Hans Detlev Rösiger anlässlich der Ernennung zum Professor durch die baden-württembergische Landesregierung, 28. August 1956, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A4/55/6/13A.

Hans Detlev Rösiger

Architekt, * 25. Mai 1887 Konstanz, † 10. September 1963 Karlsruhe, ev., ∞ 1922 Gertrud Geiger, verw. Seemann, 1 Sohn, 1 Tochter, 1 Stiefsohn.

Hans Detlev Rösiger, Sohn eines Gymnasialdirektors, wuchs in Heidelberg und Bruchsal auf und legte 1905 in Heidelberg das Abitur ab. Nach dem Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger studierte er 1906-1911 Architektur an der Technischen Hochschule (TH) Karlsruhe bei Carl Schäfer, Josef Durm und Friedrich Ostendorf und an der Hochschule Dresden. Nach der Diplomprüfung 1911 in Karlsruhe trat er eine Stelle beim Stadtbauamt in Straßburg an. 1912 arbeitete Rösiger für ein halbes Jahr in den USA.

Nach seiner Rückkehr wurde er Abteilungsleiter im Büro von Paul Schultze-Naumburg in Saaleck und 1913 Assistent bei seinem früheren Lehrer und Mentor Friedrich Ostendorf. Während des gesamten Ersten Weltkriegs leistete Rösiger Kriegsdienst an der Ost- und der Westfront, zuletzt als Leutnant der Reserve, und wurde dabei viermal verwundet. Nachdem Ostendorf im Krieg gefallen war, arbeitete er 1918-1926 an der TH Karlsruhe als Assistent bei Karl Caesar und Walter Sackur, bei dem er 1924 auch promoviert wurde.

Ab 1920 plante Rösiger als Privatarchitekt in Karlsruhe unter anderem den Nordstern-Block in Karlsruhe-Mühlburg und die Wohn- und Geschäftshäuser in der Kaiserallee 7 und 7a (1928), eine Reihenhauszeile in der Dammerstocksiedlung mit acht zweigeschossigen Einfamilienhäusern (Baugruppe 12, Falkenweg 42-56), wobei er sich den architektonischen Vorgaben von Walter Gropius beugen musste. Als Mitinhaber des von 1932-1937 bestehenden Architekturbüros Rösiger & Scheuerpflug konnte Rösiger nach eigenen Vorstellungen 1934 das Wohnhaus Bergwaldstraße 21 in Durlach bauen.

Rösiger hatte den Vorsitz der Ortsgruppe Karlsruhe im Bund Deutscher Architekten (BDA) inne und plädierte in dieser Funktion für eine bauliche Gesamtplanung der Fächerstadt. Hierfür verfasste er einen Kommentar zum Entwurf des Generalbebauungsplans Karlsruhe. Seit 1931 Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) und mehrerer anderer NS-Organisationen, hatte Rösiger 1940-1944 die Bauleitung der staatlichen Bauverwaltung des Bezirks Weißenburg im Elsass inne.

Nachdem er 1948 von der Spruchkammer Karlsruhe als Mitläufer eingestuft und zur Zahlung einer Geldsühne verurteilt worden war, setzte er seine Tätigkeit als freier Architekt fort und zeichnete für den Wiederaufbau der Johanniskirche am Werderplatz (1949-1952) verantwortlich. 1950-1959 arbeitete Rösiger mit seinem Stiefsohn Günther Seemann zusammen, 1960-1963 mit Clemens Grimm. Gemeinsam mit Seemann plante er eine Reihe von Gebäuden in Baden, darunter die Gewerbeschule in Schwetzingen, die Landwirtschaftliche Schule in Ladenburg, die Handelsschule in Weinheim, das Sanatorium in Bad Krotzingen und das Gymnasium in Ettlingen.

In Karlsruhe entstanden nach ihren Plänen das Verwaltungsgebäude und das Büro- und Wohngebäude der Aachener und Münchener Lebensversicherung AG am Bahnhofplatz bzw. in der Karlstraße, das Verwaltungsgebäude der evangelischen Gemeinde Karlsruhe, das 1989 abgerissene evangelische Gemeindezentrum am Mühlburger Tor sowie die neue Kassenhalle der Städtischen Sparkasse Karlsruhe am Marktplatz. Zudem waren beide an der Planung des 1957 eröffneten gemeinsamen Verwaltungsgebäudes der Sparkasse und der Badischen Landesbausparkasse beteiligt. Mit Grimm realisierte Rösiger den Bau der Handelsschule in Bruchsal sowie für die TH Karlsruhe die Mensa und das Studentenhaus am Adenauerring. Darüber hinaus arbeitete er ab 1957 am Wiederaufbau des Neuen Schlosses in Stuttgart mit.

1956 bekam Rösiger vom Land Baden-Württemberg den Professorentitel verliehen. 1962 wurde er Ehrenmitglied des BDA.

René Gilbert 2014

Quellen

GLA 456 E/9765, 456 F 155/865, 465h/11843, 466-2/8019, StadtAK 8/ZGS Persönlichkeiten – Rösiger, Hans Detlev.

Werk

Durlach und Rastatt. Ein Beitrag zur Geschichte des Städtebaus in Deutschland, Diss. Karlsruhe 1924; Burgen und Schlösser im Enz- und Pfinzgau, in: Badische Heimat 12 (1925), S. 50-74; Das Schloß Karlsburg in Durlach, in: Badische Heimat 12 (1925), S. 268-274; Das Karlsruher Residenzschloß, in: Badische Heimat 15 (1928), S. 53-62; Zum Generalbebauungsplan von Karlsruhe, in: Der Städtebau 23. Jg. (1928), S. 104-108.

Literatur

Neues Bauen der 20er Jahre, Gropius, Haesler, Schwitters und die Dammerstocksiedlung in Karlsruhe 1929, hrsg. vom Badischen Landesmuseum Karlsruhe, Karlsruhe 1997, S. 63 f.; Philipp Lieser: Der Architekt Hans Detlev Rösiger, in: Dorothea Roos: Bauen in Baden. Architektur in Karlsruhe 1920-30, Ergebnisse eines baugeschichtlichen Seminars im Sommersemester 2005, Karlsruhe 2006, S. 165-172.