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Kirchfeld Nord

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Kirchfeld Nord

Wikingerspielplatz im Grünzug von Kirchfeld Nord, im Hintergrund individuelle Wohnbebauung, um 2025, Foto: Monika Müller-Gmelin, Stadt Karlsruhe.
Wikingerspielplatz im Grünzug von Kirchfeld Nord, im Hintergrund individuelle Wohnbebauung, um 2025, Foto: Monika Müller-Gmelin, Stadt Karlsruhe.

Das Neubaugebiet Kirchfeld Nord entstand seit 2005 auf dem ehemaligen Kasernengelände der amerikanischen Streitkräfte, deren Bauten zwei Jahre zuvor abgerissen worden waren. Die Umnutzung (Konversion) oblag der Volkswohnung bzw. ihrer Tochtergesellschaft, der Konversionsgesellschaft Karlsruhe mbH (KGK). Der Bebauungsplan wurde in einem Wettbewerb ausgeschrieben, an dem mehrere Architekturbüros teilnahmen und der in den städtischen Gremien und in der Bürgerschaft intensiv diskutiert wurde. Das dänische Architekturbüro Tegnestuen/Vandkunsten ging schließlich als Sieger hervor und teilte das 51 Hektar große Gebiet in acht Baufelder für Wohnungsbau, Spiel- und Sportflächen, ein Gewerbegebiet und ein Mischgebiet mit Nahversorgungszentrum auf.

Im Baufeld 1 konnte das Architekturbüro seine Vorstellungen im Detail umsetzen und errichtete hier zweistöckige Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser sowie dreistöckige Mehrfamilienhäuser im "dänischen Stil" mit Flachdächern, Holzverschalungen und -Carports sowie großen Fensterflächen. Für die Erstellung von Reihenhäusern und Geschosswohnungsbauten in den anderen Baufeldern beschäftigte die Volkswohnung andere Architekten und Bauunternehmen oder überließ die Gestaltung der Wohnhäuser ganz der Beauftragung durch die Bauherren, so dass sich durch die unterschiedlichen Bauformen ein abwechslungsreiches Bild in der Siedlung ergibt.

Das Vereinsgelände des FV Fortuna Kirchfeld am Forlenweg wurde aus der Kirchfeldsiedlung in das Neubaugebiet verlegt und konnte dort beträchtlich erweitert werden, so dass diese Maßnahme auch der Infrastruktur der alten Kirchfeldsiedlung zugutekam. Auf dem ehemaligen Sportplatz der Fortuna erstrecken sich nun ebenfalls Reihenhäuser und villenartige Neubauten mit großen Grundstücken, so dass alte und neue Bebauung miteinander verzahnt sind. Im Mischgebiet an der Kreuzung Linkenheimer Landstraße und Blankenlocher Weg wurden neben einem Supermarkt, ein Seniorenheim der Karl-Friedrich-Leopold-und-Sophien-Stiftung und ein großer Wohnkomplex errichtet, der den zentralen Platz der Siedlung einrahmt, der nach dem von der Rote Armee Fraktion (RAF) ermordeten Generalbundesanwalt Siegfried Buback benannt wurde, der früher in der Kirchfeldsiedlung wohnte.

Nach einem Beschluss des Karlsruher Gemeinderats wurden auch fast alle anderen Straßen im Neubaugebiet nach bekannten Juristen benannt, um die Bedeutung Karlsruhes als Residenz des Rechts zu unterstreichen. Dazu zählen etwa die nach dem amerikanischen Präsidenten und Rechtsanwalt benannte Abraham-Lincoln-Allee, die in Fortsetzung des Blankenlocher Wegs das Neubaugebiet erschließt, oder die große Grünanlage, die parallel zum Blankenlocher Weg am Sportplatzgelände und am Gewerbegebiet vorbeiführt und die nach der Verfassungsrichterin Wiltraud Rupp von Brünneck benannt wurde. Eine Erschließungsstraße im Wohngebiet ganz in der Nähe trägt nun den Namen ihrer Vorgängerin im Amt Erna Scheffler.

Neben dem Seniorenheim in der nach dem ehemaligen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts Hermann Höpker-Aschoff benannten Straße wurde ein Kindergarten gebaut, der nicht nur den jungen Familien in der Neubausiedlung zugutekommt, sondern auch denen in der Kirchfeldsiedlung, die sich im Gefolge der Infrastrukturmaßnahmen dort niedergelassen haben und damit der Überalterung entgegenwirken. Attraktive Spielplätze in den Grünzügen von Kirchfeld Nord ergänzen dieses Angebot. Die Waldschule am Hardtwald wurde wegen der steigenden Schülerzahlen beträchtlich erweitert und auch dort entstand ein neuer Kinderhort. Der Bau des Supermarkts am Eingang von Kirchfeld Nord sowie anderer Nahversorger in der Nähe der Kirchfeldkaserne hat sich allerdings nachteilig auf die Ladenzeile in der Donauschwabenstraße ausgewirkt, die nun nahezu ausgestorben ist und daher größtenteils zu Wohnzwecken umgebaut wurde.

Im Gewerbegebiet an der nach dem Direktor des badischen Hofgerichts Johann Georg Schlosser benannten Straße haben sich vor allem Transport- und Dienstleistungsunternehmen sowie Handwerksfirmen niedergelassen. Es ist aber vom Wohngebiet durch Umzäunung abgetrennt und wird durch eine eigene Zufahrtsstraße von der L 605 her erschlossen. Wesentlich bestimmender für das Leben in der Siedlung ist das neue große Stadion des FV Fortuna Kirchfeld mit Vereinsgaststätte, das sich regelmäßig mit Besuchern füllt, wenn der Verein seine Spiele austrägt oder zu Vereinsfesten einlädt. Es trägt seit 2017 den Namen Pell-Rich-Stadion nach seinem Hauptsponsor, einer Immobilienfirma.

Seit 2015 wird das Siedlungsgebiet Kirchfeld Nord über eine Fernwärmeleitung mit Prozessabwärme der Mineralölraffinerie MIRO versorgt, die eine nahezu CO₂-freie Wärmeversorgung erlaubt. Dies wird als Beitrag zum Klimaschutz gefeiert. Ein abgezäuntes und mit einer begrünten Lärmschutzwand abgeschirmtes Gelände nördlich des Gewerbegebietes und der Siedlung wurde von der Bundeswehr von den amerikanischen Streitkräften übernommen und wird nach wie vor militärisch genutzt. Die von Anfang an geplante Anbindung des Neubaugebiets an die Straßenbahn wird derzeit durch Busverkehr ersetzt. Sie soll aber mit der Umsetzung des Bebauungsplans für das Zentrum III in Neureut realisiert werden und dann die Linie 1 aus Richtung Heide über das Neue Zentrum, den Blankenlocher Weg und die Abraham-Lincoln-Allee in das mittlerweile fast 2.000 Einwohner zählende Neubaugebiet führen.

Peter Pretsch 2026

Quellen

Bebauungsplan Kirchfeld Nord, https://geoportal.karlsruhe.de/pdf/bplan/B_813_T.pdf; Kirchfeld Nord. Porträt eines Wohngebietes, in: Daheim-Journal der Volkswohnung 03/2012, S. 4-9, 14-15, https://www.yumpu.com/de/document/view/4327178/daheimjournal-als-pdf-volkswohnung (Zugriff jeweils am 21. April 2026).

Literatur

Herbert Karl: Die Kirchfeldsiedlung. Chronik eines Stadtteils, hrsg. v. Bürgerverein Neureut-Kirchfeld Siedlergemeinschaft e. V., Karlsruhe 2012, S. 123-158.