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De:Lexikon:ort-0125: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:Ort-0125 Lauterberg 8 PBS XIIIc 195.jpg|alternativtext=Der Kessel des Hochreservoirs im Bau, um 1891, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIIIc 195.|links|mini|Der Kessel des Hochreservoirs im Bau, um 1891, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIIIc 195.]]

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Der Lauterberg in Karlsruhe war bis zur <lex id="ereig-0214">Eingemeindung</lex> <lex id="ort-0034">Durlachs</lex> 1938 mit 153,6 Metern über NN die höchste Erhebung in der Stadt. Er überragt den <lex id="top-3108">Marktplatz</lex> um 38,7 Meter und ist um 103,6 Meter niedriger als der Durlacher <lex id="top-2756">Turmberg</lex>.
Der Lauterberg in Karlsruhe war bis zur <lex id="ereig-0214">Eingemeindung</lex> <lex id="ort-0034">Durlachs</lex> 1938 mit 153,6 Metern über NN die höchste Erhebung in der Stadt. Er überragt den <lex id="top-3108">Marktplatz</lex> um 38,7 Meter und ist um 103,6 Meter niedriger als der Durlacher <lex id="top-2756">Turmberg</lex>.


Der 1889 bis 1893 künstlich geschaffene Hügel verdankt seine Entstehung der Notwendigkeit, für die rasch wachsende Bevölkerung am Ende des 19. Jahrhunderts die <lex id="ereig-0153">Wasserversorgung</lex> auch in den höheren Etagen der Wohnhäuser sicher zu stellen. Dafür sollte anstelle des Wasserturms im Durlacher Wald und des Hochbehälters am heutigen <lex id="top-0206">Archivplatz</lex> ein neuer leistungsfähigerer Hochbehälter gebaut werden. Statt eines technischen Bauwerks schlug der Chef der <lex id="ins-1094">Gas</lex>- und <lex id="ins-1474">Wasserwerke</lex> <lex id="bio-0761">Franz Reichard</lex>, unterstützt von <lex id="ins-1014">Oberbürgermeister</lex> <lex id="bio-0017">Wilhelm Lauter</lex> vor, einen künstlichen Hügel mit einem stählernen Behälter für 3,2 Millionen Liter Wasser im Inneren zu errichten. Entstehen solle der Hügel südöstlich des <lex id="ins-1066">Tier- und Stadtgartens</lex>, der damit um eine Attraktion bereichert wurde, woran OB Lauter besonders gelegen war. Im Juni 1893 wurde das Wasserreservoir in Betrieb genommen und der Hügel nach dem 1892 verstorbenen Oberbürgermeister Lauterberg benannt.
Der 1889 bis 1893 künstlich geschaffene Hügel verdankt seine Entstehung der Notwendigkeit, für die rasch wachsende Bevölkerung am Ende des 19. Jahrhunderts die <lex id="ereig-0153">Wasserversorgung</lex> auch in den höheren Etagen der Wohnhäuser sicher zu stellen. Dafür sollte anstelle des Wasserturms im Durlacher Wald und des Hochbehälters am heutigen <lex id="top-0206">Archivplatz</lex> ein neuer leistungsfähigerer Hochbehälter gebaut werden. Statt eines technischen Bauwerks schlug der Chef der <lex id="ins-1094">Gas</lex>- und <lex id="ins-1474">Wasserwerke</lex> <lex id="bio-0761">Franz Reichard</lex>, unterstützt von <lex id="ins-1014">Oberbürgermeister</lex> <lex id="bio-0017">Wilhelm Lauter</lex> vor, einen künstlichen Hügel mit einem stählernen Behälter für 3,2 Millionen Liter Wasser im Inneren zu errichten. Entstehen solle der Hügel südöstlich des <lex id="ins-1066">Tier- und Stadtgartens</lex>, der damit um eine Attraktion bereichert wurde, woran OB Lauter besonders gelegen war. Im Juni 1893 wurde das Wasserreservoir in Betrieb genommen und der Hügel nach dem 1892 verstorbenen Oberbürgermeister Lauterberg benannt.


Auf Antrag Lauters hatte der <lex id="ABCD">XYZ</lex>Bürgerausschuss 1892 die Mittel für die gärtnerisch-landschaftliche Gestaltung des Hügels genehmigt. Ein Wegenetz führte zum Gipfel, auf dem eine Burgruine aus Steinen der 1892 abgebrochenen Festung Rastatt gestaltet wurde. Am südwestlichen Abhang entstand eine schwarzwaldähnliche Felsenlandschaft (Alpinum) mit einem Wasserlauf, der in den an der Westseite gelegenen, durch Aushub für den Hügel entstandenen <lex id="ABCD">XYZ</lex>Schwanensee mündete. Der weitaus größere, im Süden entstandene <lex id="ABCD">XYZ</lex>Lautersee gehörte nicht zur Anlage des Stadtgartens. Hier steht seit 1913 der Karlsruher <lex id="ABCD">XYZ</lex>Hauptbahnhof. Schon vor seiner Fertigstellung war der Hügel zu einem beliebten Ausflugsziel geworden. Seit 1890 gab es um den Schwanensee eine <lex id="ABCD">XYZ</lex>Radfahrbahn (1896 stillgelegt) und am Fuß des Hügels ein Schwarzwaldhaus mit Restaurant und einen Fahrradverleih.
Auf Antrag Lauters hatte der <lex id="ins-1015">Bürgerausschuss</lex> 1892 die Mittel für die gärtnerisch-landschaftliche Gestaltung des Hügels genehmigt. Ein Wegenetz führte zum Gipfel, auf dem eine Burgruine aus Steinen der 1892 abgebrochenen Festung Rastatt gestaltet wurde. Am südwestlichen Abhang entstand eine schwarzwaldähnliche Felsenlandschaft (Alpinum) mit einem Wasserlauf, der in den an der Westseite gelegenen, durch Aushub für den Hügel entstandenen Schwanensee mündete. Der weitaus größere, im Süden entstandene <lex id="ort-0119">Lautersee</lex> gehörte nicht zur Anlage des Stadtgartens. Hier steht seit 1913 der Karlsruher <lex id="ins-1335">Hauptbahnhof</lex>. Schon vor seiner Fertigstellung war der Hügel zu einem beliebten Ausflugsziel geworden. Seit 1890 gab es um den Schwanensee eine Radfahrbahn (1896 stillgelegt) und am Fuß des Hügels ein Schwarzwaldhaus mit Restaurant und einen Fahrradverleih.


Regelmäßig veranstaltete die <lex id="ABCD">XYZ</lex>Feuerwehr auf dem Lauterberg zu Geburtstagen von Kaiser und Großherzog ein Kanonen-Salutschießen. Durch die Erschütterungen ereignete sich dabei im September 1900 nach 40-maligem Kanonendonner ein starker Erdrutsch, der zur Sperrung der Berges bis 1902 führte. Im <lex id="ABCD">XYZ</lex>Zweiten Weltkrieg wurde der Wasserbehälter durch Bombeneinschläge bei <lex id="ABCD">XYZ</lex>Luftangriffen zwar beschädigt, blieb aber funktionsfähig. Auf dem Gipfel führte der Einsatz der dort stationierten Flak zu Rissen im Fundament der Burgruine, deren Bergfried 1958 abgetragen werden musste und 1959 durch eine Aussichtsplattform ersetzt wurde. Anstelle des ebenfalls kriegsgeschädigten Schwarzwaldhauses eröffneten 1955 die bewirteten Milchterrassen.
Regelmäßig veranstaltete die <lex id="ins-1909">Feuerwehr</lex> auf dem Lauterberg zu Geburtstagen von Kaiser und Großherzog ein Kanonen-Salutschießen. Durch die Erschütterungen ereignete sich dabei im September 1900 nach 40-maligem Kanonendonner ein starker Erdrutsch, der zur Sperrung der Berges bis 1902 führte. Im <lex id="ereig-0074">Zweiten Weltkrieg</lex> wurde der Wasserbehälter durch Bombeneinschläge bei <lex id="ereig-0037">Luftangriffen</lex> zwar beschädigt, blieb aber funktionsfähig. Auf dem Gipfel führte der Einsatz der dort stationierten Flak zu Rissen im Fundament der Burgruine, deren Bergfried 1958 abgetragen werden musste und 1959 durch eine Aussichtsplattform ersetzt wurde. Anstelle des ebenfalls kriegsgeschädigten Schwarzwaldhauses eröffneten 1955 die bewirteten Milchterrassen.


Im Jahr der <lex id="ABCD">XYZ</lex>Bundesgartenschau 1967 endete mit der Inbetriebnahme des Hochbehälters Luß die Funktion des Reservoirs im Lauterberg. Es diente bis 1977 noch als Reservebehälter für den Stadtgarten und wurde dann zur Sicherung gegen Durchrostung mit Schaumbeton verfüllt. Zur Bundesgartenschau gab man das nach 1945 nur notdürftig reparierte Alpinum samt den Zugangswegen auf. Seit 1983 existiert ein von der Ortsgruppe des <lex id="ABCD">XYZ</lex>Vogelschutzbundes eingerichteter Vogelschutzlehrpfad auf den Lauterberg. 1997 fanden wieder Arbeiten zur Sicherung der Hänge und der Wege sowie der Umfassungsmauern der ehemaligen Ruine auf dem Gipfel statt. Dort entstand 2023 um die Aussichtsplattform eine Kinderturnwelt.
Im Jahr der <lex id="ereig-0167">Bundesgartenschau</lex> 1967 endete mit der Inbetriebnahme des Hochbehälters Luß die Funktion des Reservoirs im Lauterberg. Es diente bis 1977 noch als Reservebehälter für den Stadtgarten und wurde dann zur Sicherung gegen Durchrostung mit Schaumbeton verfüllt. Zur Bundesgartenschau gab man das nach 1945 nur notdürftig reparierte Alpinum samt den Zugangswegen auf. Seit 1983 existiert ein von der Ortsgruppe des Vogelschutzbundes eingerichteter Vogelschutzlehrpfad auf den Lauterberg. 1997 fanden wieder Arbeiten zur Sicherung der Hänge und der Wege sowie der Umfassungsmauern der ehemaligen Ruine auf dem Gipfel statt. Dort entstand 2023 um die Aussichtsplattform eine Kinderturnwelt.


<div style="text-align:right;">''Manfred Koch 2024''</div>
<div style="text-align:right;">''Manfred Koch 2024''</div>

Aktuelle Version vom 24. Januar 2025, 11:57 Uhr


Lauterberg

Der Kessel des Hochreservoirs im Bau, um 1891, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIIIc 195.
Der Kessel des Hochreservoirs im Bau, um 1891, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIIIc 195.
Der Lauterberg um 1896, Foto: Theodor Schumann & Sohn, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIIIc 229.
Der Lauterberg um 1896, Foto: Theodor Schumann & Sohn, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIIIc 229.
Stadtgarten mit Schwarzwaldhaus und Lauterberg um 1900, Stadtarchiv Karlsruhe XIIIc 77.
Stadtgarten mit Schwarzwaldhaus und Lauterberg um 1900, Stadtarchiv Karlsruhe XIIIc 77.

Der Lauterberg in Karlsruhe war bis zur Eingemeindung Durlachs 1938 mit 153,6 Metern über NN die höchste Erhebung in der Stadt. Er überragt den Marktplatz um 38,7 Meter und ist um 103,6 Meter niedriger als der Durlacher Turmberg.

Der 1889 bis 1893 künstlich geschaffene Hügel verdankt seine Entstehung der Notwendigkeit, für die rasch wachsende Bevölkerung am Ende des 19. Jahrhunderts die Wasserversorgung auch in den höheren Etagen der Wohnhäuser sicher zu stellen. Dafür sollte anstelle des Wasserturms im Durlacher Wald und des Hochbehälters am heutigen Archivplatz ein neuer leistungsfähigerer Hochbehälter gebaut werden. Statt eines technischen Bauwerks schlug der Chef der Gas- und Wasserwerke Franz Reichard, unterstützt von Oberbürgermeister Wilhelm Lauter vor, einen künstlichen Hügel mit einem stählernen Behälter für 3,2 Millionen Liter Wasser im Inneren zu errichten. Entstehen solle der Hügel südöstlich des Tier- und Stadtgartens, der damit um eine Attraktion bereichert wurde, woran OB Lauter besonders gelegen war. Im Juni 1893 wurde das Wasserreservoir in Betrieb genommen und der Hügel nach dem 1892 verstorbenen Oberbürgermeister Lauterberg benannt.

Auf Antrag Lauters hatte der Bürgerausschuss 1892 die Mittel für die gärtnerisch-landschaftliche Gestaltung des Hügels genehmigt. Ein Wegenetz führte zum Gipfel, auf dem eine Burgruine aus Steinen der 1892 abgebrochenen Festung Rastatt gestaltet wurde. Am südwestlichen Abhang entstand eine schwarzwaldähnliche Felsenlandschaft (Alpinum) mit einem Wasserlauf, der in den an der Westseite gelegenen, durch Aushub für den Hügel entstandenen Schwanensee mündete. Der weitaus größere, im Süden entstandene Lautersee gehörte nicht zur Anlage des Stadtgartens. Hier steht seit 1913 der Karlsruher Hauptbahnhof. Schon vor seiner Fertigstellung war der Hügel zu einem beliebten Ausflugsziel geworden. Seit 1890 gab es um den Schwanensee eine Radfahrbahn (1896 stillgelegt) und am Fuß des Hügels ein Schwarzwaldhaus mit Restaurant und einen Fahrradverleih.

Regelmäßig veranstaltete die Feuerwehr auf dem Lauterberg zu Geburtstagen von Kaiser und Großherzog ein Kanonen-Salutschießen. Durch die Erschütterungen ereignete sich dabei im September 1900 nach 40-maligem Kanonendonner ein starker Erdrutsch, der zur Sperrung der Berges bis 1902 führte. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Wasserbehälter durch Bombeneinschläge bei Luftangriffen zwar beschädigt, blieb aber funktionsfähig. Auf dem Gipfel führte der Einsatz der dort stationierten Flak zu Rissen im Fundament der Burgruine, deren Bergfried 1958 abgetragen werden musste und 1959 durch eine Aussichtsplattform ersetzt wurde. Anstelle des ebenfalls kriegsgeschädigten Schwarzwaldhauses eröffneten 1955 die bewirteten Milchterrassen.

Im Jahr der Bundesgartenschau 1967 endete mit der Inbetriebnahme des Hochbehälters Luß die Funktion des Reservoirs im Lauterberg. Es diente bis 1977 noch als Reservebehälter für den Stadtgarten und wurde dann zur Sicherung gegen Durchrostung mit Schaumbeton verfüllt. Zur Bundesgartenschau gab man das nach 1945 nur notdürftig reparierte Alpinum samt den Zugangswegen auf. Seit 1983 existiert ein von der Ortsgruppe des Vogelschutzbundes eingerichteter Vogelschutzlehrpfad auf den Lauterberg. 1997 fanden wieder Arbeiten zur Sicherung der Hänge und der Wege sowie der Umfassungsmauern der ehemaligen Ruine auf dem Gipfel statt. Dort entstand 2023 um die Aussichtsplattform eine Kinderturnwelt.

Manfred Koch 2024

Quellen

Stadt AK 1/H-Reg 4514 und 12136; Reichard: Die Wasserversorgung, in: Reinhard Baumeister (Hrsg.): Hygienischer Führer durch die Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe. Festschrift zur XXII. Versammlung des deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege, Karlsruhe 1897, S. 113-119, https://digital.blb-karlsruhe.de/blbihd/content/titleinfo/2950514; Fotogalerie | Neue Kinderturnwelt auf dem Lauterberg im Karlsruher Zoo - meinKA, https://meinka.de/galerie/kinderturnwelt-lauterberg-zoo-karlsru (Zugriffe jeweils am 9. Januar 2025).

Literatur

Uta Schmitt: Der Stadtgarten in Karlsruhe, Karlsruhe 2007 (= Häuser und Baugeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 6).