Emil Lacroix, Foto aus: Hans Huth/Heinrich Niester: In memoriam Prof. Dr.-Ing. Emil Lacroix, in: Nachrichtenblatt der Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 8 (1965), S. 28.
Emil Lacroix (links) betrachtet mit Kollegen die aus dem Grundstein des Großherzog-Karl-Friedrich-Denkmals im Zusammenhang mit der Versetzung des Denkmals entnommenen Utensilien, 16. Juni 1964, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A11/94/3/37.

Emil August Leopold Lacroix

Kunsthistoriker, Leiter des Staatlichen Amts für Denkmalpflege Karlsruhe, * 12. Juli 1905 Karlsruhe, † 26. Januar 1965 Karlsruhe, ev., ∞ 1935 Maria Wilhelmina Stoll (1909-1996), 2 Töchter.

Emil Lacroix, Sohn eines Malermeisters gleichen Namens, studierte nach dem Abitur am Karlsruher Goethe-Gymnasium ab 1924 Bau- und Kunstgeschichte an den Technischen Hochschulen (TH) Karlsruhe, Danzig und Dresden und schloss das Studium 1929 mit der Diplomprüfung an der TH Karlsruhe ab. Anschließend erhielt Lacroix die Stelle des ersten Assistenten beim damaligen Direktor des Instituts für Kunst- und Baugeschichte der TH Karlsruhe, Karl Wulzinger, bei dem er 1931 mit einer bauhistorischen Arbeit promoviert wurde. 1935-1938 war Lacroix als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter für das Badische Landesmuseum tätig, wo er für die Bearbeitung der badischen Kunstdenkmäler verantwortlich zeichnete, die in mehreren Bänden erschienen.

Als Lacroix 1938 zum Badischen Landesamt für Denkmalpflege in Karlsruhe wechselte, setzte er diese Arbeit fort, nahm aber als außerplanmäßiger (ab 1943 planmäßiger) Konservator zugleich Aufgaben der praktischen Denkmalpflege wahr, die während des Zweiten Weltkriegs vor allem in der Bergung wertvoller historischer Glocken in der Nähe der Westfront bestanden.

Lacroix war am 1. Mai 1933 in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) und am 5. November 1933 in die SA eingetreten. Ab Oktober 1940 leistete er als Schreiber im Rang eines Obergefreiten beim Grenadier Ersatz- und Ausbildungs-Bataillon 435 Kriegsdienst in der Wehrmacht. Die Zeit von April 1945 - Februar 1946 verbrachte er in französischer Kriegsgefangenschaft.

Nachdem Lacroix im Juli 1947 von der Spruchkammer Karlsruhe als Mitläufer eingestuft und zu einer Geldsühne verurteilt worden war, kehrte er im April 1948 an seine alte Dienststelle zurück und wurde 1950 als Nachfolger von Otto Haupt zum Leiter des Staatlichen Amts für Denkmalpflege ernannt. In dieser Position und in der des Hauptkonservators (ab 1956) trug er maßgeblich Verantwortung für den Wiederaufbau zahlreicher kunstgeschichtlich bedeutsamer Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Nordbaden. Dazu gehörten beispielsweise das Schloss Gottesaue in Karlsruhe, die Schlösser in Mannheim und Bruchsal, die Jesuitenkirche in Mannheim, die Wallfahrtskirche in Walldürn, St. Peter in Bruchsal sowie die Auferstehungskirche und St. Stephan in Karlsruhe.

Zusätzlich übernahm Lacroix ab 1948 einen Lehrauftrag für Materialkunde an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe und einen weiteren für Technologie der Kunst am Kunsthistorischen Institut der Universität Heidelberg.

In seiner akademischen Tätigkeit war Lacroix bestrebt, seinen Studierenden nicht nur theoretisches Wissen bzw. die Grundlagen der Handwerkstechniken zu vermitteln, sondern sie auf Exkursionen auch mit der die heimatlichen Kunstdenkmäler umgebenden Landschaft bekannt zu machen. Für dieses Engagement wurde er von der Universität Heidelberg 1961 mit der Ernennung zum Honorarprofessor gewürdigt.

Lacroix starb im Januar 1965 als Beifahrer an den Folgen eines Autounfalls. Sein Grab befindet sich auf dem Karlsruher Hauptfriedhof.

René Gilbert 2016

Quellen

GLA 233/24715, 465h/31777, 466-2/5977; KIT-Archiv 21013/655, 28002/268.

Werk

Leo von Klenze und der Festungsbau von Ingolstadt, Diss. Karlsruhe 1931; Karlsruhe – Nach einem holländischen Plan, in: Mein Heimatland 20 (1933), S. 105-110; Zur Baugeschichte des Karlsruher Marktplatzes. Ein Beitrag zur Geschichte des Städtebaus im 19. Jahrhundert, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 86 (1934), S. 24-57; Kunstdenkmälerbände: Amtsbezirk Ettlingen, 1936, Amtsbezirk Karlsruhe-Land, 1937, Amtsbezirk Pforzheim-Land, 1938, Amtsbezirk Pforzheim-Stadt, 1939, Amtsbezirk Baden-Baden, 1942, Amtsbezirk Rastatt-Land, 1963.

Literatur

Hans Huth/Heinrich Niester: In memoriam Prof. Dr.-Ing. Emil Lacroix, in: Nachrichtenblatt der Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 8 (1965), S. 27 f.; Hermann Ginter: Emil Lacroix †, in: Deutsche Kunst und Denkmalpflege 23 (1965), S. 78 f [mit Bibliographie].