Außenansicht Feuerwache West, November 1960, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A7/135/2/29.

Feuerwache West

Der 1901 westlich von Mühlburg in Betrieb genommene städtische Rheinhafen verlangte von Anfang an nach zusätzlichem Brandschutz, zumal Holz bis in die 1930er-Jahre das zweitwichtigste Umschlagsgut war. 23 über das Hafengebiet verteilte Unterflurhydranten und eine Schiffsdampfspritze auf dem Hafenschleppboot waren nur Behelfsmaßnahmen. Die wachsende Industrie, ab 1927 auch mit größeren Tankanlagen, machte die Errichtung einer ständigen Feuerwache in unmittelbarer Hafennähe dringend erforderlich. Daran konnte auch der 1926 fertig gestellte Neubau der Hauptfeuerwache in der Ritterstraße 48 nichts ändern, benötigten die Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr doch etwa 20 Minuten Fahrzeit bis zum Hafen, was im Brandfall inakzeptabel war.

Die seit 1929 von der Branddirektion wiederholt gestellte Forderung nach dem Bau einer Feuerwache West kam aus finanziellen Gründen nicht über Vorplanungen hinaus. 1940 wurde zumindest in der Stösserstraße eine Bereitschaft für Mühlburg und das Rheinhafengebiet eingerichtet und als künftiger Bauplatz ein städtisches Grundstück zwischen Hansa- und Südlicher Uferstraße ins Auge gefasst.

Trotz der unhaltbaren räumlichen und hygienischen Zustände wegen der vergrößerten Mannschaftsstärke in den 1950er-Jahren zögerte die Stadt aus finanziellen Gründen den Bau weiter hinaus. Erst als das Bundesinnenministerium 1958 einen Zuschuss von rund 168.000 DM zusicherte unter der Auflage, dass unter dem Neubau eine Schutzraumanlage entsprechend dem Luftschutzgesetz vom 9. Oktober 1957 errichtet werde, entstand auf dem ehemaligen Sportplatzgelände des VfB Mühlburg 1959/60 eine auf die Mindestforderung reduzierte Feuerwache.

Am 1. Dezember 1960 wurde die Wache in der Honsellstraße 2 durch Oberbürgermeister Günther Klotz offiziell eröffnet. Sie war für eine Gruppengröße von zehn Mann konzipiert und verfügte über keine Lagerräume. Die Aufstellung eines Strahlenschutzzugs bedingte bereits kurz nach der Inbetriebnahme eine erste Erweiterung der Mannschaftsräume. 1969/70 mussten diese abermals erweitert werden, da das Wachpersonal auf 58 Feuerwehrmänner angestiegen war. Gleichzeitig entstanden auch die längst geplanten Werkstätten und Garagen, der Schlauch- und Steigerturm sowie eine Atemschutz-Übungsstrecke, die 1995 erneuert wurde. Der Umbau von 1969/70 konnte die Raumprobleme für die Mannschaft keineswegs lösen. Als Mitte der 1990er-Jahre der Personalstand rund 100 Feuerwehrmänner betrug, kam es 1996/97 zur bisher letzten umfassenden Erweiterung, indem das Gebäude um ein drittes Geschoss mit Wasch-, Dusch- und Ruheräumen aufgestockt wurde. Zugleich wurde auch der Altbestand renoviert und modernisiert. Von der Feuerwache West werden auch die beiden Boote der Karlsruher Feuerwehr bei Einsätzen im Rheinhafen besetzt.

Die Wache erhielt außerdem 1986 eine weitere, frei stehende Fahrzeughalle, da bei ihr wegen der begrenzten Raumverhältnisse in der Hauptfeuerwache neben einem Löschzug fast alle Sonderfahrzeuge der städtischen Berufsfeuerwehr stationiert sind.

Katja Förster 2020

Literatur

Ute Grau/Barbara Guttmann: Gegen Feuer und Flamme. Das Löschwesen in Karlsruhe und die Berufsfeuerwehr, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe durch Susanne Asche, Karlsruhe 2001 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 23); Internetpräsenz der Hauptfeuerwache auf der Website der Stadt Karlsruhe, http://www.karlsruhe.de/b4/buergerdienste/feuerwehr/berufsfeuerwehr/wachen/westwache.de (Zugriff am 3. Januar 2020).