Blick in die damalige Herren-, jetzt Amthausstraße, Pfinzgaumuseum Durlach U I 123,4.
Amthausstraße 1/Ecke Am Zwinger, ehemalige Stadtschreiberei, Gebäudeansicht, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIIIa 588.

Amthausstraße

Die Amthausstraße bildet zusammen mit der Bienleinstor-, Kelter- und der Zunftstraße den Innenstadtring von Durlach. Sie beginnt am Marktplatz bzw. an der Pfinztalstraße (vor der Stadtkirche) und verläuft bis zur Basler-Tor-Straße, wo sie dann in die Kelterstraße übergeht. Ihren Namen bekam sie 1938 nach der Eingemeindung. Vorher hieß sie Herrengasse bzw. Herrenstraße.

Durlach war spätestens seit dem 17. Jahrhundert bis 1924 Amtsstadt. Das Durlacher Amthaus wurde 1786 Sitz des Oberamts Durlach. Später nutzte der großherzogliche bzw. badische Landesfiskus das Gebäude. Heute befindet sich dort das Polizeirevier Karlsruhe-Durlach.

In der Amthausstraße gibt es viele ältere Gebäude. Das Haus Nummer 1, ein Wohn- und Geschäftshaus, wurde von Bürgermeister und Handelsmann Engelhard Diener erbaut. Das zweigeschossige, traufständige und dreiachsige Haus mit Resten eines Kreuzgratgewölbes im Erdgeschoss ist am Türsturz mit "16 ED 98 erbaut von Bürgermeister und Handelsmann Engelhard Diener" bezeichnet. In der Häusertaxation von circa 1787 steht: "hat ein Gewölb", später "Magazin" genannt.

Das als Modellhaus errichtete Wohn- und Geschäftshaus in der Amthausstraße 2 wurde zwischen 1706 und 1716 von dem Schuhmachermeister Friedmann Hoelscher erbaut. Es ist zweigeschossig und traufständig, fünfachsig und hat eine Haustüre mit Oberlicht.

Die frühere dreigeschossige Stadtapotheke, Hausnummer 3 ist heute ein Wohn- und Geschäftshaus mit Anker, Wappen und Geweihstange und der Inschrift: "IPZ 1698" (= I. P. Zachmann d. J.) (1679-1755) am Türsturz. Die Zachmannsche Apotheke hatte im Inneren eine wertvolle barocke Spindeltreppe über drei Stockwerke.

Haus Nummer 6 ist ein Modellhaus, das zwischen 1706 und 1716 von Pfarrer Blum aus Gundelfingen als Privathaus erbaut wurde. Es ist ein zweigeschossiges Wohnhaus, das 1764 von der markgräflichen Herrschaft als Pfarrhaus erworben wurde. 1904 erfolgte die Umnutzung zum Steuereinnehmergebäude.

Haus Nummer 11 ist das wohl aus dem späten 16. Jahrhundert stammende Fischersche Haus, das den Brand von 1689 überstand und kurz vor 1706 für Geheimrat F. W. von Weimar unter dem Namen Neuer Bau wiederaufgebaut wurde. Es beherbergte seit 1786 das Amthaus, heute ist dort die Polizei untergebracht. Umfassende Umbaumaßnahmen wurden im Hauptgebäude 1900 durchgeführt und das Hinterhaus mit Zierfachwerkelementen 1899 angefügt. Die Rückseite des Areals ist von der teilweise erhaltenen Stadtmauer begrenzt.

Haus Nummer 16 ist das Alte Schulhaus, heute ein Wohnhaus. Das Modellhaus mit Torfahrt, Untergeschoss mit Putzrustika, wurde 1702 auf den Fundamenten der 1689 abgebrannten Schule errichtet. Das heute im Grundriss T-förmige Haus dahinter wurde zwischen 1706 und 1716 von Kammerdiener J. Ph. Sontag erbaut, 1758 an die Stadt als weiteres Schulhaus abgegeben. Das gesamte Areal diente bis 1878 als Volksschule, 1837-1876 wurde ein Raum auch als katholische Schule benutzt. Die Einfahrt zu den Schulhäusern war bis ins 19. Jahrhundert eine öffentliche Gasse.

Die Häuser Nummer 17 und 19 bilden die Orgelfabrik – es waren Wohnhäuser mit angrenzenden Fabrikgebäuden - zuerst eine Orgelfabrik (bis 1925), dann die Maschinenfabrik Herlan (1936-1971).

Fast alle Häuser von Nummer 18 bis 33 stehen unter Denkmalschutz. Sie wurden alle nach der Zerstörung von 1689 im frühen 18. Jahrhundert errichtet.

Alfred Becher 2018

Quellen

Straßennamen in Karlsruhe, Karlsruhe 1994, S. 48 (= Karlsruher Beiträge Nr. 7); https://web1.karlsruhe.de/db/kulturdenkmale/index.php?suchstring=Amthausstra%C3%9Fe&Suche+starten=Suche+starten (Zugriff am 1. Februar 2018).

Literatur

Martin Bachmann: Der barocke Wiederaufbau. Bauhistorische Untersuchungen in der Durlacher Altstadt, hrsg. von Wulf Schirmer, Institut für Baugeschichte an der Universität Karlsruhe, Karlsruhe 2002 (= Materialien zu Bauforschung und Baugeschichte Bd. 12).