Caspar Ritter

Maler, * 7. Februar 1861 Esslingen a. N., † 6. Juli 1923 Ermatingen/Kanton Thurgau, ∞ Sophie Linder.

Als Sohn eines Schweizer Spinnereidirektors musste der technisch begabte Ritter zunächst von 1877-1880 eine Ausbildung zum Mechaniker absolvieren, bevor der Vater 1880 endlich in die Ausbildung zum Zeichenlehrer an der Kunstgewerbeschule des Winterthurer Technikums einwilligte. Im Frühjahr 1882 wechselte Ritter an die Münchner Akademie. Wie bereits in Winterthur stießen auch in München seine lebensnahen Porträts und Aktfiguren auf große Resonanz. Nachdem er 1886 Lehrer an der Münchner akademischen Vorschule und 1887 Leiter einer Figurenklasse am Städelschen Institut in Frankfurt a. M. geworden war, berief ihn Großherzog Friedrich I. 1888 als Professor für Porträtmalerei an die Badische Kunstschule in Karlsruhe, an der er bis 1919 wirkte.

Ritters psychologisch-analytische Beobachtungsgabe und sein handwerklich-technisches Können boten eine ideale Grundlage für die Porträtmalerei. In Deutschland und in der Schweiz war er ein gefragter Porträtist, vor allem auch weil er in seinen Bildnissen das Moment des Repräsentativen mit der Persönlichkeit des Dargestellten zu verbinden verstand. Er porträtierte vorrangig Mitglieder angesehener Bürgerfamilien und deutscher Fürstenhäuser sowie sonstige Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Im Auftrag der Stadt Karlsruhe schuf er unter anderem die heute im Rathaus hängenden Bildnisse der Oberbürgermeister Wilhelm Lauter und Karl Schnetzler und die Porträts der Ehrenbürger Wilhelm Klose, Wilhelm Nokk, August Dürr und Generalfeldmarschall von Hindenburg. Für den letztgenannten Auftrag reiste Ritter Anfang März 1916 ins Hauptquartier Ost nach Kowno. Neben den Porträts und Aktfiguren schuf Ritter auch als Folge einer Studienreise nach Holland im Jahr 1888 eine Reihe von Genrebildern, zum Teil auch mit Schweizer Motiven.

Katja Förster 2014

Literatur

Jeannette Rüdisühli, Rolf Welti: Caspar Ritter, in: Biografisches Lexikon der Schweizer Kunst, Bd. 2, Zürich 1998, S. 872-873; Jakob Christoph Heer: Erinnerungen an Maler Caspar Ritter, in: Die Pyramide, Jg. 13, 1924, Nr. 29; Badische Landeszeitung vom 7. April 1916, S. 3 und 12. April 1916, S. 3; Karlsruher Tagblatt vom 21. März 1924 und 24. April 1926; Chronik der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe für das Jahr 1916, Jg. 32, Karlsruhe 1918, S. 346-347; Chronik der Landeshauptstadt 1920-1923, Jg. 36-39, Karlsruhe 1930, S. 332.