Franz Sprauer, um 1945, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 215/8b.

Franz Xaver Sprauer

Lehrer, Stadtverordneter, Stadtrat, * 10. August 1899 Karlsruhe, † 8. November 1987 Karlsruhe, kath., ∞ 1924 Maria Anna Hodapp, mindestens 1 Tochter, 1 Sohn.

Sprauer war der Sohn eines Kanzleidieners und nahm 1917/18 am Ersten Weltkrieg teil. Nach dem Abitur 1918 begann er eine Ausbildung zum Volksschullehrer, die er 1922 mit der Prüfung für das Lehramt an Volksschulen abschloss. Ab 1932 arbeitete Sprauer als Hauptlehrer dauerhaft in Karlsruhe. Politisch engagierte er sich seit 1919 im Windthorstbund, einer Jugendorganisation des Zentrums, und amtierte dort als erster Vorsitzender. 1933/34 war Sprauer Mitglied des Karlsruher Bürgerausschusses und dort im Vorstand der Stadtverordneten. Außerdem war er 1931-1933 Mitglied des Kreistags.

Im Gegensatz zu seinem Freund Reinhold Frank weigerte sich Sprauer, nach der Auflösung des Zentrums am 5. Juli 1933 Hospitant der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) zu werden. Infolgedessen wurde er von der Gestapo überwacht und seine Wohnung durchsucht. In der Widerstandsgruppe um Reinhold Frank betätigte sich Sprauer als dessen Sekretär. Nach dem Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Sprauer verhaftet und verbrachte mit seinem Sohn mehrere Monate im Gefängnis in der Riefstahlstraße. Im März 1945 war er politischer Häftling im Arbeitserziehungslager Oberndorf/Aistaig. Nach Kriegsende kehrte Sprauer wieder in den Schuldienst zurück und wurde – nachdem ihn die Spruchkammer Karlsruhe im April 1946 als „Vom Gesetz nicht betroffen“ eingestuft hatte – Schulrat beim Kreisschulamt Karlsruhe.

Im Herbst 1945 gehörte Sprauer zu den Mitbegründern der CDU-Karlsruhe und wurde Mitglied des ersten, von den amerikanischen Militärbehörden gebildeten Gemeinderats. Außerdem rückte er 1946 in den Vorstand der CDU-Nordbaden und übernahm bis 1947 das Amt des Karlsruher CDU-Kreisvorsitzenden. 1959 verließ Sprauer die Christdemokraten und gründete die Kommunale Arbeitsvereinigung, als deren Fraktionsvorsitzender er bis 1962 im Karlsruher Gemeinderat amtierte.

René Gilbert 2016

Quellen

GLA 465h/55491; StadtAK 8/StS 17/106; Badische Neueste Nachrichten (BNN) vom 11. November 1987, StadtAK 8/Ze 15.

Literatur

Michael Kißener: Für das Recht. Die Karlsruher Widerstandsgruppe um Reinhold Frank, in: 20. Juli 1944 in Baden und Württemberg, hrsg. von Rudolf Lill und Michael Kißener, Konstanz 1994 , S. 19-59 (= Portraits des Widerstands Bd. 3); Klaus Eisele: Die "Aktion Goerdeler". Mitverschwörer des 20. Juli 1944 im deutschen Südwesten. Biographische Skizzen, in: Ebd., S. 191 f.