Karl Jacob Wegele
Pädagoge, Oberstudienrat, Fußballnationalspieler, * 27. September 1887 Karlsruhe, † 11. November 1960 Karlsruhe, ∞ 14. Januar 1922 Anna Barbara Hauck.
Karl Wegele, Sohn des Kaufmanns, war der erfolgreichste Nationalspieler des FC Phönix Karlsruhe und galt als einer der besten Rechtsaußen seiner Zeit. Nach dem Besuch der Seminar-Vorschule 1893-1897 und der Oberrealschule, heute Helmholtzgymnasium, legte er dort 1906 das Abitur ab. Danach studierte er an der Universität Heidelber und der Technischen Hochschule Karlsruhe.Die Prüfung für das Wissenschaftliche Lehramt an höheren Schulen bestand er in den Hauptfächern Mathematik und Physik sowie den Nebenfächern Chemie und Mineralogie am 24.April 1912. Am 24. des Monats trat er als Lehramstpraktikant in den badischen Staatsdienst.
Schon als Schüler und dann als Student spielte Wegele seit 1902 für den FC Phönix und war Mitglied der Meistermannschaft von 1909. Ein Jahr später trat er zum ersten Mal in der Nationalmannschaft gegen die Schweiz an. Sein letztes und fünfzehntes Länderspiel war auch das letzte Länderspiel vor dem Ersten Weltkrieg. Wegele schoss am 5. April 1914 beim 4:4 gegen Holland den Ausgleich und eines seiner drei Länderspieltore. Der Krieg beendete seine Karriere als Nationalspieler. Wegele leistete von 1914 bis 1918 Kriegsdienst beim Landwehr Infanterie Regiment 109 und kämpfte unter anderem vor Verdun. Mehrfach wurde er ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse, dem Ritterkreuz II. Klasse des Ordens vom Zähringerlöwen, dem Ehrenkreuz für Frontkämpfer und dem Abzeichen für Verwundete in Silber.
Nach dem Ersten Weltkrieg spielte er noch einige Jahre für den FC Phönix und stand 1922 neben Sepp Herberger, der damals sein erstes Spiel für Süddeutschland bestritt, auf dem Platz des Karlsruher Fußballvereins in der Siegerelf über Norddeutschland. In den 1930er-Jahren war Wegele, der am 1. Mai 1933 der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) beitrat, als Trainer (1932 - 1938) und Vorsitzender für den FC Phönix tätig und half dem Klub so entscheidend aus der Krise. In seinem Entnazifizierungsverfahren gab er an, der NSDAP nur beigetreten zu sein, um weiterhin Vorsitzender des FC Phönix-Alemannia bleiben zu können. Wegele war seit 1920 Lehrer mit dem Professorentitel an der Kantschule. 1933 war Wegele auch dem Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) beigetreten, dessen Vertrauensmann er 1936 auf Drängen des Direktors, laut Entnazifierungsakte "eines Antifaschisten", der Wegele als einen Lehrer schätzte, der nicht im Sinne der NSDAP Propagnada betrieb. Wegen dieser Mitgliedschaften wurde Wegele auf Anordnung der Militärregierung am 14. Juni 1946 entlassen und erst am 10. Februar 1948 nach seiner Einstufung als Mitläufer wieder eingestellt. Ein Jahr nach dem regulären Pensionzeitpunkt ging Wegele als Oberstudienrat 1953 in den Ruhestand.
Auch im Karlsruher Eislauf- und Tennisvereins 1911 (KETV), dem er seit 1921 angehörte, engagierte sich Wegele und fungierte dort häufig als Turnierleiter. Seit 1924 gab er Jugendlichen ehrenamtlich Tennisunterricht 1931 gründete er mit seiner Frau Anni eine Juniorenabteilung. Dem Vereinsvorstand gehörte er mehr als 20 Jahre an. Beide wurden 1948 Ehrenmitglieder des Vereins. 1946/1947 übermahm er noch einnmal das Traineramt des FC Phönix, dessen Niedergang er aber nicht verhindern konnte. Karl Wegele hatte aber wesentlich zum Ruf Karlsruhes als Hochburg des frühen Fußballs in Deutschlands und den Erfolgen des FC Phönix beigetragen. Bis in die 1990-er Jahre blieb er der Karlsruher Rekordnationalspieler.
Quellen
GLA 235, Nr. 4833; Karlsruher Zeitungen https://digital.blb-karlsruhe.de/topic/view/7756828 (Zugriff am 13. August 2025).
Literatur
Ernst Otto Bräunche: Fußballhochburg Karlsruhe, in: Sport in Karlsruhe. Von den Anfängen bis heute, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe durch Ernst Otto Bräunche und Volker Steck, Karlsruhe 2006, S. 168-218, S. 197 f. (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 28); Karl Wegele, in: Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Wegele (Zugriff am 16. Dezember 2024).
