Undatierte Aufnahme des Schwedenpalais vor der Sanierung, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIVa 615.
Frontansicht des Schwedenpalais im November 1980, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A40/185/1/19.

Schwedenpalais

Das Schwedenpalais ist ein repräsentatives Wohngebäude im Karlsruher Stadtteil Innenstadt-West. Es befindet sich in der Hans-Thoma-Straße 1 gegenüber der Staatlichen Kunsthalle und wurde zwischen 1768 und 1770 von Johann Friedrich Weyhing erbaut. Auftraggeber war Georg Ernst Ludwig von Preuschen von und zu Liebenstein, ein angesehener Jurist, und seit 1764 markgräflich-badischer Geheimer Hofrat mit Sitz und Stimme im Geheimratskollegium, was etwa dem Rang eines Justizministers entspricht. Als Preuschen, der 1754 von der Universität Gießen nach Karlsruhe gekommen war, bereits zwei Jahre nach Fertigstellung des Baus die Fächerstadt wieder verließ, stand es zunächst leer, bevor 1791 Markgraf Karl Friedrich von Baden das Gebäude kaufte und es seiner zweiten Frau Luise Karoline von Hochberg schenkte. Luise vermietete die Räumlichkeiten ab 1800 an Frankreich, das diese als Unterkunft für seinen Geschäftsträger beim Schwäbischen Reichskreis und später als provisorischen Sitz der französischen Gesandtschaft beim Großherzogtum Baden nutzte.

Von 1810-1813 wurde das Gebäude vom damaligen badischen Innenminister Konrad Karl Freiherr von Andlaw-Birseck bewohnt. 1813 bezog es Friederike Dorothea von Baden. Die Enkelin Karl Friedrichs hatte sich im Jahr zuvor von ihrem Mann, dem schwedischen König Gustav IV. Adolf, scheiden lassen, und war nun in ihre Vaterstadt zurückgekehrt, wobei ihr eine Apanage des schwedischen Staates den Kauf des Gebäudes ermöglichte, das seitdem Schwedenpalais genannt wird. Nachdem Friederike 1826 gestorben war, wurde das Palais von ihren Töchtern vermietet. 1835 erwarb der badische Generalmajor Wilhelm Freiherr von Seldeneck das Gebäude und vermachte es 1875 seiner ältesten Tochter Auguste. Nach deren Tod ging das Palais 1880 zunächst an ihre Tochter Alexandrine Luise Franziska Freifrau Schilling von Canstatt über, die es wiederum 1884 an den Karlsruher Partikulier Heinrich Küntzle weiterverkaufte.

Doch auch dieser behielt es nicht lange, sondern trat es noch im selben Jahr an das badische Herrscherhaus ab, das sich aus familiengeschichtlichen Gründen darum bemüht hatte. In den folgenden knapp 50 Jahren wurde das Schwedenpalais von ehemaligen Hofbediensteten und höheren Staatsbeamten bewohnt, zuletzt von 1927-1933 auch vom damaligen Intendanten des Badischen Landestheaters, Hans Waag.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Palais als Amtsgebäude genutzt. Zunächst zog 1933 der Landesbauernführer Badens ein, ab 1936 waren die Badische Landsiedlung und das Heimstättenwerk der Deutschen Arbeitsfront darin untergebracht. In den 1950er- und 1960er-Jahren folgten das Vermessungsamt, das Amt für Straßenbauwesen und das Wasserwirtschaftsamt Karlsruhe (bis 1970). Nach fünfjährigem Leerstand und einer Generalsanierung 1976-1978 bezogen das Staatliche Notariat und das Familiengericht die Räumlichkeiten des Gebäudes. Seit dem Frühjahr 1987 wird das Schwedenpalais von der Führungsakademie Baden-Württemberg genutzt.

René Gilbert 2016

Literatur

Hans Leopold Zollner: Aus der Chronik des Karlsruher Schwedenpalais, in: Badische Heimat 58 (1978), S. 93-110; Leonhard Müller: Carlsruher Blickpunkte. Das Schwedenpalais, in: Manfred Koch (Hrsg.): Blick in die Geschichte. Karlsruher stadthistorische Beiträge 2003-2008, Karlsruhe 2009, S. 298 f., http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/blick_geschichte/blick68/schwedenpalais (Zugriff am 5. Januar 2016); Führungsakademie Baden-Württemberg (Hrsg.): Das Schwedenpalais in Karlsruhe. Ein Haus im Wandel der Zeiten, Informationsbroschüre, https://fueak.bw21.de/Fuehrungsakademie/Standorte/Documents/Brosch%C3%BCre_Geschichte_Schwedenpalais.pdf (Zugriff am 5. Januar 2016).