Grundriss und Längsschnitt der Unterführung mit dem Brunnen, Lithografie vor 1830, aus: Ausgeführte und projectierte Gebäude von Friedrich Weinbrenner, Grosherzoglich Badischem Oberbaudirektor. Zweites Heft. Gartengebäude Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Markgräfin Amalie von Baden, 1830, Tafel 8 [Reprint Karlsruhe 1978 mit einem Kommentar von Wulf Schirmer].
Der Neptun-Kopf an der Mauer des ehemaligen Hofwasserwerks am Ahaweg, 1987, Foto: Marianne Störlein.

Brunnen im Durchgang unter der Erbprinzenstraße

Von 1801-1866 im Erbprinzengarten, an der Westwand des Durchgangs unter der Erbprinzenstraße.

1787 schenkte Markgraf Karl Friedrich seinem Sohn, Erbprinz Karl Ludwig, den Erbprinzengarten, einen im barocken Stil angelegter Garten, der ursprünglich dem 1732 verstorbenen Erbprinzen Friedrich gehört hatte und in etwa das Gelände des heutigen nördlichen Friedrichsplatzes umfasste. Karl Ludwig ließ nicht nur an seiner nördlichen Grenze nach Plänen von Wilhelm Jeremias Müller ein Gesellschaftshaus errichten und die Anlage durch Garteninspektor Johann Michael Schweickardt in einen englischen Landschaftspark umwandeln, sondern erwarb auch ab etwa 1798 das gesamte Gelände, das sich südlich des bisherigen Gartens zwischen der Erbprinzenstraße und der projektierten Kriegsstraße erstreckte und im Westen von der verlängerten Ritterstraße und im Osten in etwa im Verlauf der späteren Lammstraße begrenzt wurde. Im neuen, ebenfalls von hohen Mauern umschlossenen Areal, wurde der englische Landschaftsgarten mit gewundenen Wegen, Baumgruppen und Rasenflächen fortgeführt. Damit die das Gelände von Ost nach West durchschneidende Erbprinzenstraße nicht als störende Zäsur wirkte und die Anlage in ihrer Gesamtheit überschaubar war, wurde die Straße in diesem Streckenabschnitt mit so genannten Ahamauern, ebenfalls ein Kunstgriff aus der englischen Gartengestaltung, versehen.

Karl Ludwig wollte aber auch eine direkte Verbindung zwischen den beiden Gartenteilen, weswegen er Friedrich Weinbrenner 1801 mit der Planung eines unter der Erbprinzenstraße hindurchführenden Gangs beauftragte, der noch in demselben Jahr an der Ostflanke des Gartens ausgeführt wurde. Die zur Unterführung hinabführenden Wege wurden an den Seiten durch Felsbrocken, Pflanzen und einen Teich zu Gebirgsformationen stilisiert. Der monumentale Rundbogeneingang im Norden war als dorisches Portal, der im Süden dagegen als Felsgrotte gestaltet. Der Durchgang selbst wurde von einem Tonnengewölbe überfangen und seine mit je sechs Nischen rhythmisierten Wandflächen tropfsteinartig verputzt. Zwei der symmetrisch angeordneten Nischen waren wesentlich größer ausgebildet und nahmen statt der Urnen von verstorbenen Freunden an der Ostwand einen steinernen Altar und an der Westwand einen Brunnen auf.

Die Brunnenanlage bestand aus einem, dem Bildhauer Tobias Günther zugeschriebenen, monumentalen Neptun-Kopf, der als Wasserspeier an der halbkreisförmigen Rückwand angebracht war und Wasser aus einem zwar unterirdischen, aber etwas höher gelegenen Reservoir empfing, das mittels einer Handpumpe mit Grundwasser versorgt wurde. Vom Mund des Meeresgottes fiel es zunächst in eine halbrunde Schale und von dort über den Schalenrand in ein tief in den Untergrund eingelassenes rechteckiges Becken, das stets mit Grundwasser versorgt und bei Bedarf von den beiden angrenzenden Urnennischen aus über steile Treppen zu erreichen war.

Noch im Jahr der Ausführung des Brunnens verstarb Erbprinz Karl Ludwig. Seine Gattin, Markgräfin Amalie Friederike, ließ daraufhin die Gartenanlage fertig stellen. In ihrem Auftrag entstanden nach Plänen Weinbrenners noch das Amalienschlösschen und das Erbprinz-Karl-Ludwig-Denkmal. Im Zuge der Bebauung des heutigen Friedrichplatzes wurde 1866 der unterirdische Durchgang aufgeschüttet und der Park bis auf einen kleinen, veränderten Teil (heute Nymphengarten) beseitigt. Der Neptun-Kopf wurde 1867 in die Umfassungsmauer des Hofwasserwerks am Ahaweg eingemauert und ist als einziges Teil der Brunnenanlage erhalten.

Katja Förster 2015

Literatur

Gerhard Kabierske: Brunnen im Durchgang unter der Erbprinzenstraße, in: Gerlinde Brandenburger/Manfred Großkinsky/Gerhard Kabierske/Ursula Merkel/Beatrice Vierneisel: Denkmäler, Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715-1945, 2. Aufl. Karlsruhe 1989, S. 134-138 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 7) https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv/HF_sections/content/ZZmmY1PdXpuoNV/Denkm%C3%A4ler%20Brunnen%20und%20Freiplastiken%20in%20Karlsruhe%201715-1945.pdf (Zugriff am 23. Dezember 2020).