Das als Künstlerhaus genutzte ehemalige Berckholtzsche Palais in der Karlstraße 44, nach 1912, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 223/29.
Das Künstlerhaus in der einstigen Brunnenstraße (heute Am Künstlerhaus) im Gebäude Nr. 47, 2003, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Erbacher 596.

Künstlerhaus

Bis zum Erwerb des ehemaligen Berckholtzschen Palais (erbaut von Friedrich Arnold) in der Karlstraße 44 und seinem Bezug als Künstlerhaus 1909 hatte der 1874 gegründete Verein bildender Künstler Karlsruhe verschiedene Lokalitäten als Vereinslokale genutzt. Das Frühlingsfest im Akademiegarten 1903 und auch das dreitägige Künstlerfest Weltausstellung in der Festhalle 1905 waren bereits zugunsten eines Baus oder Kaufs eines Künstlerhauses durchgeführt worden. Als die Berckholtzschen Erben im ersten Quartal 1909 das Palais zum Verkauf anboten, konnte es der Verein mit Hilfe großzügiger Zuwendungen von Vereinsmitgliedern und zweier Hypotheken für 125.000 Mark erwerben. Bis zur feierlichen Eröffnung am 2. Oktober des Jahres wurde es nach Plänen von Pfeifer & Großmann in ein Vereinsheim umgewandelt. Während das äußere klassizistische Erscheinungsbild mit Eckrotunde unberührt blieb und im Obergeschoss, in dem die geschlossenen Klubräume (Spiel-, Kneip-, Billardzimmer und Bibliothek) untergebracht waren, kaum Veränderungen stattfanden, wurde das Erdgeschoss, in dem der Verein aus Rentabilitätsgründen ein öffentliches Restaurant mit Büfettraum, Wein-, Bier- und dekorativem Eckzimmer (Entwurf Hermann Billing) einrichtete, neu gestaltet.

Zum Palais gehörte auch das Anwesen Sophienstraße 2 mit dem ehemaligen Wohnhaus für die Dienerschaft. An seiner Stelle errichtete der Verein 1911/12 nach Plänen von Ludwig Schmieder einen Saalbau mit Vestibül, Garderobe, Haupttreppe, großem und kleinem Saal. Die beiden untereinander verbundenen Häuser boten ein variables Raumprogramm für unterschiedliche Veranstaltungsformate. Bei den zukünftigen Künstlerfesten blieb das Restaurant für Externe geschlossen, so dass der gesamte Komplex bespielt werden konnte. 1924/25 erwarb der Verein noch das Haus Karlstraße 42 sowie für eine mögliche Erweiterung des großen Bühnensaals die beiden Anwesen Sophienstraße 4-6; letztere stieß er bereits in den 1930er-Jahren wieder ab. Der Zweite Weltkrieg ließ die Veranstaltungen im Künstlerhaus auf ein Minimum sinken. Zu den wenigen Vorstellungen gehörte die Reihe Autorenabend (1942-1944), bei der Karlsruher Komponisten wie Clara Faisst und Willy Grabert oder auch die Dichterin Hermine Maierheuser eigene Werke präsentieren konnten. Beim Luftangriff am 27. September 1944 wurde das Künstlerhaus getroffen und weitgehend zerstört.

Nach der Neukonstituierung des Vereins am 4. November 1948 rückte auch der Wunsch nach einem Künstlerhaus wieder in den Fokus. Unter dem Vorsitzenden Axel Torsten Hecht (1952-1955) beschloss der Verein, sein Anwesen am Karlstor mit einem Gebäudekomplex zu überbauen, der im hinteren Teil (Sophienstraße 2) einen etwa 500 Personen fassenden Saal erhalten und im fünfgeschossigen Hauptbau an der Karlstraße 42-44 Ladengeschäfte, Büroräume, ein Restaurant und ein 80-Betten-Hotel aufnehmen sollte. Am 29. September 1955 fand das Richtfest statt. Von dem zunächst auf 800.000 Mark veranschlagten Projekt, das letztendlich über 1,5 Millionen Mark kostete, konnte der Verein nur noch den Festsaal, der als Sinnbild des wiedererstandenen Künstlerhauses verstanden wurde, fertig stellen. Am 17. Dezember fand im Rahmen des 81. Stiftungsfests seine feierliche Einweihung statt. Der Innenausbau des Haupttrakts dagegen wurde Anfang April 1956 wegen Zahlungsunfähigkeit gestoppt. Ende Juni meldete der Verein Konkurs an. Während des Konkursverfahrens konnte die Kernreaktor-Bau- und Betriebs GmbH, welche Räume für ihre rund 200-köpfige Belegschaft suchte, als Käuferin gewonnen werden. Sie übernahm den Endausbau zu einem Bürogebäude.

Nachfolgerin des noch im selben Jahr aufgelösten Vereins bildender Künstler wurde die berufsständische Organisation Verband bildender Künstler e. V., aus dem der heutige Bezirksverband bildender Künstlerinnen und Künstler Karlsruhe e. V. (BBK) hervorging. 1975 begannen die Verbandsmitglieder, denen die Stadt zur Aufstellung einer Druckpresse für Lithografie und einer Radierpresse 1963 zwei kleine Kellerräume in der Landesversicherungsanstalt Baden, Kaiserallee 8, mietfrei überlassen hatte, mit der erneuten Forderung nach einem Künstlerhaus an die Öffentlichkeit zu gehen. Im Zuge der Altstadtsanierung entschied die Stadtverwaltung, das Anwesen Brunnenstraße 47 für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen. Das einsturzgefährdete Haus von 1790/1792 wurde aus Mitteln des Bundes, des Landes und der Stadt nach Plänen der Architekten Johannes Auler und Rainer Stöber nahezu von Grund auf erneuert. Die Straßenfassade wurde dabei als Baudenkmal weitgehend historisch getreu rekonstruiert. Im Vorderhaus mit einer Nutzfläche von 467 Quadratmetern wurden ein Versammlungsraum (Untergeschoss), ein Ausstellungsraum (Erdgeschoss), Kursräume (Obergeschoss) sowie eine Atelierwohnung (Dachgeschoss) und im Hinterhaus mit einer Nutzfläche von 139 Quadratmetern die Werkstätten eingerichtet. Am 8. September 1979 wurde das neue Künstlerhaus, dessen Mieter seitdem der BBK ist, offiziell eröffnet. Während das erste Künstlerhaus mit Restaurant, Klubräumen und Saalbau vor allem ein Ort der Unterhaltung und Begegnung sein wollte, versteht sich das Künstlerhaus im ehemaligen Dörfle in erster Linie als Ausstellungsplattform für regionale Kunst sowie als Bildungs- und Arbeitsstätte im Bereich künstlerischer Drucktechniken, wobei Kommunikation und Erfahrungsaustausch nicht zu kurz kommen.

Katja Förster 2021

Quellen

StadtAK 1/H-Reg 9269; Karlsruher Zeitungen, https://digital.blb-karlsruhe.de/zeitungen/topic/view/2965491 (Zugriff am 4. August 2021); Karl Widmer: Das Künstlerhaus in Karlsruhe. Architekten Pfeifer & Grossmann – Karlsruhe, in: Innendekoration. Die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort, 22. Jg., 1911, S. 139-144, https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/innendekoration1911/0163 (Zugriff am 4. August 2021); Saalbau Künstlerhaus Karlsruhe. Architekt: Dipl.-Ing. Ludwig Schmieder, Großh. Bauinspektor in Heidelberg, in: Deutsche Bauzeitung, 48. Jg., 1914, S. 501 f. und Abb. S. 504 f., https://opus4.kobv.de/opus4-btu/frontdoor/index/index/searchtype/collection/id/16278/docId/2514/start/7/rows/10 (Zugriff am 4. August 2021).

Literatur

Um 1900. Das alte Karlsruher Künstlerhaus, hrsg. vom Bezirksverband Bildender Künstler Karlsruhe, Karlsruhe 1987; Künstlerhaus / Künstlerhaus Karlsruhe, Brunnenstraße 47, Sanierungsgebiet Dörfle, hrsg. vom Bezirksverband Bildender Künstler Karlsruhe, Karlsruhe 1979; Arthur Valdenaire: Das Karlsruher Künstlerhaus, in: Der Führer am Sonntag vom 30. Oktober 1938, https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/periodical/pageview/3239161 (Zugriff am 7. August 2021); Durlacher Tagblatt vom 13. Oktober 1954 (Verein Bildender Künstler baut ein interessantes Haus) StadtAK 8/Ze 11; Badische Volkszeitung vom 19. Dezember 1955 (Einweihung des Künstlerhauses), 13. April 1956 (Ende eines finanziellen Abenteuers), 15. August 1956 (Kernreaktor-Bau- und Betriebs GmbH unterzeichnete Kaufvertrag) StadtAK 8/Ze 20; Badische Neueste Nachrichten (BNN) vom 30. Juni 1956 (Der letzte Akt einer Tragödie: Künstlerverein will sich auflösen), 8. September 1979 (Eröffnung des Künstlerhauses) StadtAK 8/Ze 15.