Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 679.

Karl Schnetzler

Jurist, Oberbürgermeister,* 20. November 1846 Rastatt, † 6. Dezember 1906 Karlsruhe, ev. ∞ Ida Laiber, 4 Kinder.

Der in Rastatt als Sohn des Bahnverwalters aufgewachsene Karl Schnetzler studierte in Freiburg und Heidelberg Jura. Nach den Staatsprüfungen 1871 und 1873 war er als Referendar bei verschiedenen badischen Amtsgerichten und Bezirksämtern tätig. Im Mai 1875 wählte ihn der Karlsruher Bürgerausschuss zum Bürgermeister. Nach dem Tod von Oberbürgermeister Wilhelm Florentin Lauter wählte ihn der Bürgerausschuss nahezu einstimmig 1892 und erneut 1902 zu dessen Nachfolger.

In seinen 31 Dienstjahren bewältigte Schnetzler, dem schon Oberbürgermeister Wilhelm Lauter ein großes Maß an Selbständigkeit einräumte, mit Tatkraft und Weitblick die Anforderungen durch das Bevölkerungswachstum von 43.000 auf 115.000 Einwohnern und die Industrialisierung. Mit zahlreichen Ortsstatuten regelte er den Übergang zur modernen städtischen Leistungsverwaltung und deren Professionalisierung und führte Reformen im Sozial-, Gesundheits- und Friedhofswesen durch. In Schnetzlers Amtszeit fielen der Ausbau der Gas-, sowie der Wasserversorgung und -entsorgung, der Bau eines städtischen Elektrizitätswerks, eines neuen Krankenhauses und Schlachthofs, die Ausweisung neuer Industriegebiete am Bannwald und im Osten der Stadt. Um das Projekt des 1902 eröffneten Rheinhafens voranzubringen, ließ er sich 1895/96 für die Nationalliberale Partei in die Badische Ständeversammlung wählen. Dort verhandelten die Abgeordneten zu dieser Zeit auch schon den Neubau eines Hauptbahnhofs. Schnetzler förderte auch den Nahverkehr durch städtisches Engagement beim Bau der Kraichgaubahn, die Förderung der Lokalbahnen wie der Albtalbahn und vor allem mit dem Kauf der elektrischen Straßenbahn in der Stadt. In der Bildungspolitik setzte er mit dem Schulhausbau, der Neuorganisation des Volksschulwesens und der Übernahme des zuvor privaten Mädchengymnasiums Maßstäbe. Mit Erfolg betrieb er zudem die Eingemeindungen von Mühlburg, Beiertheim, Rintheim und Rüppurr. Seine großen Verdienste und Leistungen als Oberbürgermeister fanden ihre Würdigung mit der Wahl in den Vorstand des 1905 gegründeten Deutschen Städtetags, wie auch mit der Teilnahme des Großherzogpaares an der Beerdigung nach seinem frühen Tod. Seine Grabstätte ist auf dem Hauptfriedhof erhalten. 1911 benannte die Stadt die Schnetzlerstraße nach ihm und 1919 wurde das Schnetzler-Denkmal enthüllt und am Brunnen auf dem Stephanplatz ist sein Konterfei verewigt.

Manfred Koch 2015

Quelle

8/ZGS Persönlichkeiten.

Werk

Entwurf einer Verbrauchssteuer-Ordnung und eines Verbrauchssteuer-Tarifs für die Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe, Karlsruhe 1879; Die Grossherzoglich-badische Haupt- & Residenzstadt Karlsruhe in ihren Maßregeln für Gesundheitspflege & Rettungswesen, Karlsruhe 1882; Die Geheimmittel und die Heilschwindler, Karlsruhe 1883; Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe, übersichtl. dargest., Karlsruhe 1894; Reden, Karlsruhe 1914.

Literatur

Robert Goldschmit: Karl Schnetzler, in Badische Biographien Teil VI, hrsg. von Albert Krieger, Heidelberg 1927, S. 183-191; Albert Herzog: Ihr glücklichen Augen. Ein Karlsruher Journalist erzählt aus seinem Leben, Karlsruhe 2008, S. 213-218.