Hofseite der neuen Feuerwache mit Feuerwehrfahrzeugen in der Ritterstraße 48, 1927, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVa 183.
Steigturm der Hauptfeuerwache, 2007, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Erbacher 2094.

Städtische Feuerwache (Hauptfeuerwache)

Nach einem Brand in der Seminarstraße im Februar 1891, bei dem zwei Menschen ums Leben gekommen waren, ließ die Stadt durch das Städtische Hochbauamt unter Leitung von Wilhelm Strieder im nördlichen Hofbereich der Gewerbeschule im Zirkel 22 mit Zugang von der Kreuzstraße eine Feuerwache mit Wachlokal, Telefonzimmer, Remise mit Pferdestall und Abortanlage errichten. Ab 1908 war die Wache unter dem Kommando der Freiwilligen Feuerwehr tagsüber mit sechs und nachts mit acht Mann besetzt. Aus der ständigen Feuerwache, die kurz darauf auch noch die Aufgaben einer Rettungswache übernahm, entwickelte sich die städtische Berufsfeuerwehr, die am 20. Dezember 1926 von der Deutschen Feuerversicherungs-Vereinigung offiziell anerkannt wurde. Die Feuerwache war bereits 1912 nach Plänen des damaligen Leiters des Städtischen Hochbauamts, Friedrich Beichel, um ein Obergeschoss (Aufenthalts-, Telefonraum, Schlafsaal mit 12 Pritschen, Bad) erweitert worden, damit im Erdgeschoss der Krankenwagen und der Mannschafts- und Gerätewagen untergestellt werden konnten.

Querelen zwischen der Freiwilligen Feuerwehr und der Feuerwache, deren Feuerwehrmänner seit 1920 im Beamtenverhältnis standen, und die bis 1923 andauernde Inflation machten trotz unhaltbarer räumlicher und hygienischer Zustände einen Neubau der Feuerwache unmöglich. Als die Stadt 1924 endlich erste Neubauprojekte in Angriff nahm, gehörte auch die Feuerwache dazu. Das von der Renck-, August-Dürr-, Ritter- und Mathystraße gesäumte Grundstück war bereits 1923 durch Tausch in städtischen Besitz übergegangen. Wieder zeichnete Stadtbaudirektor Friedrich Beichel für die Planung verantwortlich. Allerdings war die Lage des Hauptgebäudes entlang der Ritterstraße und dessen Fassadengestaltung an den 1924/25 von Hermann Billing erstellten Bebauungsplan des Ettlinger-Tor-Platzes und Festplatzes gebunden, welcher auch das Areal zwischen der Rüppurrer Straße im Osten und der Ritterstraße im Westen miteinbezog.

Beichel, der vorab einige neuere Feuerwachen in deutschen Städten besichtigt hatte, erweiterte das Billing-Ensemble von Feuerwache und zweiflügeligem Werkstattgebäude noch um zwei viergeschossige Doppelwohnhäuser für Mitglieder der Berufsfeuerwehr und ihre Familien. Den Wohnblock in der Mathystraße 2-4 nutzte er, um den circa 1.400 Quadratmeter großen Innenhof auch im Süden, bis auf die nötige Hofeinfahrt, abzuschließen, während ihm der zweite Wohnblock in der Ritterstraße 44-46 als Riegel für die dahinterliegende Grünanlage diente.

Die am 26. September 1926 eingeweihte Feuerwache verfügte im Erdgeschoss über eine 30 Meter lange und 12 Meter tiefe Fahrzeughalle mit je sieben Toren an den Längsseiten. Die ersten drei Tore waren für den Hauptlöschzug mit Spritze, Leiter und Gerätewagen bestimmt, die folgenden zwei für den Reservezug und die letzten beiden Tore für die Krankenwagen. Über der Halle lag im ersten Obergeschoss der Schlafsaal mit 32 Betten für die diensthabende Mannschaft, die bei Alarm über sechs Rutschstangen in die Fahrzeughalle gelangte. Alle weiteren Räume waren entsprechend ihrer Funktion ebenso zweckmäßig angeordnet.

Da sich Billing bei seinem Bebauungsplan einschließlich der Gestaltung der Straßenfassaden an den klassischen Architekturstil des bereits 1915 gefallenen Friedrich Ostendorf angelehnt hatte, zeigt auch die Feuerwache neoklassizistische Züge, die er allerdings durch weitere historische und frei erfundene Stilelemente (Rundbogen, Bossenquaderung, reliefierte Tondi, Fensterverdachungen und -giebel) auflockernd belebte. Die beiden Steinfiguren, welche die Hofeinfahrt an der Mathystraße bekrönen, entwarfen die Karlsruher Bildhauer Otto Hildebrand und Otto Schneider.

Die Raum- und Hygieneverhältnisse in der Hauptfeuerwache waren Ende der 1950er-Jahre so unhaltbar, dass die Errichtung einer zweiten Wache, der seit Jahrzehnten geforderten Feuerwache West, 1960 endlich realisiert wurde. 1979 wurde das Gebäude umfassend renoviert und 1981 die Feuerwehrleitstelle modernisiert. 1999 wurde die Leitstelle mit der des Landkreises Karlsruhe vereint sowie, mit modernster EDV- und Kommunikationstechnik ausgestattet, in das Untergeschoss des Landratsamts in der Beiertheimer Allee 2 verlegt. Da das unter Denkmalschutz stehende Gebäude nicht mehr den zeitgemäßen Anforderungen einer Feuerwache entsprach, beschloss der Stadtrat im Dezember 2006 den Neubau von Hauptfeuerwache und Integrierter Leitstelle an der Wolfartsweierer Straße, dessen Spatenstich zum ersten Bauabschnitt (Integrierte Leitstelle) nach Plänen des Architekturbüros Harder, Stumpfl und Schramm am 20. November 2013 erfolgte und die bis 2021 fertig gestellt sein soll.

Katja Förster 2019

Quellen

StadtAK 1/BrDir 17, 1/TBA 132, 8/Alben 41/144-149, 290-300 (Pläne).

Literatur

Ute Grau/Barbara Guttmann: Gegen Feuer und Flamme. Das Löschwesen in Karlsruhe und die Berufsfeuerwehr, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe durch Susanne Asche, Karlsruhe 2001 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 23); Gerhard Kabierske: Der Architekt Hermann Billing (1867-1946). Leben und Werk, Karlsruhe 1996 (= Institut für Baugeschichte der Universität Karlsruhe und Südwestdeutsches Archiv für Architektur und Ingenieurbau. Materialien zu Bauforschung und Baugeschichte Bd. 7); Internetpräsenz der Hauptfeuerwache auf der Website der Stadt Karlsruhe, http://www.karlsruhe.de/b4/buergerdienste/feuerwehr/berufsfeuerwehr/wachen/hauptwache.de (Zugriff am 18. November 2019).