Ausschnitt aus einem Bericht über den Einsatz der Badenwacht am 2. März 1933, Badischer Beobachter vom 3. März 1933.

Badenwacht

Die Badenwacht entstand Anfang 1931 als Schutzorganisation des Zentrums nach dem Vorbild der Ende 1930 von der Bayerischen Volkspartei gegründeten Bayernwacht, als in der Endphase der Weimarer Republik die Störaktionen der erstarkenden Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) bei Versammlungen und Veranstaltungen der anderen Parteien deutlich zunahmen. Geleitet wurde die Karlsruher Badenwacht von dem Generalsekretär des Zentrums für Karlsruhe und Mittelbaden, dem späteren Verleger der Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) Wilhelm Baur. Organisiert war sie in stadtteilbezogenen Kompanien. Bei einer Wahlversammlung des Zentrums im Rahmen des Wahlkampfs vor der Reichspräsidentenwahl am 11. März 1932 sollen 650 Männer der Badenwacht die Veranstaltung in der Festhalle begleitet haben.

Unter dem Motto „Für Gott und die Heimat“ standen Geländeübungen und Kampfsport bei den wöchentlichen Treffen der Mitglieder im Vordergrund. Auch die Uniformierung – schwarze Hose, Jacke und Schildmütze, weißes Hemd mit einer gelb-rot-gelben Armbinde in den Landesfarben und einem stilisierten B – machten die Badenwacht zu einer paramilitärischen Einheit. Mit deren Gründung zog sich das Zentrum aus dem gemeinsam mit der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) und der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) getragenen Reichsbanner zurück. In der Endphase der Weimarer Republik wurde die Badenwacht zu einem wichtigen Element der Veranstaltungen des Zentrums. Zur Abschlussversammlung des Karlsruher Zentrums vor der Reichstagswahl am 2. März 1933 kamen aus dem ganzen Land 2.700 Mann der Badenwacht.

Doch auch die Badenwacht konnte die Machtübernahme der NSDAP letztlich nicht aufhalten. Nachdem die Bayernwacht bereits im März aufgelöst worden war, verboten die neuen nationalsozialistischen Machthaber in Baden die Badenwacht erst am 16. Juni 1933, allerdings noch kurz vor der reichsweiten Auflösung der Zentrumspartei.

Ernst Otto Bräunche 2021

Quelle

Badischer Beobachter, StadtAK 8/Ze 5, https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/6340802 (Zugriff am 19. Februar 2021).

Literatur

Michael Kitzing: Für den christlichen und sozialen Volksstaat. Die Badische Zentrumspartei in der Weimarer Republik, Düsseldorf 2013, S. 331 (= Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien Bd. 163); Jürgen Schmiesing: 1933 - Die Gleichschaltung des politischen Katholizismus in Baden. Ein Beitrag zur Geschichte der nationalsozialistischen Machtübernahme, Karlsruhe 2013 (= Europäische Kultur und Ideengeschiche. Studien Bd. 7) https://books.google.de/books?id=GdCHBQgvfYkC&pg=PA47&lpg=PA47&dq=Badenwacht&source=bl&ots=EMaalh3xFk&sig=ACfU3U0eNoabdChS2gDIUDtQB-yU5t-A_w&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwjl_JzSlYLwAhWI_7sIHUAYB38Q6AEwCHoECAkQAw#v=onepage&q=Badenwacht&f=false (Zugriff am 17. April 2021).