Verein bildender Künstler

1859 wurde in Karlsruhe auf Initiative der ehemaligen Düsseldorfer Maler Carl Friedrich Lessing, Wilhelm Schirmer und Ludwig Des Coudres ein Künstlerverein gegründet, der die ortsansässigen Künstler in geselliger Runde einander näher bringen sollte. Als sich der Verein Anfang der 1860er-Jahre für die kunstpolitisch und wirtschaftlich motivierten Ziele der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft einzusetzen begann und als Karlsruher Kunstgenossenschaft zu einem ihrer ersten Ortsvereine mutierte, fand der wenig ambitionierte Künstlerverein 1864/65 sein Ende.

Im November 1874 entstand mit dem Verein bildender Künstler, der 61 Kunstschaffende, darunter Rudolf Gleichauf, Hermann Goetz, Hans Gude, Gustav Kampmann, Ferdinand Keller, Wilhelm Klose, Friedrich Moest, Wilhelm Riefstahl, Carl Steinhäuser, Johann Baptist Tuttiné, Hermann Volz und auch die beiden einstigen Vereinsgründer Lessing und Des Coudres umfasste, erneut ein Künstlerverein. Als Vereinslokal wurde noch im Dezember ein geräumiger Saal im Café Beh in der Hirschstraße 20 angemietet.

Dem Verein gehörten schon bald auch Nicht-Künstler an. 1880 sind Hofbuchhändler Josef Bielefeld, Kaufmann Friedrich Wilhelm Döring, Buchhändler Camill Macklot junior, Hofbankier Julius Nägele und der Pianist Heinrich Ordenstein als außerordentliche Mitglieder dokumentiert. 1886 zählte der Verein 114 ordentliche und 38 außerordentliche Mitglieder.

Während für die abendlichen Treffen und gelegentlichen Vereinssitzungen das Vereinslokal ausreichte – 1876 war der Verein ins Café Tannhäuser in der Karlstraße 18, 1878 in den Salmen am Ludwigsplatz und 1884 in das neu eröffnete Krokodil gewechselt –, mussten größere Veranstaltungen wie die beliebten Kostüm- und Künstlerfeste in den großen Saal des Museums, des Gasthauses Zur Eintracht oder in die Festhalle verlegt werden. In letzterer fanden beispielsweise die Künstlerfeste Völkerwanderung nach den Südseeinseln (1886), Drei Tage im Morgenlande (1901), die Weltausstellung (1905) und 3 Tage in Monte Carlo (1910) statt.

Eine übermäßige Mieterhöhung für die Räumlichkeiten im Krokodil, mit denen man schon längere Zeit nicht mehr zufrieden war, bewog den Verein im Frühjahr 1909, das ehemalige Berckholtzsche Palais in der Karlstraße 44 und Sophienstraße 2 zu kaufen. Am 10. Mai 1909 ließ sich der Verein bildender Künstler deswegen auch ins Vereinsregister eintragen. Am 2. Oktober wurde das Künstlerhaus feierlich eröffnet. Zu seinen ersten Gästen zählten Großherzog Friedrich II. mit seiner Gemahlin Hilda und Prinz Max von Baden.

Während des Ersten Weltkriegs beschränkte sich das Vereinsleben auf die abendlichen Treffen der Daheimgebliebenen sowie gelegentliche Vorträge und Konzerte. Ab 1923/24 stiegen die Aktivitäten wieder an, um diese Zeit kaufte der Verein das Haus Karlstraße 42 und die beiden Anwesen Sophienstraße 4-6. 1927 fand mit der Reise nach Utobali (14./15. Mai) noch ein letztes, großes Künstlerfest statt, das aber nicht mehr die erwartete Resonanz fand und zu einem Defizit von 15.000 Mark führte.

Von 1930-1934 war der Maler Wilhelm Hempfing, der mit seinen Frauenakten bei den Nationalsozialisten großen Anklang fand, erster Vorsitzender. Auch die folgenden Vorstände – der Architekt Hans Bader von 1934-1936, der Grafiker und Werbefachmann Adolf Rentschler von 1936-1938 und der Kunstmaler Hans Schöpflin von 1938 bis Kriegsende – standen dem Nationalsozialismus unterschiedlich nahe. 1936 wurden Führerprinzip und Arierparagraf in die Statuten aufgenommen. Bei den wenigen Veranstaltungen während des Zweiten Weltkriegs handelte es sich vor allem um Kammerkonzerte. Beim Luftangriff am 27. September 1944 wurde das Künstlerhaus getroffen und weitgehend zerstört.

Die Neukonstituierung des Vereins, die bereits im November 1945 von der Militärregierung genehmigt worden war, zog sich bis zum 4. November 1948 hin. 142 ordentliche und 74 außerordentliche Mitglieder zählte der Verein zu diesem Zeitpunkt. Adolf Rentschler wurde zum ersten und Paul Kusche zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Unter den beiden letzten Vorständen, dem Bühnenbilder Axel Torsten Hecht (1951-1955) und dem Kunstmaler Karl Oertel (1955/56), übernahm sich der Verein bildender Künstler beim Wiederaufbau des Künstlerhauses, das Teil eines Geschäftshauskomplexes werden sollte. Ende Juni 1956 meldete er Konkurs an, kurz darauf löste er sich auf. An seine Stelle trat die um 1954 entstandene, berufsständische Organisation Verband bildender Künstler e. V., aus welcher der heutige Bezirksverband bildender Künstlerinnen und Künstler Karlsruhe e. V. (BBK) hervorging.

Katja Förster 2021

Quellen

StadtAK 1/H-Reg 9269; Karlsruher Zeitungen, https://digital.blb-karlsruhe.de/zeitungen/topic/view/2965491 (Zugriff am 3. August 2021); Karlsruher Adressbücher 1876 ff., https://digital.blb-karlsruhe.de/Drucke/topic/view/485648 (Zugriff am 7. August 2021).

Literatur

Adolf Rentschler: Künstler, Geschichte und Geschichten. Der Verein bildender Künstler Karlsruhe, in: Badische Neueste Nachrichten. Beilage zum Sonntag vom 16., 23., 30. Dezember 1972, 5., 13., 20. Januar 1973, StadtAK 8/Ze 15; Arthur Valdenaire: Das Karlsruher Künstlerhaus, in: Der Führer am Sonntag vom 30. Oktober 1938, https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/periodical/pageview/3239161 (Zugriff am 7. August 2021); 50 Jahre Verein bildender Künstler Karlsruhe e. V. 1874-1924. Text von Franz Sales Meyer, hrsg. vom Verein bildender Künstler und Künstlerbund Karlsruhe, Karlsruhe (Kunstdruckerei Künstlerbund) 1924.