Litfaßsäule Ecke Rüppurrer Straße/ Schützenstraße, nach 1894, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIIIb 265.
Übergabe der Jugendstil-Litfaßsäule mit Transformatoren-Station vor den Stadtwerken Karlsruhe, Daxlander Straße 72, am 16. September 1982, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A44/65/3/12.

Litfaßsäule

Bis heute finden sich in Karlsruhe Litfaßsäulen mit einer Jugendstilhaube, die unter Kunsthistorikern als eine der besten Lösungen ihrer Zeit gilt. Europaweit ist diese Litfaßsäile auch die Einzige, die echte Jugendstilformen aufgegriffen hat. Ob der Entwurf für die signifikante Haube aber - wie lange angenommen - von dem Architekten Friedrich Ratzel (1869-1907) stammt, ist nicht nachgewiesen.

Erste Plakatsäulen waren schon 1855 in Berlin aufgestellt worden. Die nach ihrem Erfinder Litfaßsäulen benannten Straßenmöbel sollten der verbreiteten Unsitte Einhalt gebieten, Bekanntmachungen und Anschläge aller Art nach Belieben an Straßenecken, Wänden oder Bäumen anzubringen. In Karlsruhe dauerte es noch bis 1879, ehe sich die Stadt entschloss, dem Zeitungsbesitzer Friedrich Gutsch die Erlaubnis zu erteilen, Plakattafeln an öffentlichen und privaten Häusern anzubringen.

Die 1855 gegründete Firma Haasenstein & Vogler, die zu den größten europäischen Annoncenexpeditionen zählte, hatte seit 1879 eine Filiale in Karlsruhe. Sie verpflichtete sich 1894 gegenüber der Stadt, binnen kurzer Zeit 30 Plakatsäulen, darunter vier auf dem Markplatz und sieben weitere auf der Kaiserstraße, aufzustellen. Den Auftrag zur Produktion der Säulen erhielt die Karlsruher Firma Dyckerhoff & Widmann, die die ersten Säulen bis Anfang Dezember 1894 fertig gestellt hatte. Die Hauben waren allerdings noch nicht mit einem Zierschmuck, sondern mit einer Schuppendeckung versehen. Die ersten Säulen mit der Jugendstilhaube wurden vermutlich nach der Jahrhundertwende verschönert.

Die Karlsruher Litfaßsäulen verbargen bis weit in Nachkriegszeit auch zu einem großen Teil Transformatorenstationen des 1901 begründeten städtischen Elektrizitätswerkes und folgten damit dem Berliner Vorbild Litfaß, dessen Säulen auch als Brunnenumhüllung oder als versteckte Pissoirs dienten. 2015 stehen noch zehn Plakatsäulen mit der Karlsruher Haube im Stadtgebiet, eine davon bei den Stadtwerken an der Daxlander Straße mit einem Transformator im Inneren, der allerdings nicht mehr in Betrieb ist.

Ernst Otto Bräunche 2012/15

Quellen

Datenbank der Kulturdenkmale. Blechhauben Litfaßsäulen, https://web1.karlsruhe.de/db/kulturdenkmale/detail.php?id=01928 (Zugriff am 5. Februar 2016).

Literatur

Ernst Otto Bräunche, Die ersten Plakatsäulen in Karlsruhe, in: Blick in die Geschichte. Karlsruher stadthistorische Beiträge Bd. 5 2008-2013, hrsg. von Manfred Koch, Karlsruhe 2013, S. 282-284, http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/blick_geschichte/blick87/blickpunkt.de (Zugriff am 5. Februar 2015).