Die Karlsruher Malzfabrik K.H. Wimpfheimer GmbH, 1950, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVf 223.
Die Karlsruher Malzfabrik K.H. Wimpfheimer GmbH, 1976, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 174/250.

Malzfabrik K. H. Wimpfheimer

Zu Beginn der 1860er-Jahre führten die jüdischen Gebrüder Wimpfheimer im Kraichgauort Ittlingen ein Agrarproduktegeschäft. Teilhaber Kaufmann Hirsch Wimpfheimer (1807-1877) machte sich 1867 – laut letztem Firmeninhaber – unter seinem Namen noch dort selbstständig und ging unmittelbar danach nach Karlsruhe. Den Handel mit Getreide in seinem Geschäft, anfangs in der Zähringerstraße 34, erweiterte er 1888 mit dem Bau einer Malzfabrik in Mühlburg in der Hardtstraße 46 (später Nr. 64), 1897 vergrößert. Standortvorteil bot der an der städtischen Bahnlinie Karlsruhe–Maxau vorhandene Gleisanschluss für die Getreidezulieferung aus dem Rheinhafen und den Produktversand. Nach seinem Tod führte der Sohn Karl Wimpfheimer (1842-1906) die Geschäfte der Firma Malzfabrik K.H. Wimpfheimer OHG fort. Neben Karl Wimpfheimer waren Albert Wimpfheimer und Isaak Eichtersheimer Teilhaber der Gesellschaft.

Der Schwerpunkt lag auf der Malzfabrikation. Der Getreidehandel wurde auch bis zuletzt betrieben. Das Geschäftsmodell gründete auf dem großen Bedarf an Malz der seit dem Ende des 19. Jahrhunderts im Karlsruhe der beschleunigten Industrialisierung entstandenen großen, industriellen Brauereien. Zwar hatten diese meist eigene Mälzereien, doch war der Bedarf stets größer. Die Firma expandierte und belieferte Brauereien in der gesamten Region, exportierte auch in das Ausland. Karl Wimpfheimers Sohn Eugen (1875-1946) trat früh in die Firma ein, erhielt 1903 Prokura und wurde 1904 offiziell Mitinhaber, nach Auflösung der OHG 1919 war er der alleinige Inhaber der Malzfabrik K.H. Wimpfheimer.

Die Bedeutung der Fabrik, in der 1926 noch eine Rösterei eingerichtet wurde, spiegelte sich in Eugen Wimpfheimers Verbandsarbeit wider, so war er in den 1920er-Jahren Vorsitzender der "Vereinigung süddeutscher Malzfabriken e.V." und Vorstandsmitglied vom "Bund Deutscher Malzfabriken". Das Büro der Fabrik wurde nach Stilllegung der Bahnlinie unter Beibehaltung der Gleisanlagen im Alten Mühlburger Bahnhof eingerichtet. Die NS-Zeit führte zu einem massiven Geschäftseinbruch. Die Malzproduktion von 28.630 Doppelzentnertonnen im Geschäftsjahr 1933/34 fiel bis 1936/37 um fast die Hälfte. Der besonders starke Druck zur "Arisierung" in der Brauerei- und Malzindustrie veranlasste den Firmeninhaber zum 1. September 1937 die Umgründung zur "Karlsruher Malzfabrik Lautenbacher & Co KG". Der seit 1922 als Prokurist tätige Nichtjude Hermann Lautenbacher wurde mit einem Anteil von 25.000 Reichsmark geschäftsführender Gesellschafter, Eugen Wimpfheimer mit einem Anteil von 75.000 Reichsmark nur noch Kommanditist. Diese Regelung galt dem NS-Regime nicht als ausreichende "Arisierung", so dass Eugen Wimpfheimer zum 1. April 1939 als Kommanditist ausschied. Dafür stieg Karl Melcher aus Blankenloch mit 50.000 Reichsmark ein. Eugen Wimpfheimer erhielt für den Verkauf seiner Fabrik 225.000 Reichsmark der mit Einheitswert von 325.000 Reichsmark angesetzten Fabrik, über die er jedoch nicht verfügen konnte. Die Familie lebte bereits in Basel, von wo die Ehefrau Clemence stammte. Die Schweizer Staatsbürgerschaft wurde ihm jedoch bis zuletzt verweigert.

Lautenbacher führte die Firma nach 1945 treuhänderisch, eine bereichernde "Arisierung" hatte nicht vorgelegen. Nach Lautenbachers und Melchers Tod 1946 und 1947 sowie Eugen Wimpfheimers Tod 1946 führten die Erben die Restitutionsverhandlungen. Die Malzfabrik wurde 1949 im Gesellschaftervertrag zur "Karlsruher Malzfabrik K. H. Wimpfheimer GmbH". Die Wimpfheimer-Erben, inzwischen alle in den USA, hielten den größten Anteil am Stammkapital und stellten mit Carl Friedrich Wimpfheimer (1920-?) den Firmenchef. Die Firma wurde in der "Wirtschaftswunderzeit" modernisiert mit ganzjährigem Betrieb, nicht wie vor 1939 als Saisonbetrieb. Das Absatzgebiet ging über Deutschland hinaus nach Europa und Übersee. Ein neues Wohn- und Geschäftshaus neben dem Firmenareal entstand. Zugleich nahmen seit den 1950er-Jahren die Beschwerden aus der sich immer dichter an das Firmenareal anschließenden Wohnbebauung wegen Geruchs- und Lärmbelästigung zu. Eine angedachte Umsiedlung in den Rheinhafen kam nicht zustande, weil die Stadt kein Grundstück mit Wasseranschluss zur Verfügung stellen konnte. Deswegen erteilte die Stadt nach zweijährigem Tauziehen 1964 die Baugenehmigung für ein neues 45 Meter hohes Silogebäude. 1966 feierte Carl Friedrich Wimpfheimer das 100-jährige Jubiläum seines Familienunternehmens.

1980 beschäftigte die Fabrik noch zwölf Arbeiter und acht Angestellte. Die eigenen Produktionskosten waren jedoch höher als der Ankauf und Vertrieb von Malz anderer Erzeuger. So wurde 1980 der Beschluss gefasst, den Handel künftig über die Tochterfirma Merkur Malz fortzuführen, die Fabrik zu schließen und das Firmengelände gewinnbringend zu veräußern. 1982 wurde der Betrieb stillgelegt und 1983 begann der Abriss der Gebäude. Auf dem Areal entstanden großzügige Wohnbauten.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2016

Quellen

StadtAK 1/H-Reg 10624; 8/ZGS; GLA 480/12109 (Wiedergutmachungsakte Eugen Wimpfheimer).

Literatur

Marco Wottge: "Arisierung" in der Zeit des Nationalsozialismus in Karlsruhe, Karlsruhe 2020 (= Forschungen und Quellen zur Stadtgeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 20).