August Babberger

Maler, Graphiker, * 8. Dezember 1885 Hausen im Wiesental/Lkr. Lörrach, † 3. September 1936 Altdorf/Kanton Uri/Schweiz, ev., ∞ 1912 Anna Maria Tobler (1882-1935), kinderlos.

Als mittleres von drei Kindern geboren, zog August Babberger mit seiner Familie 1895 nach Basel, wo der Vater, ein Zimmermann, Arbeit fand. Nach abgeschlossener Realschule absolvierte er in der Allgemeinen Gewerbeschule Basel eine Lehre als Dekorationsmaler, bei der er die Grundlagen für die Wandbildtechniken Fresko und Sgraffito erlernte. Nach sehr gutem Abschluss seiner Lehre begab sich Babberger 1906 für zwei Jahre auf Wanderschaft, die ihn auch nach Rom führte. Nachdem ein 1907 unternommener Versuch, an der Münchner Kunstakademie aufgenommen zu werden, gescheitert war, wollte Babberger nach Hamburg. Bei einem Zwischenhalt zum Geldverdienen in Karlsruhe wurde Hans Thoma auf Babbergers Federzeichnungen aufmerksam und vermittelte ihm einen Studienplatz an der Großherzoglich Badischen Kunstschule bei dem Radierer Walter Conz. Mit Thoma, auf dessen Beerdigung Babberger die Grabrede hielt, verband ihn fortan eine enge Freundschaft. Ein von Thoma vermitteltes Ehrenstipendium der Kunstzeitschrift Die Rheinlande ermöglichte Babberger von 1909-1911 ein Studium an der Internationalen Kunstschule in Florenz, wo er Schüler und Freund von Augusto Giacometti wurde.

1912 übersiedelte Babberger mit seiner Ehefrau, einer Schweizer Künstlerin, nach Frankfurt a. M. und pflegte dort bald wichtige Kontakte zu Künstlern, Galeristen und Sammlern. Der wegen eines Halsleidens für den Kriegsdienst untaugliche Babberger hielt sich während des Ersten Weltkriegs mit seiner Frau mehrfach länger in den Schweizer Alpen auf. In dieser Schaffensphase entstanden zahlreiche Federskizzen, Aquarelle und Ölgemälde, in denen sein bislang dominierendes Sujet der Darstellung des Menschen durch die der alpinen Gebirgslandschaft abgelöst wurde. 1913/14 schuf Babberger als freier Mitarbeiter des Karlsruher Architekturbüros Curjel & Moser die Glasfenster für den Neubau der evangelischen Kirche in Oberursel. 1919 gehörte er zu den Mitbegründern der Darmstädter Secession.

1920 folgte Babberger einem von Albert Haueisen empfohlenen Ruf als Professor für dekorative Malerei an die neu gegründete Badische Landeskunstschule in Karlsruhe, die er von 1923-1930 auch als Direktor leitete. Wegen seiner expressionistischen Stilmittel wurde Babberger in völkisch-konservativen Kreisen, dabei vor allem von Ludwig Moser, dem damaligen Assistenten am Badischen Landesmuseum und Rezensenten des Badischen Beobachters, öffentlich angefeindet, bekam aber vom badischen Kultusministerium das Vertrauen ausgesprochen. Dies änderte sich freilich mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933. Bereits im Juli dieses Jahres wurde Babberger während seines Sommerurlaubs seines Amts enthoben und als entarteter Künstler verfemt. Mit einer dreijährigen Übergangsrente ausgestattet, verbrachte er die letzten Lebensjahre in der Schweiz und unternahm mehrere Studienreisen. Um weiterhin Aufträge annehmen zu dürfen, trat Babberger 1934 der Reichskammer der bildenden Künste und der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) bei. 1935 starb seine Frau in einer Nervenheilanstalt in Münsterlingen am Bodensee, er selbst erlag wenig später den Folgen einer missglückten Kropfoperation.

Anlässlich seines 30. Todestages wurde 1966 im Stadtteil Daxlanden die Babbergerstraße nach ihm benannt.

René Gilbert 2015

Quellen

GLA 235/1423, 40153; Staatliche Kunsthalle Karlsruhe Nl Babberger.

Werk

Walter, 1908; Erwachen, Öl auf Leinwand 1908; Akkordeonspieler, Öl auf Pappe um 1911; Selbstbildnis, Öl auf Karton 1911; Kopf mit Hand, Öl auf Pappe 1913; Mädchen mit Landschaft, Öl auf Rupfen um 1921/22; Landschaft am Klausenpass mit liegendem Wanderer, Öl auf Leinwand um 1925; Kluge Jungfrau III, Tempera auf Leinwand 1927 (alle Staatliche Kunsthalle Karlsruhe).

Literatur

Ludwig Vögely: Ein berühmter Sohn Hausens i. W. August Babberger zum 100. Geburtstag, in: Badische Heimat 66 (1986), S. 294-298; Leo Mülfarth: Kleines Lexikon Karlsruher Maler, Karlsruhe 1987, S. 19 f.; Elmar Vogt: Ein fast vergessener Expressionist: Zum 60. Todestag von August Babberger, in: Das Markgräflerland, Heft 2, 1996, S. 177-183; Michael Koch: Babberger, August: in: Badische Biographien NF, Bd. IV, hrsg. von Bernd Ottnad, Stuttgart 1996, S. 2-4; Andreas Gabelmann: August Babberger (1885-1936), Leben und Werk, Münster 2002 (= Karlsruher Schriften zur Kunstgeschichte Bd. 3); Elmar Vogt: 125. Geburtstag von August Babberger. Die Verschmelzung von Mensch und Natur – oder: Die Rückbesinnung auf das Ursprüngliche, in: Badische Heimat 90 (2010), S. 824-836.