Postkarte „Gruss aus dem Stephanienbad - Beiertheim“ von 1901, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIIIa 590.

Beiertheim

Stadtteil, eingemeindet 1907, Ersterwähnung 1110, gehört heute zum Stadtbezirk Beiertheim-Bulach (ca. 7.000 Einwohner).

Die erste Erwähnung von Beiertheim im Jahre 1110 als „Burdam“ und „Burtan“ ist in einer Urkunde zu finden, in der König Heinrich V. dem Kloster Gottesaue Besitzungen in diesem Ort und anderen Hardtdörfern bestätigt. In dieser Urkunde wird Güterbesitz des Klosters auf Beiertheimer Gemarkung erwähnt. Die Silbe „bur“ steht für „Haus“, „tan“ vermutlich für „Tannenwald“ (andere vermuten, dass es auch „Schlupfwinkel“ heißen könnte). 1379 erwarb das Kloster von der Ritterfamilie Trigel von Öwisheim deren Hof in Beiertheim; die gleiche Familie besaß auch Gutsbesitz in Bulach.

Bis zur Reformation war Beiertheim eine wohlhabende Bauerngemeinde, da seine Gemarkung sehr groß war. Ein eigenes Gotteshaus bekam das Dorf mit der Gründung der "Bruderschaft unserer lieben Frau" in Bulach und Beiertheim im Jahr 1521. Die Beiertheimer St. Michaelskapelle findet 1527 erstmals in einer Urkunde Erwähnung. 1535 erfolgte die Teilung der Markgrafschaft in die Landesteile Baden-Durlach und Baden-Baden. Als Grenze war die Alb bestimmt worden. In der Markgrafschaft Baden-Durlach wurde 1556 die Reformation eingeführt. Beiertheim blieb aber aufgrund seiner kirchlichen Zugehörigkeit zu Bulach, das jenseits der Alb in der Markgrafschaft Baden-Baden lag, katholisch. Der deswegen zum Zankapfel zwischen beiden markgräflichen Linien gewordene Ort wurde 1582 auf Beschluss des Reichskammergerichts Baden-Baden zugeschlagen.

Zunächst im Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) und danach im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688 - 1697) hatte das Dorf wie andere Orte der Hardt stark zu leiden. Die Bevölkerung schmolz um mehr als die Hälfte zusammen, die Felder lagen brach und das Vieh wurde von feindlichen Soldaten beschlagnahmt. Im 18. Jahrhundert entstanden die heute noch schmucken Fachwerkhäuser mit ihren Wetterdächern in der Breite Straße.

1771 wurden die beiden badischen Markgrafschaften aufgrund des Aussterbens der katholischen Linie des Herrscherhauses wieder vereinigt. Die wachsende Residenzstadt Karlsruhe erwarb von Beiertheim wiederholt Flächen, um sich nach Westen und Südwesten auszudehnen. So entstanden nacheinander seit dem Jahr 1800 auf ehemals Beiertheimer Gemarkung das Ettlinger Tor und die Kriegsstraße, der heutige Festplatz und die Süd- und Südweststadt, der Stadtgarten und Teile der Weststadt sowie schließlich, nachdem Beiertheim 1907 eingemeindet worden war, der heutige Hauptbahnhof mit der Bebauung am Bahnhofsplatz. Bis zur Eingemeindung konnte das Dorf von den Gemarkungsabtretungen wirtschaftlich profitieren. So wurde 1831 für die damals knapp fünfhundert Einwohner das heute noch bestehende Schul- und Rathaus im alten Ortskern und 1876 daneben ein neues Rathausgebäude errichtet. Aber auch die Eingemeindung war mit Vorteilen verbunden, so wurde der Ort an die städtische Strom- und Gas-Versorgung und das Kanalnetz angeschlossen und eine neue Volksschule gebaut.

Die Luftangriffe vom 27. September und 4. Dezember 1944 forderten im Stadtteil zahlreiche Menschenleben und richteten durch Spreng- und Brandbomben starke Schäden an. Neben der Kapelle wurden fast 200 Gebäude zerstört oder beschädigt. Vieles von der ländlichen Idylle des Stadtteils fiel den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs zum Opfer.

1957 wurde die alte Kapelle abgerissen. Die moderne St. Michaelskirche an der Ebertstraße entstand erst 1963/65. Als neben ihr 1970 noch ein modernes, vom Kirchenarchitekten Werner Groh geplantes Pfarrzentrum entstand, wurde auch die im Ersten Weltkrieg errichtete Notkirche abgebrochen.

Eine wichtige Baumaßnahme für den Straßenverkehr, die Beiertheim direkt betraf, war in den Nachkriegsjahren der Bau der Südtangente. In unmittelbarer Nachbarschaft zum alten Ortskern sind auf der ehemaligen Gemarkung großstädtische Einrichtungen entstanden: der Albtalbahnhof, die Günter-Klotz-Anlage mit der Europahalle, die weitläufigen Sportanlagen des SVK Beiertheim, das ZKM sowie das Europabad. Das Stadion des SVK wurde 2008 zu einem Stadion ausgebaut, in dem auch Leichtathletikwettkämpfe stattfinden können.

Weitere, im Jahr 2014 in Beiertheim aktive Vereine, sind die Arbeiterwohlfahrt Beiertheim-Bulach, der 1. Beiertheimer Carneval-Club, der Gesangverein Freundschaft 1862, der Kleingartenverein Karlsruhe-Süd und der Bürgerverein Karlsruhe-Beiertheim.

Peter Pretsch 2014

Quelle

Vorortarchiv Beiertheim im Stadtarchiv Karlsruhe, 5/Beiertheim.

Literatur

Beiertheim. Streifzüge durch die Ortsgeschichte, hrsg. v. Stadtarchiv Karlsruhe und dem Bürgerverein Beiertheim durch Peter Pretsch, Karlsruhe 2010.