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Hans-Jürgen Kremer: Das Großherzogtum Baden in der politischen Berichterstattung der preußischen Gesandten 1871-1918, 2. Bde., Stuttgart 1990 und 1992, Bd. 1 (= Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe A, Quellen Band 42); Karlsruher Zeitungen, https://digital.blb-karlsruhe.de/zeitungen/topic/view/7756828 (Zugriff am 3. August 2026); Karlsruher Kunstwarte. Wochenschrift für Theater, Musik, Bildende Kunst, Kulturpolitik 1924 -1926, StadtAK 8/Ze 28; Hans A. Berger: Karlsruher Journalisten-Porträts, Adam Röder, Badische Neueste Nachrichten vom 5. August 1958, https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/periodical/pageview/8794923?query=%22Karlsruher%20Kunstwarte%22 (Zugriff am 3. August 2026). |
Hans-Jürgen Kremer: Das Großherzogtum Baden in der politischen Berichterstattung der preußischen Gesandten 1871-1918, 2. Bde., Stuttgart 1990 und 1992, Bd. 1 (= Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe A, Quellen Band 42); Karlsruher Zeitungen, https://digital.blb-karlsruhe.de/zeitungen/topic/view/7756828 (Zugriff am 3. August 2026); Karlsruher Kunstwarte. Wochenschrift für Theater, Musik, Bildende Kunst, Kulturpolitik 1924 -1926, StadtAK 8/Ze 28; Hans A. Berger: Karlsruher Journalisten-Porträts, Adam Röder, Badische Neueste Nachrichten vom 5. August 1958, https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/periodical/pageview/8794923?query=%22Karlsruher%20Kunstwarte%22 (Zugriff am 3. August 2026). |
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Version vom 10. August 2026, 16:44 Uhr
Adam Röder
Politiker, Journalist, * 15. November 1858 Kirchheim/Landkreis Ludwigsburg, † 2. April 1937 Karlsruhe, ∞ 23. März 1893 Katharine Christine Fleischmann.
Adam Röder, der Sohn eines Schuhmachers, studierte nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums bis 1881 Ingenieurwissenschaften, Volkswirtschaft und Literatur. Danach war er als Redakteur zunächst jeweils neun Jahre für den Hildesheimer Kurier und die Badische Landpost tätig, ehe er Chefredakteur des Rheinischen Kuriers in Wiesbaden wurde. Als Chefredakteur der Landpost gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins Karlsruher Presse (Karlsruher Schriftsteller- und Journalistenverein). Im Anschluss an eine vierjährige Tätigkeit als Leiter der Deutschen Reichspost in Stuttgart wurde Röder 1913 Herausgeber der von ihm gegründeten und wesentlich mit von ihm geschriebenen Artikeln versorgten Süddeutschen Conservativen Correspondenz, zu deren Abonnentenstamm unter anderem die Frankfurter Zeitung und Wiener Journale gehörten. Außerdem schrieb er für den Kulturteil des Residenz-Anzeigers, den er mit zahlreichen Theaterkritiken prägte.
Von Dezember 1924 bis 30. Juli 1926 gab er die Karlsruher Kunstwarte. Wochenschrift für Theater, Musik, Bildende Kunst, Kulturpolitik heraus. In deren erster Nummer wird schon in Röders Einführung seine konservative, gegen die Moderne gerichtete Haltung deutlich, als er aus Richard Wagners Meistersinger Hans Sachs zitierte „Paßt auf, uns drohen üble Streich - und wälscher Dunst mit wälschem Tand sie pflanzen uns ins eigene Land“ und damit nicht nur die „Wälschen jenseits der Vogesen“ meinte, sondern auch die eigenen Landsleute meinte, die „dem deutschen Volk seine Seele nehmen… und seinen Genius mit dem Absud eines ästhetischen Nihilismus“ vergiften.
Diese Kampfansage gegen die Moderne prägten seine Artikel, die er z. T. mit dem Pseudonym „Monti“ schrieb. Zu den gefährlichen Erneuerern zählte er die Vegetarier, die Antialkoholiker und „die von der Nacktkultur“, aber auch die „Rassen- und Blutpolitiker, die darwinistischen Hochzüchter und die fanatischen Nationalisten“, so dass er immer wieder mit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) in Konflikt geriet. Auch in der letzten Ausgabe der Kunstwarte machte er noch einmal seine gegen die Moderne gerichtete konservative Haltung mehr als deutlich: die Generation kultivierter Theaterbesucher sei ausgestorben, das Kino, die Jazzband und die „verschweinigelte“ Operette dominiere. Karlsruhe habe seinen Rang als Wagnerspielstätte verloren, generell in Deutschland seien „inferiore Schreiberseelen“ am Werk (Kunstwarte Nr. 7, 14. Januar 1926).
Politisch vertrat Röder, der Zeitgenossen als der streitbarste unter den Karlsruher Journalisten galt, ebenfalls die konservative Richtung und war zunächst seit 1882 in der Deutschkonservativen Partei aktiv, zu deren antisemitischen Flügel er gehörte, wie der preußische Gesandte 1898 nach Berlin berichtete. Bei den Reichstagswahlen im Mai 1924 und im Dezember 1924 wurde Röder auf der Reichswahlliste des Zentrums in den Reichstag gewählt und war zeitweise der einzige Protestant unter den Zentrumsabgeordneten.
Nach der Machtübertragung auf die Nationalsozialisten wurde die Süddeutsche Conservative Correspondenz für mehrere Wochen verboten, weil Röder, obwohl selbst als Antisemit im Kaiserreich aktiv, sich gegen den so genannten Arierparagraph gewandt hatte.
Quellen
Hans-Jürgen Kremer: Das Großherzogtum Baden in der politischen Berichterstattung der preußischen Gesandten 1871-1918, 2. Bde., Stuttgart 1990 und 1992, Bd. 1 (= Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe A, Quellen Band 42); Karlsruher Zeitungen, https://digital.blb-karlsruhe.de/zeitungen/topic/view/7756828 (Zugriff am 3. August 2026); Karlsruher Kunstwarte. Wochenschrift für Theater, Musik, Bildende Kunst, Kulturpolitik 1924 -1926, StadtAK 8/Ze 28; Hans A. Berger: Karlsruher Journalisten-Porträts, Adam Röder, Badische Neueste Nachrichten vom 5. August 1958, https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/periodical/pageview/8794923?query=%22Karlsruher%20Kunstwarte%22 (Zugriff am 3. August 2026).
Werk
Christlich-Konservativ, Leipzig 1892; Der ev.-soziale Kongreß, Stuttgart 1895; Der evangelisch soziale Kongress zu Frankfurt am Main, 1895; Der Austritt Stöckers aus der Konservativen Partei, Karlsruhe 1896; Ein neues Reichstagswahlrecht, Berlin 1896; Salome, Wiesbaden 1906; Reisebilder aus Amerika, Berlin 1906; Frau Lydia (Drama) 1906; Kulturkonservatismus, Stuttgart 1910; Konservative Zukunftspolitik, Karlsruhe 1918; Der Schmied von Ruhla, Mainz 1919; Die Zukunft des Badischen Landestheaters, Karlsruhe 1919; Der Deutsche Konservatismus und die Revolution, Gotha 1920; Reaktion und Antisemitismus, Berlin 1922; Der Weg des Zentrums, Berlin 1925; Die Mentalität des 20. Jahrhunderts, 1929; Amerika, Berlin 1906; Salome, Wiesbaden 1906; Reaktion u. Antisemitismus, 1922; Der Weg d. Zentrums, 1926; Die Mentalität des 20. Jahrhunderts, 1929 (?); Der Agitator (Roman); Um 20 Flaschen Sekt (Novelle); Des Dichters Traum (Schauspiel).
Literatur
Hubert Doerrschuck: Röder, Adam, Journalist, MdR-Z, in: Bernd Ottnad (Hrsg.): Badische Biographien Bd. IV, Stuttgart 1996.