Nordwestansicht des Konzerthauses, um 1920, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVa 444.

Konzerthaus

1904 beauftragte die Stadt das Architekturbüro Curjel & Moser mit der Planung eines Ausstellungsgebäudes, welches das 1877 errichtete, 1884 auf den Festplatz versetzte und behelfsmäßig um einen Bühnenbau erweiterte Provisorium ersetzen und daher auch über ein Theater mit Konzertsaal verfügen sollte. Bereits im ersten Entwurf von Oktober 1905 forderten die Architekten eine räumliche Trennung von Theaterbau mit Konzertsaal und Ausstellungsgebäude. Da sich die Stadt in den nächsten Jahren um ein städtebauliches Gesamtkonzept für das Areal zwischen Rüppurrer Straße, Kriegsstraße, Beiertheimer Allee und Stadtgarten bemühte, das sich mit der 1902 beschlossenen Verlegung des Bahnhofs auftat, verzögerte sich der Baubeginn des Konzerthauses bis 1913.

Historismus und Jugendstil waren inzwischen vom Neoklassizismus abgelöst worden, der durch den Trend des Heimatschutzes zugleich auf lokale Traditionen zurückgriff. So hatten auch Curjel & Moser ihren vom Jugendstil geprägten Entwurf ins Neoklassizistische weiterentwickelt und sich dabei am Werk von Friedrich Weinbrenner orientiert. Die nördliche Schauseite des von 1913-1915 westlich der städtischen Festhalle von Josef Durm erbauten Konzerthauses lehnt sich mit ihrem giebelbekrönten korinthischen Säulenportikus an Weinbrenners Evangelische Stadtkirche an. Das Relief im Giebelfeld von Karl Albiker zeigte die Geburt der Venus (1942 zerstört). Im Inneren gliederte sich der 85,5 Meter lange und 35 Meter breite Bau in zwei Bereiche, in den Hauptsaal mit seinen Erschließungs- und Nebenräumen und das Bühnenhaus.

Im Ersten Weltkrieg diente das Konzerthaus als Lazarett, seit 1926 neben Konzert- und Theateraufführungen auch als Kulturfilmbühne der Badischen Lichtspiele für Schule und Volksbildung GmbH und seit den 1930er-Jahren auch als Ufa-Großkino Capitol. Portikus und Fassade wurden bei einem Luftangriff 1942 zerstört. Nach vereinfachtem Wiederaufbau der Hauptfront ohne Portikus und Dachlaterne im Bereich des Hauptfoyers diente es ab Oktober 1945 bis zur Eröffnung des Theaterneubaus am Ettlinger Tor 1975 als Ersatzspielstätte des Badischen Staatstheaters.

Im Zuge einer Generalsanierung von 1992-1994 erfolgten die Wiederherstellung der Säulenvorhalle sowie die Umnutzung zu einer Mehrzweckhalle. Der modernisierte Große Saal mit dem elegantem Foyer dient vor allem Theater- und Konzertaufführungen, der Kleine Saal mit den drei angeschlossenen Seminarräumen Konferenzen, Kongressen und Präsentationen. 1996 folgte die Neugestaltung des Giebelfeldes mit dem Keramik-Relief einer Konzertszene von Stephan Balkenhol. Seit 2000 wird das Konzerthaus von der Karlsruher Messe- und Kongress-GmbH (KMK), vormals Ausstellungs- und Kongress-GmbH (AuK), betrieben. Mit der Stadthalle, der Schwarzwaldhalle, der Gartenhalle und dem Hotel Novotel Karlsruhe City bildet es heute das Kongresszentrum am Festplatz.

Katja Förster 2013

Literatur

Gerhard Kabierske: Festplatz, in: Stadtplätze in Karlsruhe, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe durch Manfred Koch, Karlsruhe 2003, S. 236-249, bes. S. 241-244 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 26); ders.: Ettlinger Tor, in: ebd., S. 83-103, bes. S. 91-94; Konzerthaus, in: Datenbank Bauforschung/Restaurierung der Landesdenkmalpflege Baden-Württemberg, http://www.bauforschung-bw.de/objekt/id/391315109026/konzerthaus-in-76137-karlsruhe-suedweststadt (Zugriff am 12. November 2013); Annette Ludwig/Hansgeorg Schmidt-Bergmann/Bernhard Schmitt: Karlsruhe. Architektur im Blick. Ein Querschnitt, Karlsruhe 2005, S. 124 f.