Gaststätte Zur Hansa, vor 1913, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIVe 67.
Die Gaststätte vor dem Abbruch 1975, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVe 636.

Gasthaus Zur Hansa

Brauerei-Besitzer Friedrich Hoepfner, der 1900 im Stadtgebiet etwa 13 eigene Wirtschaften mit Hoepfner-Bierausschank verpachtet hatte, versprach sich durch den neuen Rheinhafen westlich von Mühlburg ein weiteres Absatzgebiet. Bereits 1899 kaufte er von der Stadt ein 1.300 Quadratmeter großes Grundstück an der neu hergestellten Honsellstraße, direkt gegenüber dem von 1899-1901 errichteten städtischen Elektrizitätswerk, auf dem er nach Plänen des Architekturbüros Curjel & Moser ein auf Fernwirkung abzielendes Wirts- und Wohnhaus errichten ließ. Die als Schauseiten ausgebildeten Süd- und Westfassaden, deren gemeinsame Eckachse den Gaststätteneingang aufnahm, entsprachen mit ihrer asymmetrischen Fassadengestaltung aus Sandstein, Backstein und Fachwerk, dem abwechslungsreichen Spiel der Dachformen und dem Rückgriff auf historische Bauformen dem damals innovativsten Baustil. Im Frühjahr 1901 war das Gebäude, welches seit Sommer 1900 in den Akten als Gasthaus Zur Hansa betitelt wurde, fertig gestellt. Im Erd- und ersten Obergeschoss waren die Wirtsräume untergebracht, im Kellergeschoss eine Wurstküche und im Dachgeschoss die Wirtswohnung sowie Fremdenzimmer.

Der erste Pächter wurde bereits 1902 durch den Schlosser und Wirt Karl Speck abgelöst, der bis 1925 das Gasthaus Zur Hansa führte. Auf ihn folgte der Metzger und Wirt Albin Keller, der die Wirtschaft bis zu ihrer Zerstörung durch Brandbomben 1944 betrieb. Das Gasthaus profitierte nicht nur von den Arbeitern des Rheinhafens, des Elektrizitätswerks und der dort angesiedelten Firmen, sondern es bildete von Anfang an auch ein beliebtes Ausflugsziel für Karlsruher Vereine, insbesondere Wassersportvereine – die Ruder- und Kanuvereine veranstalteten im Rheinhafen regelmäßig Regatten –, Handwerksinnungen und sonstige Tagesausflügler, die sich für den Hafenbetrieb interessierten.

Nach Kriegsende räumte die Hoepfner-Brauerei dem Wiederaufbau des Gaststättenbetriebs Vorrang ein. Bereits im Januar 1946 bevollmächtigte Friedrich Hoepfner den Architekten Alfred Gaertner mit den Wiederaufarbeiten, die allerdings erst im Mai 1948 vom städtischen Aufbauamt genehmigt wurden. Seit Februar 1948 durften jedoch in der im Keller gelegenen Wurst- und Wirtschaftsküche Speisen und Getränke verkauft werden (keine Bewirtung!). Aufgrund von Materialknappheit musste der Wiederaufbau in zwei Bauabschnitten erfolgen: In einem ersten Schritt wurden die Großküche und Wirtswohnung, in einem zweiten, 1950/51 unter neuer Bauleitung erfolgten Schritt die auf einen Hauptschankraum mit angeschlossenem Nebenzimmer reduzierte Gaststätte sowie Büroräume und Wohnungen hergestellt. Das Obergeschoss schloss mit einer einfachen, fensterlosen Dachkonstruktion ab, wodurch der ursprüngliche Gesamteindruck vollständig verlorenging.

Häufiger Pächterwechsel, zunehmend maroder werdende Bausubstanz und ausbleibende Modernisierungsmaßnahmen führten 1973/74 zur Einstellung des Gaststättenbetriebs. Kurz darauf verkaufte die Brauerei das Anwesen an die Stadt, die das Gebäude 1975 wegen einer neuen Straßenbahntrasse abreißen ließ.

Katja Förster 2016

Quellen

StadtAK 1/BOA 3412, 3414; Karlsruher Adressbücher 1901 ff. https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/bestaende/adressbuecher.de (Zugriff am 23. Dezember 2020).