Ostansicht der Toranlage mit Hardtwald, um 1870, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVb 333.
Blick auf die Torhäuschen und die Christuskirche, um 1900, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIVc 16.
Blick von Nordosten auf den Mühlburger-Tor-Platz mit dem letzten verbliebenen Torhäuschen, 1955, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIIIb 42.
Blick in östliche Richtung, in der Bildmitte die Kreuzung Mühlburger Tor und Kaiserplatz, 1974, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 392/80.

Mühlburger Tor

Das Mühlburger Tor ist ein ehemaliges Karlsruher Stadttor. Seit der Gründung der Fächerstadt 1715 bildete es bis 1874 den westlichen Eingang zur Residenz. Dabei wechselte das Tor mehrmals den Standort. Zunächst befand es sich in der Langen Straße (heute Kaiserstraße) Ecke Waldstraße. 1783 wurde es auf die Höhe Kaiserstraße 136/138 verlegt, wobei schon damals geplant war, es noch weiter westwärts aufzustellen. Dies geschah schließlich 1820, als das Mühlburger Tor an der Westendstraße (heute Reinhold-Frank-Straße) seinen endgültigen Platz fand. Erbaut wurde es dort nach Plänen von Friedrich Weinbrenner im klassizistischen Stil mitsamt zwei gegenüberliegenden Wachhäuschen, die in den 1950er-Jahren abgerissen wurden. Hinzu kamen ein Gitterzaun und ein Schlagbaum. Westlich des Tors entstand mit der Zeit die Karlsruher Vorstadt, von der die Landstraße (heute Kaiserallee) nach Mühlburg führte.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts belebte eine rege Bauaktivität die westliche unmittelbare Umgebung des Mühlburger Tors. So ging dort 1846 das erste städtische Gaswerk in Betrieb, und 1865 siedelte sich auf dem danebenliegenden Grundstück die Brauerei Printz an. Die bedeutendste bauliche Veränderung stellte freilich die Eröffnung der Maxaubahn im Jahr 1862 dar. Am Mühlburger Tor begann auch die 1870 eröffnete Rheintalbahn nach Mannheim, deren Trasse auf der heutigen Riefstahl- und Erzbergerstraße verlief.

Diese verkehrstechnischen Neuerungen führten 1874 zum Abbruch des Tors und des Mühlburgertor-Bahnhofs. Das 1842 von Friedrich Fischer geschaffene Eisentor mit den Sandsteinpfeilern und den gekrönten gußeisernen Greifen steht seit der Bundesgartenschau 1967 zwischen dem Botanischen und dem Schlossgarten.

Die Platzbezeichnung Mühlburger Tor für den Raum an der Kreuzung Reinhold-Frank-Straße und Kaiserstraße bzw. Kaiserallee ist durch die gleichnamige Straßenbahnhaltestelle weiterhin geläufig. Markante Gebäude bzw. Denkmäler am Mühlburger Tor sind die Christuskirche, das Rathaus-West, das Kaiser-Wilhelm I.-Denkmal sowie das Leibdragonerdenkmal.

Nach Abschluss der Bauarbeiten für die Kombilösung soll am Mühlburger Tor ab circa 2019 eine Gleisrampe von der westwärts verlegten Haltestelle in den Stadtbahntunnel führen. Für Bahnen, die am Europaplatz in die Karlstraße abbiegen, bleiben auf oberirdischer Strecke zwei Gleise erhalten.

René Gilbert 2015

Quellen

StadtAK 1/H-Reg 1185, 1398, 4595, 4600; 6/BZA 7.

Literatur

Walther Huber: Das Mühlburger Tor, in: Die Stephanienstraße. Ein Stück Bau- und Kulturgeschichte aus Karlsruhe, Karlsruhe 1954, S. 87-95; Heinz Schmitt: Karlsruhe ehemals, gestern und heute – eine Stadt im Wandel der letzten 80 Jahre, Stuttgart 1992, S. 106 f.; Harald Ringler: Kaiserplatz, in: Stadtplätze in Karlsruhe, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe durch Manfred Koch, Karlsruhe 2013, S. 117-125, hier S. 117 f. (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 26); Harald Ringler: Mühlburger Tor, in: Stadtplätze in Karlsruhe, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe durch Manfred Koch, Karlsruhe 2013, S. 126-131 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 26).