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De:Lexikon:bio-2168: Unterschied zwischen den Versionen

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=Paul Martin Haußer=
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[[Datei:Haußer Paul GLA.jpg|alternativtext=Paul Haußer, Foto um 1934, GLA 456/4385.|links|mini|Paul Haußer, Foto um 1934, GLA 465 c Nr. 989.]]
Jurist, Polizeipräsident, * 4. Oktober 1880 Schwetzingen, † 17. Mai 1966 Karlsruhe, ev, ∞ 29. April 1912 Susanne Elsasser.<br/ ><br/ >Der als Sohn des Hauptlehrers und Sekretärs der Handwerkskammer Mannheim Carl Haußer geborene Paul Haußer studierte nach dem Besuch der Mittelschule (Gymnasium) in Mannheim 1898 bis 1902 an der Universität Heidelberg Rechtswissenschaft und wurde Mitglied der Studentenverbindung Landsmannschaft Teutonia Heidelberg. 1907 legte er die zweite juristische Staatsprüfung ab. Danach war er als Regierungsassessor in etlichen badischen Städten tätig, darunter in <lex id="ort-0034">Durlach</lex> und Ettlingen. Haußer gehörte dem Jungliberalen Verein und der <lex id="ins-0323">Nationalliberalen Partei</lex> an. 1919 wurde er Mitglied der <lex id="ins-0309">Deutschen Demokratischen Partei (DDP)</lex>.


Aus seiner Stellung beim Bezirksamt Baden-Baden war er am 2. August 1914 als Hauptmann beim Reserve-Infanterie-Regiment 111 und Garderegiment zu Fuß zum <lex id="ereig-0068">Kriegsdienst</lex> bis zum 21. November 1918 einberufen worden. In dieser Zeit wurde er mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse, dem Ritterkreuz des Badischen <lex id="ins-1607">Zähringer Löwenordens</lex> 2. Klasse, dem Herzoglich Braunschweigischen Kriegsverdienstorden und dem Ritterkreuz des Militär-Karl-Friedrich-Verdienstordens ausgezeichnet. Im Jahr 1916 wurde er zum Amtmann befördert und an das Bezirksamt Baden-Baden versetzt, wo er bis zum 5. Dezember 1920 blieb. Am folgenden Tag trat er die Stelle des Polizeidirektors in Karlsruhe an.
Jurist, Polizeipräsident, * 4. Oktober 1880 Schwetzingen, † 17. Mai 1966 Karlsruhe, ∞ 29. April 1912 Susanne Elsasser.<br/ ><br/ >
Der als Sohn des Hauptlehrers und Sekretärs der Handwerkskammer Mannheim Carl Haußer geborene Paul Haußer studierte nach dem Besuch der Mittelschule (Gymnasium) in Mannheim 1898 bis 1902 an der Universität Heidelberg Rechtswissenschaft und wurde Mitglied der Studentenverbindung Landsmannschaft Teutonia Heidelberg. 1907 legte er die zweite juristische Staatsprüfung ab. Danach war er als Regierungsassessor in etlichen badischen Städten tätig, darunter in <lex id="ort-0034">Durlach</lex> und Ettlingen. Haußer gehörte dem Jungliberalen Verein und der <lex id="ins-0323">Nationalliberalen Partei</lex> an. 1919 wurde er Mitglied der <lex id="ins-0309">Deutschen Demokratischen Partei (DDP)</lex>.


Haußers Interesse galt unter anderem dem polizeilichen Erkennungsdienst, den er in Baden auf ein hohes Niveau hob. Aus dem Erkennungsdienst ging im November 1922 das <lex id="ins-1099">Badische Landespolizeiamt</lex> hervor, das bis Anfang 1933 unter anderem die links- und rechtsextremen Parteien und Organisationen überwachte. Paul Haußer wurde zum 21. Februar 1933 Nachfolger des beurlaubten Ministerialrats Barck ins Innenministerium berufen. Bereits unmittelbar nach seiner Ernennung zum Reichskommissar hatte sich Gauleiter <lex id="bio-0064">Robert Wagner</lex> mit einer Neuordnung der <lex id="ereig-0131">Polizei</lex> befasst. Am 8. März ernannte er den ehemaligen Polizeioberleutnant und späteren badischen <lex id="ins-1408">Innenminister</lex> <lex id="bio-1417">Karl Pflaumer</lex> zum Kommissar zur besonderen Verwendung (z. b. V.), der im Wesentlichen für d as Polizeiwesen zuständig war. Die Aufgaben Haußers übernahm der Führer der badischen <lex id="ins-1941">Sturmabteilung (SA)</lex> <lex id="bio-1003">Hans Ludin</lex>. Obwohl Haußer in der <lex id="ereig-0212">Weimarer Republik</lex> Mitglied der DDP gewesen war, blieb er im Staatsdienst und wurde am 26. Juni 1933 dem Badischen Statistischen Landesamt zugewiesen, dessen Leitung er im November 1934 übernahm. Im Oktober 1933 hatte er ein Aufnahmegesuch beim Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen gestellt, wurde allerdings offensichtlich nicht Mitglied der <lex id="ins-0324">Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP)</lex>. 1940 übernahm Haußer die kommissarische Leitung des Statistischen Amtes für das Elsass in Straßburg.
Aus seiner Stellung beim Bezirksamt Baden-Baden war er am 2. August 1914 als Hauptmann beim Reserve-Infanterie-Regiment 111 und Garderegiment zu Fuß zum Kriegsdienst bis zum 21. November 1918 einberufen worden. In dieser Zeit wurde er mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse, dem Ritterkreuz des Badischen <lex id="ins-1607">Zähringer Löwenordens</lex> 2. Klasse, dem Herzoglich Braunschweigischen Kriegsverdienstorden und dem Ritterkreuz des Militär-Karl-Friedrich-Verdienstordens ausgezeichnet. Im Jahr 1916 wurde er zum Amtmann befördert und an das Bezirksamt Baden-Baden versetzt, wo er bis zum 5. Dezember 1920 blieb. Am folgenden Tag trat er die Stelle des Polizeidirektors in Karlsruhe an.


Unmittelbar nach Ende des <lex id="ereig-0074">Zweiten Weltkriegs</lex> folgte er am 4. Juni 1945 dem verstorbenen Adolf Schwarz als Ministerialdirektor in der badischen Verwaltung des Innern nach. Nach dem Abzug der <lex id="ereig-0091">Franzosen</lex> aus Karlsruhe wurde Haußer mit der einstweiligen Leitung des Badischen Ministeriums des Innern - französisches Besatzungsgebiet - in Freiburg beauftragt, bis er 1947 Präsident des Badischen Verwaltungsgerichtshofes und von 1948 bis 1951 stellvertretender Leiter des Staatsgerichtshofs für das Land Baden wurde.
Haußers Interesse galt unter anderem dem polizeilichen Erkennungsdienst, den er in Baden auf ein hohes Niveau hob. Aus dem Erkennungsdienst ging im November 1922 das <lex id="ins-1099">Badische Landespolizeiamt</lex> hervor, das bis Anfang 1933 unter anderem die links- und rechtsextremen Parteien und Organisationen überwachte. Bereits unmittelbar nach seiner Ernennung zum Reichskommissar hatte sich Gauleiter <lex id="bio-0064">Robert Wagner</lex> mit einer Neuordnung der <lex id="ereig-0131">Polizei</lex> befasst. Am 8. März ernannte er den ehemaligen Polizeioberleutnant und späteren badischen Innenminister <lex id="bio-1417">Karl Pflaumer</lex> zum Kommissar zur besonderen Verwendung (z. b. V.), der im Wesentlichen für das Polizeiwesen zuständig war. Haußer wurde beurlaubt, seine Dienstgeschäfte übernahm der badische SA-Führer <lex id="bio-1003">Hans Ludin</lex>. Obwohl Haußer in der <lex id="ereig-0212">Weimarer Republik</lex> Mitglied der DDP war, wurde er am 26. Juni 1933 dem Badischen Statistischen Landesamt zugewiesen, dessen Leitung er im November 1934 übernahm. Im Oktober 1933 hatte er ein Aufnahmegesuch beim Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen gestellt, wurde allerdings offensichtlich nicht Mitglied der <lex id="ins-0324">Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP)</lex>.

Unmittelbar nach Ende des <lex id="ereig-0074">Zweiten Weltkriegs</lex> folgte er am 4. Juni 1945 dem verstorbenen Adolf Schwarz als Ministerialdirektor in der badischen Verwaltung des Innern nach. Nach dem Abzug der <lex id="ereig-0091">Franzosen</lex> aus Karlsruhe wurde Haußer mit der einstweiligen Leitung des <lex id="ins-1408">Badischen Ministeriums des Innern</lex> - französisches Besatzungsgebiet - in Freiburg beauftragt, bis er 1947 Präsident des Badischen Verwaltungsgerichtshofes und von 1948 bis 1951 stellvertretender Leiter des Staatsgerichtshofs für das Land Baden wurde.


Im Dezember 1951 erhielt Haußer das Große Bundesverdienstkreuz.
Im Dezember 1951 erhielt Haußer das Große Bundesverdienstkreuz.
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==Quellen==
==Quellen==
GLA 465 c/989, 456/4385; StadtAK 8/ZGS Personen - Paul Haußer; Karlsruher Zeitungen 1919-1933, https://digital.blb-karlsruhe.de/topic/view/7756828 (Zugriff am 28. Mai 2024).
GLA 465 c/989, 456/4385; StadtAK 8/ZGS Personen - Paul Haußer; Karlsruher Zeitungen 1919-1933, https://digital.blb-karlsruhe.de/topic/view/7756828, besonders Badische Presse vom 21. Februar 1933 https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/periodical/pageview/2106087?query=Landespolizeiamt (Zugriff jeweils am 28. Mai 2024).

==Literatur==
==Literatur==
Jürgen Treffeisen: Der Präsident des Landesbezirks Baden (1945 - 1952): Präsidialstelle, Stuttgart 1997; Michael Ruck: Korpsgeist und Staatsbewusstsein: Beamte im deutschen Südwesten 1928 bis 1972, München 1996, S. 73.
Jürgen Treffeisen: Der Präsident des Landesbezirks Baden (1945 - 1952): Präsidialstelle, Stuttgart 1997; Michael Ruck: Korpsgeist und Staatsbewusstsein: Beamte im deutschen Südwesten 1928 bis 1972, München 1996, S. 73; Viktor Fichtenau: Haußer, Paul Martin, in: Baden-Württembergische Biographien VIII, hrsg. von Martin Furtwängler, Ostfildern 2022, S. 158-161.

Aktuelle Version vom 25. Januar 2025, 16:29 Uhr


Paul Martin Haußer

Paul Haußer, Foto um 1934, GLA 456/4385.
Paul Haußer, Foto um 1934, GLA 465 c Nr. 989.

Jurist, Polizeipräsident, * 4. Oktober 1880 Schwetzingen, † 17. Mai 1966 Karlsruhe, ev, ∞ 29. April 1912 Susanne Elsasser.

Der als Sohn des Hauptlehrers und Sekretärs der Handwerkskammer Mannheim Carl Haußer geborene Paul Haußer studierte nach dem Besuch der Mittelschule (Gymnasium) in Mannheim 1898 bis 1902 an der Universität Heidelberg Rechtswissenschaft und wurde Mitglied der Studentenverbindung Landsmannschaft Teutonia Heidelberg. 1907 legte er die zweite juristische Staatsprüfung ab. Danach war er als Regierungsassessor in etlichen badischen Städten tätig, darunter in Durlach und Ettlingen. Haußer gehörte dem Jungliberalen Verein und der Nationalliberalen Partei an. 1919 wurde er Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP).

Aus seiner Stellung beim Bezirksamt Baden-Baden war er am 2. August 1914 als Hauptmann beim Reserve-Infanterie-Regiment 111 und Garderegiment zu Fuß zum Kriegsdienst bis zum 21. November 1918 einberufen worden. In dieser Zeit wurde er mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse, dem Ritterkreuz des Badischen Zähringer Löwenordens 2. Klasse, dem Herzoglich Braunschweigischen Kriegsverdienstorden und dem Ritterkreuz des Militär-Karl-Friedrich-Verdienstordens ausgezeichnet. Im Jahr 1916 wurde er zum Amtmann befördert und an das Bezirksamt Baden-Baden versetzt, wo er bis zum 5. Dezember 1920 blieb. Am folgenden Tag trat er die Stelle des Polizeidirektors in Karlsruhe an.

Haußers Interesse galt unter anderem dem polizeilichen Erkennungsdienst, den er in Baden auf ein hohes Niveau hob. Aus dem Erkennungsdienst ging im November 1922 das Badische Landespolizeiamt hervor, das bis Anfang 1933 unter anderem die links- und rechtsextremen Parteien und Organisationen überwachte. Paul Haußer wurde zum 21. Februar 1933 Nachfolger des beurlaubten Ministerialrats Barck ins Innenministerium berufen. Bereits unmittelbar nach seiner Ernennung zum Reichskommissar hatte sich Gauleiter Robert Wagner mit einer Neuordnung der Polizei befasst. Am 8. März ernannte er den ehemaligen Polizeioberleutnant und späteren badischen Innenminister Karl Pflaumer zum Kommissar zur besonderen Verwendung (z. b. V.), der im Wesentlichen für d as Polizeiwesen zuständig war. Die Aufgaben Haußers übernahm der Führer der badischen Sturmabteilung (SA) Hans Ludin. Obwohl Haußer in der Weimarer Republik Mitglied der DDP gewesen war, blieb er im Staatsdienst und wurde am 26. Juni 1933 dem Badischen Statistischen Landesamt zugewiesen, dessen Leitung er im November 1934 übernahm. Im Oktober 1933 hatte er ein Aufnahmegesuch beim Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen gestellt, wurde allerdings offensichtlich nicht Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). 1940 übernahm Haußer die kommissarische Leitung des Statistischen Amtes für das Elsass in Straßburg.

Unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs folgte er am 4. Juni 1945 dem verstorbenen Adolf Schwarz als Ministerialdirektor in der badischen Verwaltung des Innern nach. Nach dem Abzug der Franzosen aus Karlsruhe wurde Haußer mit der einstweiligen Leitung des Badischen Ministeriums des Innern - französisches Besatzungsgebiet - in Freiburg beauftragt, bis er 1947 Präsident des Badischen Verwaltungsgerichtshofes und von 1948 bis 1951 stellvertretender Leiter des Staatsgerichtshofs für das Land Baden wurde.

Im Dezember 1951 erhielt Haußer das Große Bundesverdienstkreuz.

Ernst Otto Bräunche 2024

Quellen

GLA 465 c/989, 456/4385; StadtAK 8/ZGS Personen - Paul Haußer; Karlsruher Zeitungen 1919-1933, https://digital.blb-karlsruhe.de/topic/view/7756828, besonders Badische Presse vom 21. Februar 1933 https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/periodical/pageview/2106087?query=Landespolizeiamt (Zugriff jeweils am 28. Mai 2024).

Literatur

Jürgen Treffeisen: Der Präsident des Landesbezirks Baden (1945 - 1952): Präsidialstelle, Stuttgart 1997; Michael Ruck: Korpsgeist und Staatsbewusstsein: Beamte im deutschen Südwesten 1928 bis 1972, München 1996, S. 73; Viktor Fichtenau: Haußer, Paul Martin, in: Baden-Württembergische Biographien VIII, hrsg. von Martin Furtwängler, Ostfildern 2022, S. 158-161.