe eingerichtet und 1975 die Anlage um mehrere Lagerhallen für Kampfpanzer und Räderfahrzeuge erweitert.

Durch den Abzug der US-Streitkräfte aus Karlsruhe 1995 wurde das etwa 30 Hektar große Kasernenareal im Norden Knielingens frei. Die 1999 als Tochtergesellschaft der Volkswohnung GmbH gegründete Konversionsgesellschaft Karlsruhe mbH (KGK) erwarb 2002 das ehemalige Kasernengelände, um es nach und nach als neuen städtischen Wohnraum zu erschließen (Projektname: Knielingen 2.0). 2004 wurden die Kasernengebäude bis auf das ehemalige Stabsgebäude, das Kasino und die Militärkapelle abgerissen, 2006 folgte noch das Stabsgebäude nach, dessen einstiger, von den US-Amerikanern als Gerichtssaal genutzter Hauptraum mit vier monumentalen Keramik-Wandbildern (Entwurf und Ausführung durch den für die Majolika-Manufaktur tätigen Baukeramiker Gustav Heinkel 1936-1938) ausgestattet war. Seit 2008 wird das Areal abschnittsweise mit Straßenzügen erschlossen und mit Mietwohnungen, Eigentumswohnungen und Reihenhäusern bebaut, die rund 2.000 Personen Wohnraum bieten sollen. Ein Einkaufszentrum sowie ein durch die AWO betriebenes Pflegeheim runden das städtebauliche Konzept an.

Katja Förster 2015

Quellen

Karlsruhe als Garnison. Festschrift zum Garnisontag 1956 und zur 2. Wiedersehensfeier der 35. Infanterie-Division in Karlsruhe am 29./30. September 1956, hrsg. vom Ausschuss für die Vorbereitung des Garnisontages 1956, Karlsruhe 1956, S. 80 f.; Konversionsgesellschaft Karlsruhe (KGK), Stadt Karlsruhe: Konversion des Kasernenareals in Karlsruhe Knielingen. Städtebaulicher Realisierungswettbewerb. Dokumentation der Beiträge zum Realisierungswettbewerb, hrsg. von der Stadt Karlsruhe und dem Stadtplanungsamt, Karlsruhe 2003; Datenbank der Kulturdenkmale https://web1.karlsruhe.de/db/kulturdenkmale/detail.php?id=02897 (Zugriff am 3. November 2017).

Literatur

Garnisonstadt Karlsruhe. Militärische Liegenschaften einst und heute, zus. gestellt von Oberstleutnant Lüdke 1989, überarb. 1993 [Masch. Schriftl. Manuskript], S. 57 f., StadtAK 8/StS 11/103.