Erste Sitzung des Bürgerausschusses nach der Machtübernahme unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister Friedrich Jäger (Mitte links), 18. Mai 1933, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 5/27a.
Gautag der NSDAP, Kundgebung auf dem Platz der SA (Festplatz) vor der Stadthalle, 19. April 1937, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 5/109a.

Nationalsozialismus

Die Anfänge des Nationalsozialismus in Karlsruhe gehen bis ins Jahr 1922 zurück, als für kurze Zeit eine Ortsgruppe der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) bestand. Nach dem Verbot der Partei gründete der ehemalige Reichswehroffizier Robert Wagner den Gau Baden der NSDAP am 25. März 1925, den er mit einer kurzen Unterbrechung zu Beginn des Jahres 1933 bis 1945 leitete. Bis 1929 kam die Partei aber weiterhin kaum über den Status einer Splitterpartei hinaus. Erst bei der Landtagswahl im Oktober 1929 erzielte die NSDAP ein nennenswertes Ergeb­nis in Karlsruhe mit 11,1 % der abgegebenen Stimmen. Zum Erfolg der Partei trug seit dem 1. November 1927 die Parteizeitung "Der Führer" bei. 1930 wurde die NSDAP erstmals stärkste Partei in Karlsruhe. Diese Position baute sie weiter aus bis auf 45 % bei der letzten nur noch eingeschränkt demokratischen Reichstagswahl der Weimarer Republik am 5. März 1933. Aus der badischen Landeshauptstadt wurde die badische Gau- und Landeshauptstadt, in der inszenierte Massenveranstaltungen und Propagandaaktionen bald zum Alltag gehörten. Politik, Verwaltung und Gesellschaft waren rasch "gleichgeschaltet". Im Zuge der Gleichschaltung wurden auf­grund des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeam­ten­tums" insgesamt 23 städtische Beamte, zwölf Angestellte und 88 Arbeiter aus dem städtischen Dienst ent­lassen und ein "nichtarischer" Beamter in den Ruhestand versetzt. Oberbürgermeister und Bürgermeister bekamen zunächst einen Kommissar an die Seite, ehe sie am 8. Mai Platz machen mussten für den neuen Oberbürgermeister Adolf Fried­rich Jäger, zuvor Fraktionsvorsitzender der NSDAP im Stadtrat, und andere NSDAP-Mitglieder.

Zu diesem Zeitpunkt waren die politischen Gegner schon fast alle ausgeschaltet. Gleich nach der Reichstagswahl im März 1933 waren Politiker der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) wie zuvor schon die der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) in "Schutzhaft" genommen worden. Die führenden badischen und Karlsruher Sozialdemokraten wurden in einer Schaufahrt in einem offenen Wagen von SA- und SS-Männern durch Karlsruhe in das Konzentrationslager Kislau gefahren. Das Ende der Parteien wurde am 22. Juni 1933 mit dem Verbot der SPD eingeleitet. Die bürgerlichen Parteien lösten sich in den folgenden Wochen selbst auf, so dass das "Ge­setz gegen die Neubildung" von Parteien die Monopolstellung der NSDAP am 14. Juli 1933 nur noch festschreiben musste. Nationalsozialistische Propagandaaktionen und die Herrschaftsausübung in allen Lebensbereiche, die Einbindung aller Bevölkerungsgruppen in die "Volksgemeinschaft" und die verschiedenen Gliederungen der Partei wie Hitlerjugend (HJ), NS-Winterhilfswerke. Andere NS-Verbände gehörten nun ebenso zum Alttag wie Geheime Staatspolizei (Gestapo) und Blockwart. Aus der Landeshauptstadt Karlsruhe wurde rasch häufig auch im mit NS-Symbolen geschmückten Stadtbild erkennbar die Gauhauptstadt Karlsruhe.

Auch gegen ihre rassenideologischen Gegner gingen die Nationalsozialisten rasch vor. Bereits wenige Tage nach der Reichstagswahl kam es am 13. März 1933 zu ersten antisemitischen Ausschreitungen gegen jüdische Geschäfte. Die Aktionen konzentrierten sich auf die Kaiserstraße, wo die zum Teil uniformierten Radauschläger erreichten, dass die jüdischen Inhaber ihre Geschäfte schlossen. Am 1. April folgte der reichsweite Boykott jüdischer Geschäfte. Das erste jüdische Opfer des nationalsozialistischen Terrors in Baden war der SPD-Politiker Ludwig Marum, der in der Nacht vom 28. auf den 29. März 1934 im Konzentrationslager Kislau umge­bracht wurde. In der so genannten Reichskristallnacht (Novemberpogrom) ging die Synagoge der orthodoxen jüdischen Gemeinde in der Karl-Friedrich-Straße in Flammen auf, die Synagoge in der Kronenstraße musste später auf Kosten der jüdischen Gemeinde abgerissen werden. Noch vor den reichsweiten Deportationen in die Vernichtungslager im Osten wurden 945 Juden aus Karlsruhe am 22. Oktober 1940 in das südfranzösische Internierungslager Gurs deportiert. Über 1.000 Karlsruher Juden waren am Ende des Zweiten Weltkriegs ermordet worden, die erste jüdische Nachkriegsgemeinde zählte gerade einmal 39 Mitglieder.

1945 war Karlsruhe zu einem großen Teil zerstört. 135 Luftangriffe hatten die Stadt getroffen, 1.745 Tote und 3.508 Verletzte waren zu beklagen. Von den 17.134 Wohnhäusern waren nur 3.414 unbeschädigt geblieben. Neben den Todesopfern unter der Zivilbevölkerung hatten 5.802 Soldaten aus Karlsruhe ihr Leben verloren, 3.554 weitere wurden vermisst. Der von Deutschland provozierte und ausgelöste Zweite Weltkrieg hatte also insgesamt mehr als 12.000 Menschen aus Karlsruhe das Leben gekostet. Die Befreiung durch die französischen Truppen erlebten nur noch rund 60.000 Menschen in der zerstörten Stadt.

Ernst Otto Bräunche 2012

Literatur

Ernst Otto Bräunche: Karlsruhe im „Dritten Reich“, in: Susanne Asche/Ernst Otto Bräunche/Manfred Koch/Heinz Schmitt/Christina Wagner: Karlsruhe - Die Stadtgeschichte, Karlsruhe 1998, S. 455-502.