Johann Baptist Tuttiné um 1885, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 1590.

Johann Baptist Tuttiné

Maler, * 3. Juli 1838 Bräunlingen/Schwarzwald-Baar-Kreis, † 23. August 1889 Karlsruhe, kath., ledig.

Bereits mit 10 Jahren wurde Johann Baptist Tuttiné, Sohn eines Schusters, Vollwaise. Nach Abschluss der Dorfschule absolvierte Tuttiné, dessen zeichnerisches Talent früh aufgefallen war, 1852-1855 eine Lehre als Uhrenschildmaler in Vöhrenbach. Da er Maler werden wollte, arbeitete er danach in Furtwangen in einer Zifferblatt- und Blechschilderfabrik und belegte an der dortigen Uhrmacher- und Gewerbeschule Zeichenkurse. 1862-1866 und 1869-1871 studierte Tuttiné an der Großherzoglichen Kunstschule in Karlsruhe bei Ferdinand Keller und Hans Canon. Das Studium finanzierte er durch Zeichnungsarbeiten für eine Karlsruher Möbelfabrik und andere Auftragsarbeiten.

Ab 1871 lehrte Tuttiné Malerei an der Karlsruher Gewerbeschule und bezog im Jahr darauf ein Atelier an der Kunstschule, um als freischaffender Maler zu arbeiten. 1878/79 nahm er das Studium kurzzeitig wieder auf, wobei er durch seinen Lehrer Carl Hoff mit der Genremalerei in Kontakt kam und in diesem Stil mehrere Bilder mit Alltagsszenen der Bevölkerung des Schwarzwalds, insbesondere des Hotzenwalds, schuf. 1881 organisierte der inzwischen bekannte Genremaler im Auftrag der Stadt Karlsruhe anlässlich der Silberhochzeit des badischen Großherzogpaars Friedrich I. und Luise sowie der gleichzeitigen Heirat der badischen Prinzessin Victoria mit dem schwedischen Kronprinzen Gustav Adolf die Trachtenabteilung des Karlsruher Historischen Festzugs, wofür er 800 Teilnehmer mobilisierte. 1885 anlässlich der Hochzeit des Erbgroßherzogs Friedrich II. und seiner Frau, Prinzessin Hilda von Nassau, veranstaltete er einen noch größeren Trachtenumzug. Nach 1881 erhielt Tuttiné von Großherzog Friedrich I. den Auftrag, in drei Gemälden den Festzug zu überliefern. Fertigstellen konnte er vor seinem Tod sein bekanntestes Bild "Die goldene Hochzeit". Die beiden anderen malte dann Heinrich Issel.

Tuttiné unternahm zur Vorbereitung der Trachtenumzüge ausgedehnte Reisen durch das Großherzogtum, um die teilweise kaum noch getragenen Trachten und auch Hausgeräte der verschiedenen Landesteile zu studieren und zu sammeln. Diese wurden gemäß seiner testamentarischen Verfügung an die Großherzoglichen Sammlungen verkauft und befinden sich heute im Bestand des Badischen Landesmuseums.

Der Großherzog verlieh Tuttiné den Orden vom Zähringer Löwen Erster Klasse.

René Gilbert 2015

Quellen

GLA 56/1535, 60/1257, 440/Zug. 1984/88/121; N Rolf Kellner B 1-2.

Werk

Stubeninterieur im Schwarzwald, Ölgemälde 1875 (Privatbesitz); Die überraschten Spieler, Ölgemälde 1879 (Privatbesitz); Festzug der Badischen Landestrachten – Die goldene Hochzeit, Ölgemälde 1881 (Badisches Landesmuseum Karlsruhe); Der Abschied, Gouache 1885; Wirtshausszene, Ölgemälde 1886; Trachtenmädchen, Ölgemälde 1886 (alle drei Kelnhof-Museum Bräunlingen).

Literatur

Friedrich von Weech (Hrsg.): Johann Baptist Tuttine, in: Badische Biographien, Bd. 4, Karlsruhe 1891, S. 472-474; Lorenz Honold: Vom Hirtenbub zum Trachtenmaler – Johann Baptist Tuttiné, ein Baarmaler, der im Biedermeier Karriere machte, in: Schwarzwald-Baar-Kreis: Almanach 15 (1991), S. 228-230; Brigitte Heck: Festzug. Der Karlsruher Historische Festzug von 1881, Sigmaringen 1997 (= Volkskundliche Veröffentlichungen des Badischen Landesmuseums Karlsruhe Bd. 4); Stadt Bräunlingen (Hrsg.): Johann Baptist Tuttiné – biografische Skizzen, Bräunlingen 2009 (= Schriftenreihe der Stadt Bräunlingen Bd. 6).