Aufstellung und Bepflanzung der ersten Blumenschale auf dem Werderplatz durch den Bürgerverein der Südstadt als Auftakt zum diesjährigen Blumenschmuckwettbewerb, links Vereinsvorsitzender Karl Hummel beim Begießen der Blumenschale, vorne rechts an der Blumenschale Stadtrat Willi Kastin, 1968, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A15/177/7/30.

Bürgerverein Südstadt

Der Bürgerverein Südstadt (offiziell: Bürger-Gesellschaft der Südstadt e. V.) ist die Interessenvertretung der Bewohnerinnen und Bewohner des Karlsruher Stadtteils Südstadt. Sein Zweck besteht laut Satzung in der Förderung des Umwelt-, Landschafts- und Denkmalschutzes und des Heimatgedankens, der Jugend- und Altenhilfe sowie in der Wahrnehmung der allgemeinen Interessen der Südstadtbürger.

Der Bürgerverein der Südstadt wurde am 26. November 1888 im Gasthaus Grießlichs Weinstube in der Werderstraße von zwölf Männern gegründet. Er ist somit der älteste Bürgerverein in Karlsruhe. Zum Gründungsvorsitzenden wurde der Fabrikant Hermann Holst gewählt. Anlass der Gründung war die von den Bewohnern der Südstadt gefühlte Vernachlässigung durch die Stadtverwaltung und die Nichtbeachtung der Probleme im Stadtteil, zu denen insbesondere die Verkehrsverhältnisse an den Bahnübergängen Ettlinger und Rüppurrer Tor sowie die Trennung der Südstadt vom Stadtzentrum durch den Hauptbahnhof und die Bahnlinie gehörten. Bereits im zweiten Jahr seines Bestehens erhielt der Bürgerverein mit dem Revisor Christian Zimmermann einen neuen Vorsitzenden. Als Vereinslokal wurde die Gaststätte Zum Badischen Hof in der Bahnhofstraße (heute Baumeisterstraße) Ecke Marienstraße bestimmt. Aufgaben, denen sich der Bürgerverein in dieser Zeit besonders widmete, waren der Bau einer weiteren Schule und die Errichtung einer Poststelle. 1893 übernahm Karl Boos das Amt des Vorsitzenden, 1901 folgte der Revisor Wilhelm Merkle. Der Verein hatte damals 154 Mitglieder.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in der Südstadt die wichtigste Aufgabe, da das Ettlinger Tor und das Rüppurrer Tor als einzige Verkehrsverbindungen in die Innenstadt die meiste Zeit des Tages durch geschlossene Bahnübergänge gesperrt waren. Unter anderem der Einsatz der Bürgergesellschaft bewirkte schließlich, dass der badische Landtag am 13. Juni 1902 die Summe von 8 Millionen Mark für einen Neubau des Hauptbahnhofs bereitstellte, dessen Eröffnung etwa einen Kilometer südlich des alten im September 1913 gefeiert werden konnte. Außerdem konnte im Oktober 1902 in der Nebeniusstraße der Neubau der Nebeniusschule eingeweiht werden.

Nach dem Ersten Weltkrieg drängte der Bürgerverein auf eine weitere Verbesserung des stadtteilbezogenen Verkehrs, wozu der Ausbau der Straßenbahnlinie durch die Rüppurrer Straße, die Inbetriebnahme der Tramstrecke nach Beiertheim sowie die Verbindung von der Kriegsstraße über die Kapellenstraße Richtung Hauptfriedhof zählten. Zu dieser Zeit amtierte der Architekt W. Moser als Vorsitzender. 1924 übernahm Karl-Heinz Kögele dieses Amt. Weitere wichtige Aufgaben des Bürgervereins in den 1920er-Jahren waren insbesondere der Bau einer Brunnen- und Abortanlage auf dem Werderplatz und die Einrichtung einer 3. Höheren Mädchenschule in der Karl-Wilhelm-Schule. Als einer der wenigen Karlsruher Bürgervereine konnte der Bürgerverein der Südstadt eine Auflösung durch die Nationalsozialisten vermeiden, weil er kein eingetragener Verein (e.V.) war. Dennoch musste er seine Aktivitäten bis Kriegsende einstellen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Karl-Heinz Kögele erneut das Amt des Vorsitzenden, das er bis 1953 innehatte. Ihm folgten der Verwaltungsamtmann Emil Rotter (bis 1959) und Otto Weber (1959/60). Mit der Wahl des Kaufmanns Karl Hummel zum neuen Vorsitzenden 1960 wurde der Bürgerverein Ausrichter von Frühlings-, Herbst- und Winterfeiern. Außerdem erschien im September 1960 erstmals und bis 1977 unregelmäßig das Mitteilungsblatt „Rund um den Indianerbrunnen“ (RUDI, bis 2013), das seitdem „Rund um den Indianerbrunnen und um den Wasserturm“ heißt. Damit wurde dem Bau der Südstadt-Ost Rechnung getragen, wo ein ehemaliger Wasserturm an das Ausbesserungswerk der Eisenbahn erinnert. Darüber hinaus konnte der Bürgerverein Erfolge in der Verbesserung der Infrastruktur der Südstadt wie die Fertigstellung der Turnhalle in der Uhlandstraße (1965) und die Fertigstellung der Unterführung an der Ettlinger Straße erreichen. Bedingt durch den Abriss der Markthalle kam es in den 1970er-Jahren allerdings zu einer ständig veränderten Verkehrssituation.

Unter Klaus Kögele als Vorsitzendem (bis 1985) wurden 1979 das Südstadt-Bürgerfest und später der 1. Mai-Radfahr- und Wandertag und das Südstadt-Festival ins Leben gerufen. 1986-2003 amtierte Hans-Joachim Kögele als Vorsitzender. Unter dem Aspekt der Verkehrssicherheit sprach sich der Bürgerverein in seiner Amtszeit erfolglos gegen den Umbau des Tivoli mit Wendeschleife für die Straßenbahn aus. Während der Amtszeiten der Vorsitzenden Ralph Zielosko (2003-2011) und Martina Hillesheimer (seit 2012) kam es zur Erschließung und Bebauung des im östlichen Teil der Südstadt gelegenen Geländes des ehemaligen Bundesbahn-Ausbesserungswerks. In dem früheren Kantinengebäude befindet sich seit 2001 das Bürgerzentrum der Südstadt Südwerk als Verbindungsglied zwischen alter und neuer Südstadt. Darüber hinaus entstanden auf diesem Areal bis zum Abschluss der Arbeiten 2015 das Quartier City Park mit Wohn- und Geschäftsräumen, Grünflächen und Spielplätzen.

René Gilbert 2019

Quellen

StadtAK 8/StS 20/769; Homepage des Bürgervereins Südstadt, http://www.bg-suedstadt.de (Zugriff am 20. Mai 2019).

Literatur

Chronik unseres Stadtteils 1888-1988. 100 Jahre Bürger-Gesellschaft der Südstadt e. V. Karlsruhe. Ein Rückblick über 100 Jahre gesellschaftliche Arbeit zum Wohle der Bürger, Karlsruhe 1988; Rund um den Indianerbrunnen und um den Wasserturm 1960, 1977-2019.