Johann Friedrich Weyhing

Architekt, * getauft 1. August 1716 Stuttgart, † 29. Juli 1781 Karlsruhe.

Johann Friedrich Weyhing wurde 1716 als Sohn eines Steinmetzmeisters in Stuttgart geboren. Der Vater arbeitete am Residenzschloss Ludwigsburg, am dortigen Schloss Favorite sowie am Neuen Schloss in Stuttgart mit. 1738-1741 lernte Weyhing als Schüler des italienischen Baumeisters Gaetano Chiaveri in Dresden das Architekturhandwerk und beteiligte sich dabei wohl auch am Bau der katholischen Hofkirche. 1747 wurde er in Württemberg zum Bauinspektor, später zum Kammerherrn ernannt. In den 1750er- und 1760er-Jahren war Weyhing an verschiedenen Bauten des Herzogs Carl Eugen, wie dem Ausbau des Stuttgarter Schlosses, dem Bau des Lusthauses zu Grafeneck sowie dem Bau von Schloss Solitude in Stuttgart maßgeblich beteiligt.

1767 trat er die Stelle eines Rechnungsrats in Karlsruhe an. In den ersten Jahren gestaltete sich seine Arbeit in der badischen Residenzstadt freilich schwierig, da die damaligen Mitglieder des markgräflichen Bauamts Johann Heinrich Arnold, Wilhelm Jeremias Müller und Albrecht Friedrich von Keßlau dem württembergischen Neuling trotz seiner erstklassigen Referenzen unfreundlich und abweisend begegneten. Erst eine Anordnung des Markgrafen Karl Friedrich, Weyhing nicht nur in untergeordnete Bauprojekte, sondern auch in Schlossbau-Geschäfte mit einzubeziehen, besserte seine berufliche Stellung und vergrößerte seinen Einfluss bei der Stadtplanung.

Nach dem Tod Arnolds übernahm Weyhing 1770 als Kammerrat die fürstliche Bauaufsicht. In den folgenden gut zehn Jahren zeichnete er für die Planung des Pädagogiums in Durlach und den Bau der Nikolauskirche (Kleine Kirche, heute Auferstehungskirche) in Rüppurr verantwortlich. 1779 entstand nach seinen Plänen das Pfarrhaus mit Scheune in Stupferich, das restauriert heute als Wohnhaus dient. Die Karl-Friedrich-Gedächtniskirche in Mühlburg, für die Weyhing den Plan angefertigt hatte, entstand fünf Jahre nach seinem Tod. Sein wohl bekanntestes Bauwerk ist das Schwedenpalais in der Karlsruher Hans-Thoma-Straße 1. Weyhing errichtete es im Auftrag des Geheimen Hofrats Georg Ernst Ludwig von Preuschen von und zu Liebenstein von 1768-1770.

René Gilbert 2015

Quelle

StadtAK 8/ZGS Persönlichkeiten – Weyhing, Johann Friedrich.

Literatur

Hans Leopold Zollner: Johann Friedrich Weyhing. Laudatio für einen Vergessenen, in: Badische Heimat 53 (1973), S. 334-337.