Günther Seemann (rechts), 1964, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A11a/84/4/1.

Günther Seemann

Architekt, * 10. Februar 1915 Karlsruhe, † 30. August 2001 Ettlingen, ∞ N.N., 2 Töchter.

Sowohl Günther Seemanns Vater Oskar Seemann, der starb, als sein Sohn vier Jahre alt war, wie auch sein Stiefvater, Hans Detlev Rösiger, waren Architekten. Seemann legte 1935 das Abitur ab und wurde anschließend für den Reichsarbeitsdienst verpflichtet. 1933-1935 war er Mitglied der SA und Anwärter auf Mitgliedschaft in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Im Zweiten Weltkrieg leistete Seemann Heeresdienst bei der Artillerie, zuletzt im Rang eines Majors. Sein Spruchkammerverfahren wurde im Februar 1947 aufgrund der Weihnachtsamnestie eingestellt.

1946-1949 studierte Seemann Architektur an der Technischen Hochschule (TH) Karlsruhe, wo er die Diplom-Prüfung bei Egon Eiermann ablegte. Seit 1949 arbeitete Seemann als selbstständiger Architekt in Karlsruhe, ab 1956 im eigenen Büro unter alleinigem Namen. Zu seinen frühen Bauten, die er mit Rösiger realisierte, zählen die Landwirtschaftliche Schule in Ladenburg (1951-1957), die Handelsschule in Weinheim, das evangelische Gemeindezentrum der Markuspfarrei in Pforzheim (1953/54), das Eichendorff-Gymnasium in Ettlingen (1954-1957), ein Einfamilienhaus in der Hoffstraße (1956/57), das Verwaltungsgebäude der Städtischen Sparkasse Karlsruhe und der Badischen Landesbausparkasse (1957), die Bezirkssparkasse und die Gewerbeschule in Schwetzingen (1957), das Sanatorium/Thermalbad in Bad Krozingen sowie das 1989 abgerissene Evangelische Gemeindezentrum am Mühlburger Tor. In eigener Verantwortung entstanden das Gymnasium in Eberbach/Neckar (1960-1962) und das Kongresshaus Baden-Baden (1963-1966, Erweiterung 1980).

Schwerpunkte in Seemanns Arbeit bildeten zum einen die Planung und der Bau von Schwimm- und Heilbädern. Neben dem bereits erwähnten Sanatorium Bad Krozingen sind dies das Paracelsusbad Bad Liebenzell (1963/64), das Wellenbad im Rheinstrandbad Rappenwört (1963/64) sowie das historische Friedrichsbad Baden-Baden (Umbau 1980/81). Zum anderen entwarf er insgesamt knapp 20 Volks- und Berufsschulen sowie Gymnasien für badische Städte. Auch an Bauprojekten in Saudi-Arabien war er beteiligt. Neben seiner Tätigkeit als Architekt engagierte sich Seemann in seinem Wohnort Ettlingen viele Jahre im beratenden Ausschuss für die Altstadtsanierung. 1972-1974 amtierte er als 1. Vorsitzender des Landesverbands Baden-Württemberg des Bundes Deutscher Architekten (BDA).

René Gilbert 2016

Quellen

GLA 465 h/15251; StadtAK 8/ZGS Persönlichkeiten – Seemann, Günther; Werknachlass im saai, https://www.saai.kit.edu/625.php (Zugriff am 10. August.2016).