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Die Literarische Gesellschaft (Scheffelbund) Karlsruhe e. V. ist ein literarischer Verein in Karlsruhe, der mit etwa 7.000 Mitgliedern der größte seiner Art in Mitteleuropa ist. Er wurde am 13. September 1924 unter dem Namen Deutscher Scheffel-Bund in Heidelberg gegründet. Erster Vorsitzender war der Heidelberger Germanist Friedrich Panzer. Die Geschäftstelle wurde gleich in Karlsruhe angesiedelt, während als symbolische Vereinssitz bis in die 1930er-Jahre der Hohentwiel, Ort des Romans Ekkehard, gewählt wurde. Geschäftsführer wurde 1925 Reinhold Siegrist (1899-1966), Sohn des Karlsruher <lex id="ins-1014">Oberbürgermeisters</lex> <lex id="bio-0026">Karl Siegrist</lex>. Siegrist übte dieses Amt bis zu seinem Tode am 7. Oktober 1966 aus. Ziele des Vereins waren die Nachlasspflege des Schriftstellers <lex id="bio-0292">Joseph Viktor von Scheffel</lex> sowie die Einrichtung eines <lex id="ins-0805">Scheffel-Archivs</lex> |
Die Literarische Gesellschaft (Scheffelbund) Karlsruhe e. V. ist ein literarischer Verein in Karlsruhe, der mit etwa 7.000 Mitgliedern der größte seiner Art in Mitteleuropa ist. Er wurde am 13. September 1924 unter dem Namen Deutscher Scheffel-Bund in Heidelberg gegründet. Erster Vorsitzender war der Heidelberger Germanist Friedrich Panzer 1924 bis 1938. Die Geschäftstelle wurde gleich in Karlsruhe angesiedelt, während als symbolische Vereinssitz bis in die 1930er-Jahre der Hohentwiel, Ort des Romans Ekkehard, gewählt wurde. Geschäftsführer wurde 1925 Reinhold Siegrist (1899-1966), Sohn des Karlsruher <lex id="ins-1014">Oberbürgermeisters</lex> <lex id="bio-0026">Karl Siegrist</lex>. Siegrist übte dieses Amt bis zu seinem Tode am 7. Oktober 1966 aus. Ziele des Vereins waren die Nachlasspflege des Schriftstellers <lex id="bio-0292">Joseph Viktor von Scheffel</lex> sowie die Einrichtung bzw. der Ausbau eines <lex id="ins-0805">Scheffel-Archivs</lex> und eines deutschen <lex id="ins-0830">Scheffel-Museums</lex> - beide waren zunächst beim <lex id="ins-0806">Stadtarchiv</lex> bzw. den <lex id="ins-1503">Stadtgeschichtlichen Sammlungen</lex> seit 1914 vorbereitet bzw. angesiedelt - und die Herausgabe von Jahresschriften, die vor allem aus bisher unveröffentlichten Werken Scheffels bestanden. Seit 1928 vergibt der Verein den <lex id="ins-0609">Scheffel-Preis</lex> für die beste Abiturleistung im Fach Deutsch. |
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1926 zog der Scheffel-Bund um. Zusammen mit dem im selben Jahr eröffneten Scheffel-Museum befand er sich im Bibliotheksbau des Karlsruher <lex id="top-2450">Schlosses</lex>. 1932 wurden Scheffel-Bund und -Museum ins <lex id="top-1135">Haus Solms</lex> in der <lex id="top-0361">Bismarckstraße</lex> 24 verlegt. 1936 erfolgte die thematische Erweiterung des Museums zum Badischen Dichtermuseum. Erstmals fand ein Treffen der Scheffelpreisträger statt. 1939 wurde der Scheffelbund |
1926 zog der Scheffel-Bund um. Zusammen mit dem im selben Jahr eröffneten Scheffel-Museum befand er sich im Bibliotheksbau des Karlsruher <lex id="top-2450">Schlosses</lex>. 1932 wurden Scheffel-Bund und -Museum ins <lex id="top-1135">Haus Solms</lex> in der <lex id="top-0361">Bismarckstraße</lex> 24 verlegt. Nach der <lex id="ereig-0111">Machtübertragung</lex> an die <lex id="ereig-0016">Nationalsozialisten</lex> wurde der Bund <lex id="ereig-0264">gleichgeschaltet</lex>. In der Mitgliederversammlung am 8. Dezember 1933 trat der gesamte Vorstand, wie im Gleichschaltungsprozess vorgesehen, zurück. Der Gründungsvor-sitzende, der Heidelberger Germanist Friedrich Panzer, wurde anschließend vom badischen Minister des Kultus und Unterichts <lex id="bio-1103">Otto Wacker</lex> zum neuen "Bundesführer" ernannt. Der neue Bundesführer berief seinerseits den zum Ministerialrat und Leiter der Hochschulabteilung im badischen Kultusministerium aufgestiegenen Volkskundler Eugen Fehrle, seit 1931 Mitglied der <lex id="ins-0324">Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP)</lex>, zu seinem Stellvertreter. 1936 erfolgte die brereits Ende 1933 beschlossene thematische Erweiterung des Museums zum Badischen Dichtermuseum, die bereits 1919 im Gespräch war vom Scheffelbund seit seiner Gründung als wesentliche Aufgabe angesehen wurde. Erstmals fand ein Treffen der Scheffelpreisträger statt. 1939 wurde der Scheffelbund in das Reichswerk Buch und Volk aufgenommen, dessen Aufgabe es war, "im völkischen Sinne durch die die Pflege deutschen Geistestums " kulturelle Arbeit zu leisten. Der Bund führte seitdem den Namenszusatz "im Reichswerk Buch und Volk". Vorgesehen war nun eine Umgestalltung in ein Museum der Dichter und Dichtung am Oberrhein. Bundesleiter war seit 1938 der Direktor der Karlsruher Lebensversicherung <lex id="bio-2719"> Adolf Franz Samwer</lex>, seit 1936 Mitglied der <lex id="ins-0324">Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP)</lex>. Der Bund firmierte nun mit der Kopfzeile "Pflege deutschen Geistes in Leben und Dichtung". Neue Ortsgruppen entstanden nun auch im annektierten Elsass, in "Kolmar, Mühlhausen und Straßburg", ganz im Sinne der "Germansierungspolitik" des badischen Gauleiters <lex id="bio-0064">Robert Wagner</lex>, ohne dass der Bund aggressiv öffentlich dafür warb und auch in Akten keine diesbezüglichen Äußerungen zu finden sind. 1944 musste die Verleihung des Scheffelpreises kriegsbedingt eingestellt werden. Die Bestände des Archivs und des Museums waren im <lex id="ereig-0074">Zweiten Weltkrieg</lex> rechtzeitig ausgelagert worden und blieben weitgehend unversehrt. |
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Nach Kriegsende |
Nach Kriegsende erfolgte erhielt der Bund noch im Jahr 1945 von der amerikanischen besatzungsmacht die Zulassung. Ende des Jahres erfolgte die Umbenennung des Vereins in Volksbund für Dichtung vorm. Scheffelbund. Im Januar 1946 veranstaltete der Bund wieder öffentliche Dichterstunden. 1965 zog er in die <lex id="top-2345">Röntgenstraße</lex> 6, wo auch das neu gestaltete Museum, nun Oberrheinisches Dichtermuseum genannt, wiedereröffnet wurde. Ein Jahr später übernahm Prof. Friedrich Bentmann die Geschätsführung. 1972 benannte sich der Verein nach zunehmender Kritik an der Bezeichnung Volksbund abermals um, diesmal in den noch heute bestehenden Namen. Neue Geschäftsführerin wurde 1977 Beatrice Steiner, 1989 folgte ihr Dieter Vogt. |
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Seit 1998 ist der Sitz der Literarischen Gesellschaft das Karlsruher <lex id="ins-1241">Prinz-Max-Palais</lex>. Die Einrichtung ist Trägerin des Museums für Literatur am Oberrhein, der Oberrheinischen Bibliothek sowie des Oberrheinischen Literaturarchivs und veranstaltet regelmäßig Lesungen, Vorträge, Kolloquien und Tagungen. 1994 hat das Museum mit der rheinschrift eine eigene Buchreihe begründet. Seit |
Seit 1998 ist der Sitz der Literarischen Gesellschaft das Karlsruher <lex id="ins-1241">Prinz-Max-Palais</lex>. Die Einrichtung ist Trägerin des Museums für Literatur am Oberrhein, der Oberrheinischen Bibliothek sowie des Oberrheinischen Literaturarchivs und veranstaltet regelmäßig Lesungen, Vorträge, Kolloquien und Tagungen. 1994 hat das Museum mit der rheinschrift eine eigene Buchreihe begründet. Seit 2003 gibt die Gesellschaft die Literaturzeitschrift allmende heraus. Ein Jahr später wird das Oberrheinische Dichtermusuem in Museum für Literatur am Oberrhein umbenannt. Seit 2004 betreut die Literarische Gesellschaft den <lex id="ins-1537 |
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">Hermann-Hesse-Literaturpreis</lex>. |
">Hermann-Hesse-Literaturpreis</lex>. |
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''René Gilbert 2014/Ernst Otto Bräunche 2025'' |
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==Quellen== |
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Website der Literarischen Gesellschaft https://web4.karlsruhe.de/Kultur/MLO/ ( |
Karlsruher Zeitungen https://digital.blb-karlsruhe.de/topic/view/7756828; Website der Literarischen Gesellschaft https://web4.karlsruhe.de/Kultur/MLO/ (Zugriffe am 12. März 2025); StadtAK 1/H-Reg 1884, 1890, 2918, 9299, 9301, 9304; 8/StS 20/506, 523, 1055; Reichswerk Buch und Volk. Deutscher Scheffelbund E. V. Leistungen und Ziel, o. O. [Karlsruhe] o. J. [1941], in StadtAK 1/H-Reg 2918. |
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==Literatur== |
==Literatur== |
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Matthias Kußmann: 70 Jahre Literarische Gesellschaft (Scheffelbund) Karlsruhe 1924-1994, Eggingen 1994; Jürgen Oppermann: 100 Jahre Literarische Gesellschaft in Karlsruhe, in: Badische Heimat Heft 2 2024, S. 323-327 |
Matthias Kußmann: 70 Jahre Literarische Gesellschaft (Scheffelbund) Karlsruhe 1924-1994, Eggingen 1994; Jürgen Oppermann: 100 Jahre Literarische Gesellschaft in Karlsruhe, in: Badische Heimat Heft 2 2024, S. 323-327. |
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Aktuelle Version vom 20. März 2025, 11:49 Uhr
Literarische Gesellschaft (Scheffelbund)
Die Literarische Gesellschaft (Scheffelbund) Karlsruhe e. V. ist ein literarischer Verein in Karlsruhe, der mit etwa 7.000 Mitgliedern der größte seiner Art in Mitteleuropa ist. Er wurde am 13. September 1924 unter dem Namen Deutscher Scheffel-Bund in Heidelberg gegründet. Erster Vorsitzender war der Heidelberger Germanist Friedrich Panzer 1924 bis 1938. Die Geschäftstelle wurde gleich in Karlsruhe angesiedelt, während als symbolische Vereinssitz bis in die 1930er-Jahre der Hohentwiel, Ort des Romans Ekkehard, gewählt wurde. Geschäftsführer wurde 1925 Reinhold Siegrist (1899-1966), Sohn des Karlsruher Oberbürgermeisters Karl Siegrist. Siegrist übte dieses Amt bis zu seinem Tode am 7. Oktober 1966 aus. Ziele des Vereins waren die Nachlasspflege des Schriftstellers Joseph Viktor von Scheffel sowie die Einrichtung bzw. der Ausbau eines Scheffel-Archivs und eines deutschen Scheffel-Museums - beide waren zunächst beim Stadtarchiv bzw. den Stadtgeschichtlichen Sammlungen seit 1914 vorbereitet bzw. angesiedelt - und die Herausgabe von Jahresschriften, die vor allem aus bisher unveröffentlichten Werken Scheffels bestanden. Seit 1928 vergibt der Verein den Scheffel-Preis für die beste Abiturleistung im Fach Deutsch.
1926 zog der Scheffel-Bund um. Zusammen mit dem im selben Jahr eröffneten Scheffel-Museum befand er sich im Bibliotheksbau des Karlsruher Schlosses. 1932 wurden Scheffel-Bund und -Museum ins Haus Solms in der Bismarckstraße 24 verlegt. Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten wurde der Bund gleichgeschaltet. In der Mitgliederversammlung am 8. Dezember 1933 trat der gesamte Vorstand, wie im Gleichschaltungsprozess vorgesehen, zurück. Der Gründungsvor-sitzende, der Heidelberger Germanist Friedrich Panzer, wurde anschließend vom badischen Minister des Kultus und Unterichts Otto Wacker zum neuen "Bundesführer" ernannt. Der neue Bundesführer berief seinerseits den zum Ministerialrat und Leiter der Hochschulabteilung im badischen Kultusministerium aufgestiegenen Volkskundler Eugen Fehrle, seit 1931 Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), zu seinem Stellvertreter. 1936 erfolgte die brereits Ende 1933 beschlossene thematische Erweiterung des Museums zum Badischen Dichtermuseum, die bereits 1919 im Gespräch war vom Scheffelbund seit seiner Gründung als wesentliche Aufgabe angesehen wurde. Erstmals fand ein Treffen der Scheffelpreisträger statt. 1939 wurde der Scheffelbund in das Reichswerk Buch und Volk aufgenommen, dessen Aufgabe es war, "im völkischen Sinne durch die die Pflege deutschen Geistestums " kulturelle Arbeit zu leisten. Der Bund führte seitdem den Namenszusatz "im Reichswerk Buch und Volk". Vorgesehen war nun eine Umgestalltung in ein Museum der Dichter und Dichtung am Oberrhein. Bundesleiter war seit 1938 der Direktor der Karlsruher Lebensversicherung Adolf Franz Samwer, seit 1936 Mitglied der Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP). Der Bund firmierte nun mit der Kopfzeile "Pflege deutschen Geistes in Leben und Dichtung". Neue Ortsgruppen entstanden nun auch im annektierten Elsass, in "Kolmar, Mühlhausen und Straßburg", ganz im Sinne der "Germansierungspolitik" des badischen Gauleiters Robert Wagner, ohne dass der Bund aggressiv öffentlich dafür warb und auch in Akten keine diesbezüglichen Äußerungen zu finden sind. 1944 musste die Verleihung des Scheffelpreises kriegsbedingt eingestellt werden. Die Bestände des Archivs und des Museums waren im Zweiten Weltkrieg rechtzeitig ausgelagert worden und blieben weitgehend unversehrt.
Nach Kriegsende erfolgte erhielt der Bund noch im Jahr 1945 von der amerikanischen besatzungsmacht die Zulassung. Ende des Jahres erfolgte die Umbenennung des Vereins in Volksbund für Dichtung vorm. Scheffelbund. Im Januar 1946 veranstaltete der Bund wieder öffentliche Dichterstunden. 1965 zog er in die Röntgenstraße 6, wo auch das neu gestaltete Museum, nun Oberrheinisches Dichtermuseum genannt, wiedereröffnet wurde. Ein Jahr später übernahm Prof. Friedrich Bentmann die Geschätsführung. 1972 benannte sich der Verein nach zunehmender Kritik an der Bezeichnung Volksbund abermals um, diesmal in den noch heute bestehenden Namen. Neue Geschäftsführerin wurde 1977 Beatrice Steiner, 1989 folgte ihr Dieter Vogt.
Seit 1998 ist der Sitz der Literarischen Gesellschaft das Karlsruher Prinz-Max-Palais. Die Einrichtung ist Trägerin des Museums für Literatur am Oberrhein, der Oberrheinischen Bibliothek sowie des Oberrheinischen Literaturarchivs und veranstaltet regelmäßig Lesungen, Vorträge, Kolloquien und Tagungen. 1994 hat das Museum mit der rheinschrift eine eigene Buchreihe begründet. Seit 2003 gibt die Gesellschaft die Literaturzeitschrift allmende heraus. Ein Jahr später wird das Oberrheinische Dichtermusuem in Museum für Literatur am Oberrhein umbenannt. Seit 2004 betreut die Literarische Gesellschaft den Hermann-Hesse-Literaturpreis.
René Gilbert 2014/Ernst Otto Bräunche 2025
Quellen
Karlsruher Zeitungen https://digital.blb-karlsruhe.de/topic/view/7756828; Website der Literarischen Gesellschaft https://web4.karlsruhe.de/Kultur/MLO/ (Zugriffe am 12. März 2025); StadtAK 1/H-Reg 1884, 1890, 2918, 9299, 9301, 9304; 8/StS 20/506, 523, 1055; Reichswerk Buch und Volk. Deutscher Scheffelbund E. V. Leistungen und Ziel, o. O. [Karlsruhe] o. J. [1941], in StadtAK 1/H-Reg 2918.
Literatur
Matthias Kußmann: 70 Jahre Literarische Gesellschaft (Scheffelbund) Karlsruhe 1924-1994, Eggingen 1994; Jürgen Oppermann: 100 Jahre Literarische Gesellschaft in Karlsruhe, in: Badische Heimat Heft 2 2024, S. 323-327.