Hermann Schück, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 1423.

Hermann Schück

Geometer, Stadtbaurat, * 16. März 1848 Heidelberg, † 9. März 1911 Karlsruhe, ev., ∞ 1885 Emma Luise Elisabeth Mayer, 1 Tochter.

Nach abgeschlossener Schulausbildung absolvierte Hermann Schück bei der Badischen Katastervermessung eine Ausbildung zum Geometer, die er 1869 erfolgreich beendete. Nach einer kurzen Tätigkeit beim Bahnbau im Siebengebirge und dem freiwilligen Heeresdienst im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 studierte Schück bis 1873 an der Ingenieurschule der Technischen Hochschule (TH) Karlsruhe. Er arbeitete anschließend bei der Badischen Wasser- und Straßenbauinspektion und wurde 1876 Vorstandsmitglied des Wasser- und Straßenbauamts, des heutigen Tiefbauamtes der Stadt.

Seine bedeutendste Arbeit bestand in der Planung einer leistungsfähigen Kanalisation. Diese war dringlich, weil der für die Entsorgung der Karlsruher Abwässer verwendete Landgraben die im Zuge des Bevölkerungswachstums und der Industrialisierung immer weiter steigenden Abwassermengen nicht mehr angemessen ableiten konnte. 1879-1886 ließ Schück daher den Landgraben, der bereits vor der Gründung Karlsruhes Ende des 16. Jahrhunderts angelegt worden war und sich von Schloss Gottesau kommend bis zum Rhein erstreckt, zu einem Hauptsammelkanal ausbauen. Er wurde um durchschnittlich 1,5 Meter vertieft, verbreitert und auf der gesamten Länge überwölbt. In den 1890er-Jahren arbeitete Schück an der Konstruktion neuer Zuleitungskanäle in den Landgraben, an der Einführung einer Schwemmkanalisation sowie am Bau des Klärwerks bei Neureut, das aber erst nach seinem Tod fertig gestellt wurde. Mit diesen Maßnahmen legte Schück den Grundstein für eine moderne Abwasserentsorgung in der Fächerstadt.

Schück zeichnete auch verantwortlich für den Bau der Hirschbrücke in der Karlsruher Südweststadt (1889-1891). Sein im Auftrag der Stadtverwaltung 1893 erarbeiteter Plan für einen Rheinhafen, den er in der Niederung zwischen Mühlburg und Beiertheim/Bulach plante, fand keine Zustimmung der Staatsbehörden.

1890 erhielt Schück den Titel Stadtbaumeister, 1900 erfolgte seine Ernennung zum Stadtbaurat. Ein Herzleiden zwang ihn im Frühjahr 1910 zum Eintritt in den Ruhestand und der Verein städtischer Beamter ernannte ihn zu seinem Ehrenmitglied. 1920 wurde die Schückstraße in der Karlsruher Oststadt nach ihm benannt.

René Gilbert 2015

Quellen

StadtAK 1/H-Reg 4467, 4616, 4664, 1/TBA 741.

Werk

Die Kanalisation von Karlsruhe, Karlsruhe 1882; Die Korrektion des Landgrabens in den Gemarkungen Karlsruhe und Mühlburg: ausgeführt in den Jahren 1877-1885, Karlsruhe 1885; Vorschläge über Erneuerung der Straßenbefestigungen in den kanalisierten, durch die Stadtgemeinde Karlsruhe zu unterhaltenden Staats- und städtischen Straßen, Karlsruhe 1887; Verbindung der Residenz Karlsruhe mit dem Rhein durch einen Schifffahrtskanal, Karlsruhe 1892; Karlsruhe, ein Rhein-Hafenplatz: Projekt einer Schifffahrtverbindung der Residenz mit dem Rhein; nebst Entwürfen für ein maschinelles Schiffshebewerk, Karlsruhe 1893; Die Schwemmkanalisation in Karlsruhe, Karlsruhe 1893; Bericht über die Karlsruher Müllfrage, Karlsruhe 1903.

Literatur

Chronik der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe für das Jahr 1911, Jg. 27, Karlsruhe 1912, S. 260 f., http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/chronik/HF_sections/content/1450265494993/10_Dq1_Karl_Chronik_1917.pdf (Zugriff am 20. Mai 2016); Manfred Koch: Karlsruher Chronik. Stadtgeschichte in Daten, Bildern, Analysen, Karlsruhe 1992, S. 120-122, 126 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 14); M.W.: Vor 100 Jahren starb Baumeister Hermann Schück, in: Stadtzeitung vom 11. März 2011; Paul-Gerhard Reinle: Der Landgraben - unterirdisch, 1878-1885, http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/kulturdenkmale/denkmaltag_archiv/denkmaltag_2004/muehlburg/landgraben (Zugriff am 15. Dezember 2015).