Adolf Helbling

Architekt, Baudirektor, * 15. September 1824 Bretten, † 14. August 1897 Karlsruhe kath., ∞ Josephine Raik.

Nach dem Besuch des Lyzeums und der allgemeinen mathematischen Klassen am Polytechnikum in Karlsruhe legte Adolf Helbling die Gymnasialprüfung ab und studierte dann in Karlsruhe Architektur. Zu seinen Lehrern zählten Heinrich Hübsch, Friedrich Eisenlohr und Jakob Hochstetter. Im Büro von Eisenlohr, das für die Hochbauten der badischen Staatseisenbahnen verantwortlich zeichnete, sammelte Helbling erste praktische Erfahrungen. 1848/49 besuchte er für ein halbes Jahr die Bauschule der Münchner Kunstakademie, bevor er 1850 bei Hübsch die Staatsprüfung ablegte und als "Baupraktikant" (heute Regierungsbaumeister) in den Staatsdienst aufgenommen wurde. Ein Stipendium ermöglichte ihm 1855/56 einen Studienaufenthalt in Italien.

Nach seiner Rückkehr war er zunächst als Gehilfe bei der Bezirksbauinspektion Karlsruhe angestellt. Seit 1858 arbeitete er bei der Eisenbahn-Hochbauinspektion unter anderem beim Bau der Bahnstrecke Durlach-Mühlacker und des neuen Streckenabschnitts Heidelberg-Mosbach. 1859 wurde er zum provisorischen Vorstand der Eisenbahn-Hochbauinspektion Karlsruhe befördert, im März 1862 zum Vorstand der Eisenbahn-Hochbauinspektion Heidelberg und im Oktober 1867 zum technischen Rat bei der Direktion der Verkehrsanstalten ernannt. Mit der Planung des Baus der Generaldirektion der Badischen Staatseisenbahnen am Friedrichsplatz in Karlsruhe und des Personenbahnhofs in Mannheim erhielt Helbling 1872 seine zwei bedeutendsten Aufträge. Beide Gebäude entwarf er in dem damals gängigen Neorenaissancestil.

Im Zuge der Neuorganisation der Generaldirektion der Badischen Staatseisenbahnen 1876 wurde er zum Vorstand der hochbautechnischen Büros befördert, übernahm 1878 den Vorstand der Baudirektion und wurde 1883 zum Oberbaudirektor ernannt. Heinrich Lang und Karl Joseph Berckmüller, seit 1868 sachverständige Mitglieder der Baudirektion, standen ihm zur Seite. Nachdem Josef Durm 1882 die Stelle des verstorbenen Berckmüller in der Baudirektion eingenommen hatte, kam es zwischen Durm und Helbling zunehmend zu Spannungen, weswegen er sich im Februar 1887 in den Ruhestand versetzen ließ.

Katja Förster 2014

Literatur

Friedrich von Weech: Adolf Helbling, in: Badische Biographien, Bd. 5, hrsg. von Friedrich von Weech und Albert Krieger, Heidelberg 1906, S. 276-278; Katja Förster: Josef Durm, Karlsruhe 2012, S. 55 (= Karlsruher Köpfe. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 1); Ulrike Grammbitter: Josef Durm 1837-1919. Eine Einführung in das architektonische Werk, München 1984, S. 19, 178 f.