St. Bonifatius mit Pfarrhaus, Nordostansicht, um 1910, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVc 16.

St. Bonifatius

Nach St. Stephan, Unserer Lieben Frau und St. Bernhard stellte die von 1905-1908 erbaute Pfarrkirche St. Bonifatius an der Sofienstraße 127 die vierte katholische Kirche in Karlsruhe dar. Mitte der 1890er-Jahre zählte die Weststadt zwar bereits 4.000 Katholiken, aber wegen des gerade begonnenen Baus von St. Bernhard musste man sich hier auf den Erwerb eines 5.919 Quadratmeter großen, zwischen der Goethe- und Sofienstraße gelegenen Bauplatzes sowie der Errichtung einer Notkirche beschränken. Die hölzerne Behelfseinrichtung nahm am 4. Dezember 1898 ihren Betrieb auf. Kurz zuvor, am 21. November, war durch Erlass des erzbischöflichen Ordinariats die Pfarrkuratie St. Bonifatius gegründet worden.

Da die zukünftige Monumentalkirche auf dem vorgesehenen Bauplatz sowohl an ihrer West- als auch Ostseite von Wohnhäusern zugebaut gewesen wäre, beschloss der Stiftungsrat im Frühjahr 1901, den Bauplatz zu veräußern und an der Kreuzung von Schiller- und Sofienstraße ein neues, 5.570 Quadratmeter großes Baugelände zu kaufen. Am 17. September 1903 genehmigte das Erzbischöfliche Ordinariat die Anfertigung eines Planentwurfs, den der Leiter des Erzbischöflichen Bauamts in Karlsruhe, Bauinspektor Johannes Schroth, bereits im November vorlegte. Nach Sicherung der Kostendeckung erteilte das Ordinariat am 19. Januar 1905 die Baugenehmigung. Am 5. Juni 1905 erfolgte der erste Spatenstich, am 4. Juni 1906 die feierliche Grundsteinlegung am linken Chorpfeiler sowie am 18. Oktober 1908 die Konsekration durch den Erzbischof in Anwesenheit von Großherzog Friedrich I. und seiner Gattin Luise. Am 14. Juni 1909 wurde die rund 6.700 Katholiken zählende Gemeinde zur Pfarrei erhoben.

Als Pendant zur neogotischen Pfarrkirche St. Bernhard im Osten konzipiert, wurde bei St. Bonifatius der neoromanische Stil gewählt, wobei Schroth, dem damaligen Zeitgeist folgend, vereinzelt auch Jugendstil-Elemente einfließen ließ. Die Verbindung von Historismus und Jugendstil hatte die Architektengemeinschaft Curjel & Moser bereits bei der Christuskirche am Mühlburger Tor und der Lutherkirche in der Oststadt angewandt. Bei letzterer war erstmals das Pfarr- und Gemeindehaus an die Kirche angebaut worden, eine Konzeption, die auch Schroth beim vierstöckigen Pfarrhaus aufgriff.

Die Kirche, die über rund 1.150 Sitz- und 2.350 Stehplätze verfügt, besteht aus einem dreischiffigen Langhaus, an das ein einfaches Querhaus und ein halbkreisförmiger Chor (Hochaltar) mit Chorumgang (fünf Seitenaltäre) anschließen. Der Wandaufriss des Mittelschiffs mit Arkaden, Triforium und Obergaden wird in modifizierter Form im Querhaus und Chor fortgeführt, wobei an den Stirnseiten des Querhauses Emporen angebracht sind, die von je einer Fensterrose erhellt werden. An der Innenausstattung der Kirche, die aus neun Altären, einer Kanzel, einem Taufbecken, 12 Apostelfiguren, 14 Steinreliefs des Kreuzwegs sowie dekorativen und figürlichen Malereien aus dem Leben des heiligen Bonifatius und der Offenbarung des Johannes bestand, waren Künstler aus Karlsruhe, Freiburg, München und Überlingen tätig. Zu den Karlsruher Künstlern zählten Hofbildhauer August Schädler (Hochaltar, Kanzel, Kreuzweg, Apostelfiguren, Tympanafelder, Bonifatiusstatue vor der Kirche), Kunstmaler Franz Rieger (dekorative und figürliche Malerei, farbige Fassung und Vergoldung der Skulpturen) und Glasmaler Hans Drinneberg (Glasmalereien). Die Orgel hatte die Durlacher Fabrik für Orgelbau H. Voit & Söhne hergestellt und die sieben Glocken mit Glockenstuhl und Armierung die Karlsruher Gießerei der Gebrüder Bachert.

Bei Bombenangriffen am 27. September und 4. Dezember 1944 wurden Dach, Gewölbe, Langhaus und Orgel zerstört. Noch 1945 begann der Wiederaufbau der Kirche, der 1950 mit der Schieferdeckung des Daches abgeschlossen war. 1963 wurden die Rosen des Querhauses durch farbige Glasmalereien von Franz Dewald ersetzt. Im Rahmen der umfassenden Innenrenovierung von 1978-1980 fertigte Valentin Feuerstein die Deckengemälde mit Darstellungen des Alten und Neuen Testaments an. Der Bildhauer Frido Lehr schuf den schlichten Altar in der Vierung als neuen Mittelpunkt für die Eucharistie. 2011-2013 erfolgte eine umfassende Außensanierung.

Katja Förster 2013

Quelle

"Geschichte der Kirche sollte sichtbar bleiben". Renovierung von St. Bonifatius nahezu abgeschlossen, in: Badische Neueste Nachrichten, 19. Oktober 2013, S. 31, StadtAK 8/Ze 15.

Literatur

100 Jahre St. Bonifatius Karlsruhe. 1908-2008, hrsg. vom Förderverein Kirchenrenovierung St. Bonifatius e. V., Karlsruhe 2008; Hans Huth: Katholische Stadtpfarrei St. Bonifatius Karlsruhe-Weststadt, München 1983; Günter Frank [u. a.] (Hrsg.): Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge, Ubstadt-Weiher 2015, S. 88-90.