Brauerei Hoepfner, Ansicht von Norden, um 1900, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVf 27.
Brauerei Hoepfner, Kaiserstraße 14, rechts Hauptgebäude der Technischen Hochschule, um 1900, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVd 117.

Brauerei Hoepfner (heute Privatbrauerei Hoepfner)

1798, im offiziellen Gründungsjahr der Brauerei Hoepfner, kaufte der Liedolsheimer Pfarrer Friedrich Hoepfner seinem Sohn Karl Friedrich Gottlieb ein Grundstück, auf dem dieser ab 1802 eine Wirtschaft mit eigenem Bierausschank betrieb. 1825 übernahm der jüngere Sohn Heinrich den im selben Jahr von Liedolsheim nach Linkenheim verlegten Betrieb, während der ältere Sohn Jakob Friedrich ab 1838 in Eggenstein eine Brauerei aufbaute. Letzterer ließ sich 1850 als Bierbrauer in der Residenzstadt Karlsruhe nieder, wo er die insolvente Brauerei von August Schmieder in der Langen Straße 16 (heute Kaiserstraße 14) übernahm. Am 8. Mai 1851 wurde erstmals Hoepfner-Bier im angeschlossenen Lokal ausgeschenkt.

Bis 1861 war die Brauerei ein Handbetrieb. Die Anschaffung eines Göpelwerks 1861 sowie die Anlage eines Eiskellers auf dem Anwesen in der Langen Straße statt des bisherigen Lagerraums in einem Durlacher Felsenkeller führte 1863 zu einer ersten Arbeitserleichterung des Brauereigeschäfts und einer Jahresproduktion von 2.000-3.000 Hektolitern Bier.

Unter Friedrich Hoepfner, der 1872 den väterlichen Betrieb übernahm, vollzog sich die Umwandlung der Brauerei in ein industrielles Unternehmen. Erste Neuerungen führte Friedrich Hoepfner noch am bisherigen Standort 1875 und 1882 mit der Anschaffung von Dampfkesseln, Dampfmaschinen, größeren Braukesseln, einer modernen Darre et cetera durch, wodurch der Bierausstoß in den 1880er-Jahren bis auf 48.421 Hektoliter und in den 1890er-Jahren bis auf 60.000 Hektoliter anstieg. Um die stetig wachsende Nachfrage nach Bier weiterhin bedienen zu können, war eine Vergrößerung und Modernisierung unabdingbar. Bereits 1872 hatte Hoepfner ein großes Areal auf Rintheimer Gemarkung (Gewann Brohrein) erworben und dort einen Eis- und Bierkeller angelegt, der 1880/81 um das Vierfache vergrößert und um eine Schwenkhalle mit Laderäumen und große Speicherräume erweitert worden war.

Nachdem 1887 das Rintheimer Gelände nach Karlsruhe eingemeindet worden war, der regionale Bierabsatz der Brauerei auf mehrere Jahre gesichert schien und der überregionale Absatz gerade zu expandieren begann, nahm Friedrich Hoepfner das Neubauprojekt in Angriff. Von 1896-1899 entstand nach Plänen von Johann Hantschel und Bernhard Koßmann eine neue Brauerei-Anlage in der Karl-Wilhelm-Straße 42 (heute Haid-und-Neu-Straße 18). Sowohl der Hauptkomplex, bestehend aus Maschinen-, Sud-, Darren-, Mälzerei- und Verwaltungsgebäude, als auch der über eine Toranlage mit Portierloge verbundene Bierwirtschaftstrakt Burghof sind in Pfinztaler Sand- und Maulbronner Haustein ausgeführt und verbinden in ihrer stilistischen Gestaltung Formen der mittelalterlichen Burgenarchitektur mit Elementen der Renaissance und des Jugendstils. Die beiden Bierstuben und der große Bühnensaal waren mit Holzvertäfelungen, aufwändigen Wandmalereien (Hellmuth Eichrodt, im Zweiten Weltkrieg teilzerstört), Jugendstilfenstern und ‑leuchten sehr dekorativ ausgestattet und boten einschließlich des Restaurationsgartens 2.000 Gästen Platz.

Neben dem Burghof blieb der Kaiserhof am Marktplatz Hauptausschankstätte (ab 1898), weitere Gaststätten mit Hoepfner-Ausschank waren die Alte Brauerei in der Kaiserstraße, Zur Hansa am Rheinhafen und der Grüne Baum beim Durlacher Tor. 1904/05 entstand auf dem Firmenareal noch die von Curjel & Moser entworfene "Villa Hoepfner". 1921 übernahm Fritz Hoepfner das väterliche Unternehmen, das seit 1930 als Privatbrauerei Hoepfner firmiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg bauten er und sein Sohn Albrecht den von Luftangriffen verschont gebliebenen Betrieb wieder auf. 2001 schloss sich die Malzfabrik Hoepfner mit Palatia Malz zur Bestmalz AG Heidelberg zusammen. Unter der Leitung von Friedrich Georg Hoepfner wurde die Brauerei 2004 an die Brau Holding International (BHI) in München verkauft. Nur die Immobiliengesellschaft Hoepfner Bräu befindet sich heute noch in Familienbesitz.

Katja Förster 2014

Literatur

Friedrich Hoepfner: 1802-1900. Die Entwicklung der Brauerei Fr[iedrich] Hoepfner Karlsruhe. Ein Beitrag zur Geschichte der Industrie in unserer Stadt, Karlsruhe 1900; Die Hochburg der Braukunst. 200 Jahre Hoepfner 1798-1998, hrsg. von Friedrich Georg Hoepfner, Karlsruhe 1998; Barbara Guttmann: Hopfen & Malz. Die Geschichte des Brauwesens in Karlsruhe. Mit Beiträgen von Thomas Meyer und Erik Neumann, hrsg. von der Stadt Karlsruhe – Stadtarchiv, Karlsruhe 1998 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 19) https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv/HF_sections/content/ZZmoP4J3sb0PAe/Hopfen%20und%20Malz.pdf (Zugriff am 27. Dezember 2020); http://www.hoepfner-braeu.de (Zugriff am 5. Februar 2014).