Menü
Suche

De:Lexikon:bio-2202: Unterschied zwischen den Versionen

(Die Seite wurde neu angelegt: „{{DISPLAYTITLE:Friedrich Hermann Senff}} =Friedrich Hermann Senff= Betriebsleiter, Parfumeur, <lex id="ins-0411">Stahlhelmführer</lex>, ⃰ 23. August 1894 Arnstadt/Thüringen, † 19. Dezember 1985 Karlsruhe, ∞ 10. September 1917 Olga Emma Bieling.<br/ ><br/ > Der aus einem konservativen Elternhaus stammende Sohn eines Apothekers, Friedrich Hermann Senff, der seinen Vater später als "aufrichtigen Patriot" und "Verehrer und Anhänger Bismarcks" beze…“)
 
 
Zeile 3: Zeile 3:
=Friedrich Hermann Senff=
=Friedrich Hermann Senff=


Betriebsleiter, Parfumeur, <lex id="ins-0411">Stahlhelmführer</lex>, ⃰ 23. August 1894 Arnstadt/Thüringen, † 19. Dezember 1985 Karlsruhe, ∞ 10. September 1917 Olga Emma Bieling.<br/ ><br/ >
Betriebsleiter, Parfumeur, <lex id="ins-0411">Stahlhelmführer</lex>, ⃰ 23. August 1894 Arnstadt/Thüringen, † 19. Dezember 1985 Karlsruhe, ∞ 10. September 1917 Olga Emma Bieling.<br/ ><br/ >
Der aus einem konservativen Elternhaus stammende Sohn eines Apothekers, Friedrich Hermann Senff, der seinen Vater später als "aufrichtigen Patriot" und "Verehrer und Anhänger Bismarcks" bezeichnete, besuchte von 1900 bis 1903 die Volksschule Arnstadt und von 1903 bis 1913 das Humanistische Gymnasium Arnstadt, das er mit dem Abitur abschloss. 1913 wurde er Offizieranwärter, den Kriegsdienst im <lex id="ereig-0068">Ersten Weltkrieg</lex> beendete er als Oberleutnant. 1919/20 besuchte er die Universität Berlin und die Handelsschule Berlin ohne Abschluss. Seit März 1920 wohnte er in Karlsruhe, wo sein Vater ihm eine Lehrstelle bei der Firma <lex id="ins-0041">Wolff & Sohn</lex> vermittelt hatte, mit deren Geschäftsführer er seit Beginn seiner beruflichen Tätigkeit in Baden-Baden befreundet war. 1925 wurde er dort Betriebsleiter.
Der aus einem konservativen Elternhaus stammende Sohn eines Apothekers, Friedrich Hermann Senff, der seinen Vater später als "aufrichtigen Patriot" und "Verehrer und Anhänger Bismarcks" bezeichnete, besuchte von 1900 bis 1903 die Volksschule Arnstadt und von 1903 bis 1913 das Humanistische Gymnasium Arnstadt, das er mit dem Abitur abschloss. 1913 wurde er Offizieranwärter, den Kriegsdienst im <lex id="ereig-0068">Ersten Weltkrieg</lex> beendete er als Oberleutnant. 1919/20 besuchte er die Universität Berlin und die Handelsschule Berlin ohne Abschluss. Seit März 1920 wohnte er in Karlsruhe, wo sein Vater ihm eine Lehrstelle bei der Firma <lex id="ins-0041">Wolff & Sohn</lex> vermittelt hatte, mit deren Geschäftsführer er seit Beginn seiner beruflichen Tätigkeit in Baden-Baden befreundet war. 1925 wurde er dort Betriebsleiter.



Aktuelle Version vom 11. Mai 2026, 10:20 Uhr


Friedrich Hermann Senff

Betriebsleiter, Parfumeur, Stahlhelmführer, ⃰ 23. August 1894 Arnstadt/Thüringen, † 19. Dezember 1985 Karlsruhe, ∞ 10. September 1917 Olga Emma Bieling.

Der aus einem konservativen Elternhaus stammende Sohn eines Apothekers, Friedrich Hermann Senff, der seinen Vater später als "aufrichtigen Patriot" und "Verehrer und Anhänger Bismarcks" bezeichnete, besuchte von 1900 bis 1903 die Volksschule Arnstadt und von 1903 bis 1913 das Humanistische Gymnasium Arnstadt, das er mit dem Abitur abschloss. 1913 wurde er Offizieranwärter, den Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg beendete er als Oberleutnant. 1919/20 besuchte er die Universität Berlin und die Handelsschule Berlin ohne Abschluss. Seit März 1920 wohnte er in Karlsruhe, wo sein Vater ihm eine Lehrstelle bei der Firma Wolff & Sohn vermittelt hatte, mit deren Geschäftsführer er seit Beginn seiner beruflichen Tätigkeit in Baden-Baden befreundet war. 1925 wurde er dort Betriebsleiter.

Senff trat nun der rechtskonservativen Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und dem Deutschen Offizierbund bei. Im Dezember 1924 trat er dem Stahlhelm, der paramilitärischen Organisation der DNVP bei und machte dort Karriere. 1925 wurde er Kameradschaftsführer, 1927 Ortsgruppenführer (300-500 Mitglieder), 1931 Gauführer von Mittelbaden. Senff mied allerdings öffentliche Auftritte. Mit dem Stahlhelm wurde er in die Reserve der Sturmabteilung (SA) der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) überführt. Nach dem so genannten "Röhmputsch" zog er sich allerdings aus der SA zurück. Ein 1934 in der Zeit des Aufnahmestopps gestellter Aufnahmeantrag in die NSDAP blieb ohne Entscheidung, als nach dem Erlass der Nürnberger Gesetze klar wurde, dass sein 1928 verstorbenen Vater jüdischer Herkunft war. Nur eine Intervention bei Gauleiter Robert Wagner soll verhindert haben, ihn auf Drängen der Deutschen Arbeitsfront (DAF), der er von 1933 bis 1945 angehörte, bei Wolff & Sohn, wo er 1934 bis 1938 dem Vertrauensrat angehörte, zu entlassen. Sein 1937 gestelltes Entlassungsgesuch aus der SA, wurde bewilligt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war er zunächst an der Wiedereröffnung von Wolff & Sohn am 4. Juni 1945 beteiligt, ehe er am 5. Oktober auf Anordnung der Amerikaner entlassen, Ende Oktober verhaftet und im Gefängnis Karlsruhe inhaftiert wurde, von wo aus er in das Internierungslager Ludwigsburg kam. Im auf den 7. Februar 1947 anberaumten Spruchkammerverfahren wurde die Einstufung als Hauptbelasteter beantragt, heraus kam die Einstufung als Minderbelasteter und eine Sühnezahlung von 1.800 RM, die 1950 auf ein Gnadengesuch hin noch einmal reduziert wurde.

Ernst Otto Bräunche 2026

Quellen

GLA 465h/54281; Karlsruher Zeitungen, https://digital.blb-karlsruhe.de/zeitungen/topic/view/7756828 (Zugriff am 16. Februar 2026).