Ostmarkstraße

Die 1938 benannte Ostmarkstraße in Durlach, im Ortsteil Aue beginnt an der Brühlstraße und zieht in nordwestlicher Richtung nach Killisfeld. Der Begriff Mark bezeichnet eine Grenzregion und findet sich schon früh in vielen indogermanischen Sprachen. Im Karolingerreich entstanden in den Grenzgebieten zahleiche Marken als Herrschaftsgebiet eines Markgrafen zur Sicherung der Grenze. Im Mittelalter umfasste die bayerische Ostmark das Gebiet des späteren Herzogtums Österreich und heutigen Niederösterreichs. Der 1894 gegründete nationalistische Ostmarkenverein widmete sich allerdings der Verbreitung des Deutschtums in Posen und Westpreußen.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Grenzgebiete des aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrages durch etliche Gebietsverluste verkleinerten Deutschen Reiches häufig zu Marken stilisiert. In badischen Zeitungen wurde der Begriff Ostmark in den 1920er-Jahren für die östlichen Grenzgebiete verwendet, mit Westmark wurde das nach dem Verlust von Elsass-Lothringen wieder zum Grenzland gewordene Baden mit einer explizit gegen Frankreich gerichteten Zielrichtung bezeichnet.

Als nach der Eingemeindung von Durlach nach Karlsruhe einige Straßen in Aue umbenannt werden mussten, wurde dies zur Umbenennung der Waldhornstraße in Ostmarkstraße genutzt, womit allerdings Österreich nach dem 1938 erfolgten "Anschluss" an das Deutsche Reich gemeint war. Es entstanden im Umfeld weitere Straßen mit Bezug zu der Ostmark, wie die ebenfalls 1938 benannte Kärntner Straße, die Tiroler Straße, die Grazer Straße, und die nach dem Mörder des österreichischen Kanzlers Engelbert Dollfuss Otto Planetta benannte Straße, heute Grenzstraße. Zusammen mit der Schlesier Straße und der Westmarkstraße entstand ein kleines grenzmärkisches Namensfeld in Aue.

Ernst Otto Bräunche 2017

Literatur

Helmut W. Schaller: Die bayerische Ostmark, in: Historisches Lexikon Bayerns, https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Bayerische_Ostmark,_1933-1945 (Zugriff am 3. August 2017).