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Hermann Stürer


Hermann Stürer

Geschäftsanzeige von Hermann Stürer, Volksfreund vom 7. Oktober 1920.
Geschäftsanzeige von Hermann Stürer, Volksfreund vom 7. Oktober 1920.

Musikalienhändler, Künstler- und Konzertagent, Geschäftsführer des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes (DVSTB), * 12. März 1887 Karlsruhe, † 3. Juli 1945 Metz, kath., ∞ 1. Ehe Frida Gottmann 21. Oktober 1919, 2. Ehe 17. Juni 1924 Friederike Katharina Wächter, o/o.

Der Sohn des gleichnamigen Großherzoglichen Oberbuchhalters bei der Generalstaatskasse Hermann Stürer absolvierte eine Ausbildung als Kaufmann und gehörte der Freiwilligen Sanitätskolonne des Männerhilfsvereins Karlsruhe an. Als einziger Badener brach er mit einer Freiwilligen Sanitätskolonne am 4. März 1905 von Berlin nach Deutsch-Südwestafrika auf und arbeitete dort in verschiedenen Lazaretten bis zum 4. Oktober des Jahres. Seit 1912 betrieb er zunächst in der Lenzstraße 3, seit 1913 in der Waldstraße 20, eine Musikalienhandlung, die mit einer Künstler- und Konzertagentur verbunden war. Unter anderem ließ er Werke des Komponisten und Kapellmeisters Philipp Rypinski drucken.

Nach dem Ersten Weltkrieg 1919 übernahm er die Geschäftsführung der Ortsgruppe des antisemitischen und nationalistischen DVSTB, der 1922 in Baden verboten wurde. Beruflich firmierte er 1926 als Magnetograph und engagierte sich in der aus den USA nach Europa gekommenen Neugeist-Bewegung, die 1934 in Baden verboten wurde. Kurz zuvor war im Juni 1934 noch das von Stürer verfasste Mysterienspiel Atlantis in der Hebelschule vorgetragen worden. Stürer bezeichnete sich inzwischen als Schriftsteller. Der Hindenburg-Verehrer verfasste auch Gedichte auf den Reichspräsidenten, trat aber politisch nach dem Verbot des DVSTB nicht mehr in Erscheinung. Gegen Ende des Krieges war er beim Volkssturm, geriet in französische Kriegsgefangenschaft und kam in ein Lager nach Metz, wo er am 3. Juli 1945 verstarb.

Ernst Otto Bräunche 2026

Quellen

StadtAK 3/B Standesbücher; Adressbücher der Stadt Karlsruhe 1920-1945, https://digital.blb-karlsruhe.de/topic/view/485648 (Zugriff am 14. April 2026); Karlsruher Zeitungen u. a. Volksfreund vom 7. Oktober 1920, Badische Presse vom 6. Juni 1935.

Literatur

Lothar Heinle: Philipp Rypinsky (1884-1945), Heilbronn 2019 (= Heilbronner Biographien Bd. 4 und Online Publikationen des Stadtarchivs Heilbronn Bd. 35).